Der ländliche Raum ist mit seinen vielen mittelständischen und handwerklichen Betrieben sowie der Land- und Forstwirtschaft wichtig für eine funktionierende Infrastruktur im Landkreis. Sie alle sind auf ordentlich befahrbare und sichere Straßen angewiesen, die Instandhaltung liegt in der Verantwortung des Landratsamts Konstanz. Doch die durch das „Wasserburger Tal“ führende Kreisstraße 6178 befindet sich in einem desolaten Zustand. Sie musste im vergangenen Sommer deshalb sogar wochenlang mit gravierenden Folgen für die Anlieger gesperrt werden.

Bereits jetzt beginnt die Standfestigkeit der Kreisstraße 6178 nachzulassen. Schon einfaches Betreten reicht, um die Weichheit sichtbar zu machen.
Bereits jetzt beginnt die Standfestigkeit der Kreisstraße 6178 nachzulassen. Schon einfaches Betreten reicht, um die Weichheit sichtbar zu machen.

Die Sanierung, die eigentlich im Haushalt des Landkreises eingeplant war, steht offenbar gerade auf der Kippe. Sie steht wieder auf einer Prioritätenliste des Kreistags und im Hinblick auf die Kreistagssitzung am Montag, 25. Mai, befürchten Bürger und Bürgermeister, dass die Maßnahme wieder verschoben wird. „Ich unterstütze die Honstetter Unternehmer und Bürger“, betont Eigeltingens Bürgermeister Alois Fritschi. „Auch die landkreisübergreifenden Verbindungen nach Tuttlingen und der Tourismus verdienen eine guten Anbindung. Die Kreisstraße ist in einem desolaten untragbarem Zustand. Jetzt muss saniert werden, der Kreis muss handeln“, so Bürgermeister Fritschi weiter.

Die Ängste von Unternehmern

Ulrich Bach, Inhaber mehrerer Autohäuser, sagt: „Die Hauptstrecke von oder zu uns führt immer durch das Wasserburger Tal über die K 6178 zur Autobahn A 81. Auch für Einkäufe, Besorgungsfahrten, Arztbesuche und anderes mehr ist die K 6178 die wichtigste Verkehrsroute. Diese wichtigste Zufahrt für diese Region des oberen Hegaus ist mit großem Abstand aber auch die schlechteste.“

So sieht die Straße im Kreis Tuttlingen, Schenkenberg aus. Bild: Susanne Schön
So sieht die Straße im Kreis Tuttlingen, Schenkenberg aus. Bild: Susanne Schön

Patrick Engler aus Honstetten von einem Metzgereibetrieb mit fünf Filialen in der Region erklärt: „Wir fahren diese Strecke mit verschiedenen Fahrzeuge vier bis sechs Mal pro Tag. Die holprige Straße ist Ursache für erheblich höheren Verschleiß.“ Dies und zeitweise Vollsperrungen habe ihn zusammen mit anderen Standortnachteilen dazu bewogen, den Hauptsitz nach Welschingen zu verlegen.“

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Auch für Edgar Imm, Forstbetrieb und Holzhandel, ist die Wasserburger Tal-Straße die wichtigste Fahrstrecke und für den Standort nicht verzichtbar: „Für unsere Fahrzeuge ist die enge und kurvige Ausweichstrecke über Bittelbrunn verkehrsgefährdend. Wenn ein Lastwagen entgegenkommt, kann man nicht ausweichen.“

Im Sommer und im Winter wird die K6178 so glatt, dass vor allem Zweiradfahrer gefährdet werden. Dazu kommen Schlaglöcher und abbrechende Bankette. Bild: Susanne Schön
Im Sommer und im Winter wird die K6178 so glatt, dass vor allem Zweiradfahrer gefährdet werden. Dazu kommen Schlaglöcher und abbrechende Bankette. Bild: Susanne Schön

Marcel Kähler, CDU-Gemeinderat in Eigeltingen, legt nach: „Als Gemeinderat will ich die Infrastruktur im Ort mit entwickeln. Ohne diese Straße wird es nicht möglich sein, neue Firmen und Strukturen im Ort ansässig zu machen. Ohne Sanierung werden Speditionen, Unternehmer, Bürger aus Honstetten in Zukunft jeden Tag Umwege fahren müssen.“ Das koste zum einen viel Geld und habe zum anderen negative Folgen für die Umwelt in der Region.“

Patienten könnten sich auf dem Transport erneut verletzen

Andreas Schuler, einer der drei Geschäftsführer von Schmidt Hundeboxen, weist daraufhin: „Ein medizinischer Notfall wird mit dem Rettungswagen immer über die K 6178 ins Krankenhaus nach Singen gefahren. Auch wenn das Rettungsfahrzeug aus Stockach oder Radolfzell kommt.“ Ein schwer verletzter Patient laufe bei der holprigen Fahrt durchs Wasserburger Tal Gefahr, weiteren Schaden zu nehmen, sagt er. „Noch schlimmer wäre die Situation, wenn die Straße wegen Hitze gesperrt ist. Dann ist ein Umweg von 15 Kilometer notwendig und wertvolle Zeit geht verloren“, gibt er weiter zu bedenken.

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„Sicherheit hat logischerweise Vorrang, aber jahrelange Versäumnisse der Instandhaltung haben nicht mit höherer Gewalt zu tun“, ist sich Markus Bihler, Vorsitzender der Maromas Group und Leiter der Niederlassung in Honstetten, sicher. Daher steht er dafür ein, dass die notwendigen Präventivmaßnahmen sofort ausgeführt werden müssen und die K 6178 weiterhin ganz oben auf der Prioritätenliste des Landkreises bleiben muss und nicht schon wieder verschoben werden könne. Es gelte, die Lebensader dieser Region des Hegaus und die Verbindung vom Kreis Konstanz zum Landkreis Tuttlingen zu sichern.

Die Honstetter hoffen, dass diese Schilder bald wieder abgebaut werden können. Darauf warten sie schon seit Jahrzehnten. Bild: Susanne Schön
Die Honstetter hoffen, dass diese Schilder bald wieder abgebaut werden können. Darauf warten sie schon seit Jahrzehnten. Bild: Susanne Schön

Eine erneute Sperrung könnte aber nach Expertenmeinung mit rechtzeitigen Präventivmaßnahmen verhindert werden. Tiefbauunternehmer Wolfgang Braun und Straßenbaumeister Volker Kähler sind sich einig und appellieren schnell zu handeln: „Die Straße sollte in den betroffenen Segmenten mit Sonneneinfall abgesplittet und der Splitt direkt eingewalzt werden, um zu verhindern das die Feinanteile des Asphalt nach oben gedrückt werden und so eine klebrige Masse entsteht.“ So bleibe der Asphalt formstabil und die Straße weiter hin befahrbar. „Dies sollte noch bei milden Temperaturen erfolgen, da sonst die ganzen Feinanteile von der Hitze nach oben gedrückt werden“, betonen sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Entgegen einer anderen Äußerung des Straßenbauamtes gäbe es viele Beispiele auch in anderen Landkreisen, wo das erfolgreich praktiziert werde. Wichtig sei nur, dass es rechtzeitig gemacht werde.

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