Die Sparkasse Engen-Gottmadingen will ihre Angebote ausweiten. Und das als weiterhin eigenständige Bank, die auch an ihren zehn Standorten nicht rütteln will. Die Voraussetzung dafür sei ein weiterhin wirtschaftlicher Erfolg. Dies betont Vorstandschef Jürgen Stille bei der Vorstellung der Bilanz für das Jahr 2017. Möglichen Fusionen, wie sie andere Sparkassen eingegangen seien, erteilen Stille und sein Vorstandskollege Werner Schwacha eine Absage. Sie sehen die Sparkasse Engen-Gottmadingen trotz zunehmend schwierigerer Rahmenbedingungen gut aufgestellt, um sich einem härteren Wettbewerb zu stellen. Die Bank konnte trotz negativer Vorzeichen, wie zunehmende Regulierung und der weiter vorherrschenden Niedrigzinsphase, eine für Stille überraschend positive Bilanz ausweisen. Beim Kundengeschäftsvolumen von 1,531 Millionen Euro gab es ein Plus von 1,6 Prozent.

"Die Sparkassen Engen Gottmadingen legte vor allem bei den Geschäften mit den Wertpapier-Kundeneinlagen und den Kreditvergaben kräftig zu. Der Umsatz aus Wertpapier-Käufen und -Verkäufen stieg 2017 laut Werner Schwacha um mehr als 50 Prozent auf fast 100 Millionen Euro an. Insgesamt hatten die Depotkunden ein Vermögen von an die 165 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Die Kunden versuchen mehr als bisher, durch die Geldanlage in Wertpapieren den lang anhaltenden niedrigen Zinsen zu entkommen", erklärt Schwacha. Trotz der erheblichen regulatorischen Anforderungen werde die Sparkasse Engen-Gottmadingen auch künftig ihre Kunden flächendeckend zu Wertpapier-Geschäften beraten.

"Ein großes Ärgernis ist die von der EU geplante Vergemeinschaftung der Einlagen-Sicherung in Europa. Warum sollen deutsche Sparer mit jahrzehntelang aufgebauten Rücklagen für Risiken in besonders im Süden angesiedelten Ländern haften, die Banken mit ihren Anlegern bewusst in Kauf nehmen? Dagegen wehren wir uns mit allem Nachdruck. Wir hoffen, dass die Bundesrepublik wie schon andere nördliche Länder heftigen Widerstand leisten", fordert Jürgen Stille. Durch die Niedrigzinsphase stagniere das Geschäft mit den klassischen Bank-Einlagen der Sparer. Für viele stehe aber die Sicherheit dennoch an oberster Stelle, so Stille. Dagegen steige das Geschäft mit den Kreditvergaben weiter an. Bei einem Anstieg von etwa einem Prozent hatte die Sparkasse Ende 2017 Kredite und Fremdwährungsdarlehen von etwa 730 Euro Millionen Euro vergeben.

"Das neue Kreditgeschäft lag bei rund 90 Millionen Euro und betrug deutlich über 10 Prozent des Bestands aller Kundenkredite. Zudem gibt es offen Darlehenszusagen von mehr als 40 Millionen Euro, was einem neuen Höchststand entspricht. Niedrige Zinsen und der boomende Immobilienmarkt haben sich auch 2017 positiv auf unser Finanzierungsgeschäft ausgewirkt", berichtet Werner Schwacha. Die Sparkasse Engen-Gottmadingen erzielte 2017 ein operatives Ergebnis von 8,1 Millionen Euro, was einem geringfügigem Rückgang von minus 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

„Trotz schwieriger Zeiten hat die Sparkasse ihre gemeinwohlorientierten Spenden- und Sponsoring-Aktivitäten in der Breite nicht reduziert. Sie bleibt ein verlässlicher Partner und wird sich auch in Zukunft gesellschaftlich engagieren", so Stille. Die Sparkasse stelle sich auf die geänderten Kunden-Erwartungen ein. „Wir werden mit Sicherheit noch digitaler. Die Kunden wünschen sich aber für komplexe Sachverhalte wie Vermögensplanung, Vorsorgethemen oder Finanzierungen einen persönlichen Ansprechpartner von Mensch zu Mensch", so Stille. Mit steigender Tendenz nutzten die Kunden die umfangreichen Möglichkeiten im Online- und Mobile-Banking, die Automaten für Bargeld und Konto-Informationen und bezahlten immer öfter bargeldlos. „Wir werden weiter stark in der Fläche präsent bleiben und in jeder unserer Träger-Gemeinden einen Standort unterhalten. Um dies zu ermöglichen, haben wir in Teilen unsere Öffnungszeiten an das Kundenverhalten und die nachlassenden Kundenfrequenzen in den Geschäftsstellen angepasst", schildert Stille.

"Die Kunden zeigten weitgehend Verständnis für diesen Schritt und sind dankbar, dass die Sparkasse weiterhin vor Ort erreichbar ist. Zudem werden Beratungen außerhalb der Öffnungszeiten 8 Uhr bis 20 Uhr aktiv angeboten, was von den Kunden geschätzt und gut angenommen wird", so Stille. "Das Bankgeschäft bleibt spannend, wird aber nicht einfacher", so Jürgen Stille. „Als Hauptaufgabe sehen wir eine Ausweitung unseres Geschäfts mit Augenmaß und einem klaren Blick auf die Risiken. Wir werden unsere gute Position im Markt verteidigen und die Herausforderungen angehen", erklärt Stille. Er und Schwacha setzen dabei weiter auf den großen Einsatz der Beschäftigten.

Rund um die Bilanz und die Zukunft der Sparkasse Engen-Gottmadingen

  • Die Steuer: Vom operativen Ergebnis hat die Sparkasse als einer der großen Steuerzahler in der Region 2,4 Millionen Euro an Ertragsteuern bezahlt. Die Verdoppelung der Steuerzahlungen gegenüber dem Vorjahr hat handels- und steuerbilanzrechtliche Hintergründe.
  • Die Verbundgeschäfte: Bei den Bausparverträgen und den Versicherungen konnte die Sparkasse die Umsätze weiter erhöhen.
  • Das Eigenkapital: Die Sparkasse nutzt ihre Gewinne, um ihr Eigenkapital weiter zu stärken. Damit soll sie auch für wirtschaftlich schwächere Zeiten gut gerüstet sein. Die Kernkapitalquote beträgt nach der Bilanzfeststellung 14,5 Prozent.
  • Der Ausblick: Für 2018 geht die Sparkasse Engen-Gottmadingen laut Jürgen Stille von einem fortgesetzten Aufschwung aus. Die Sparkasse Engen-Gottmadingen erwartet im laufenden Jahr keine gravierenden, nachhaltigen Veränderungen der Finanzmarktindikatoren, wohl aber eine fortgesetzte Schwankungsanfälligkeit an den Finanzmärkten. Es wird davon ausgegangen, dass die Zinsen auf einem historischen Tief bleiben. An den Aktienmärkten könnte es 2018 etwas ruppiger zugehen. Das Marktumfeld zeige sich derzeit sehr schwankungsreich und es müsse mit weiteren kurzzeitigen Kursrücksetzern gerechnet werden. Es böten sich aber weiterhin Chancen, so Jürgen Stille.
  • Investitionen in Digitalisierung: Neben hohen Investitionen in Geschäftsstellen und Automaten zur Selbstbedienung werden gleichzeitig enorme Summen für die Digitalisierung ausgegeben. Dies betrifft in 2018 vor allem den Bereich der Bezahlmöglichkeiten. Zu nennen ist beispielsweise die kostenlose Sparkassen-App. Mit der neuen Foto-überweisung können Rechnungen einfach abfotografiert werden, alles andere macht die Sparkassen-App. Es lassen sich laut Stille einfach und sicher Überweisungen von Handy zu Handy tätigen. Giro- und Kreditkarten werden für das mobile Zahlen kontaktlos im laufenden Jahr in das Handy der Kunden gebracht. Auch das Bezahlen per Smartphone an der Scanner-Kasse wird kommen. „Aktuell stehen wir als einer der Ersten mit dem sogenannten Instant Payment, Echtzeit-Überweisungen in Sekundenschnelle, vor der Markteinführung, die für Juli 2018 vorgesehen ist“, so Jürgen Stille. Die Sparkasse stattet sukzessive ihre Geschäftsstellen mit offenen W-LAN-Netzen aus, um unter anderem ihren Kunden die digitalen Anwendungsmöglichkeiten zeigen und gleich installieren zu können.
  • Die Hausmesse: Beim verkaufsoffenen Sonntag, Engener Oktoberle, veranstaltet die Sparkasse Engen-Gottmadingen am Sonntag, 30. September, eine Hausmesse. Es soll bei der Veranstaltung viele Attraktionen zum Thema Payment geben.