In Eigeltingen herrscht Frust im Schülerverkehr: Während der Rektor der Eigeltinger Schule, Michael Wernersbach, im Schulalltag wegen Corona dafür sorgen muss, dass sich Klassen nicht durchmischen, erlebt er täglich, wie die Kinder und Jugendlichen im Schülerverkehr eng in einem Bus stehen. Dabei ist Durchmischung nicht zu verhindern.

Vor allem der letzte Bus Richtung Stockach macht ihm Sorgen: „Es gab schon vor Corona Probleme mit diesem Bus.“ Damals sei teilweise ein zweiter Bus eingesetzt worden, um die Situation zu entschärfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Doch dieser sei nicht immer gefahren und so manches Mal seien Schüler nicht nach Hause gekommen. So seien dann doch alle in den ersten Bus gestiegen. „Dadurch hatte das Landratsamt wohl den Eindruck, dass der zweite Bus nicht genügend ausgelastet sei“, vermutet er.

„Ein unhaltbarer Zustand“

Bürgermeister Alois Fritschi ist darüber verärgert: „Das ist ein unhaltbarer Zustand, wie hier Schüler eng zusammengequetscht fahren müssen, während eigentlich noch Abstandsregeln gelten und auch die Sicherheit ist so nicht gewährleistet.“ Zwar gilt im Bus Maskenpflicht, doch die Erwachsenen wissen, dass zumindest die Kinder der unteren Klassen diese nicht immer richtig tragen.

Zudem bekommen sie nicht alle Sitzplätze und haben Probleme, sicher im Bus zu stehen. Der Busfahrer verweist an einem Nachmittag auf vier freie Plätze im hinteren Teil des Gelenkbusses, doch im Gang stehen rund vierzig Schüler. Gerade die Neulinge haben Angst, nicht mehr rechtzeitig aus dem Bus zu kommen, wenn sie hinten sitzen.

Es fehlt ein Ansprechpartner

„Die Schüler sind mit der aktuellen Lage überfordert“, befindet Michael Wernersbach. Die Lehrer greifen zwar beim Einstieg ausgleichend ein, aber eigentlich hätten sie ganz andere Aufgaben zu bewältigen.

„Früher gab es eine Hotline, bei der man anrufen konnte und man konnte manches auf dem kleinen Dienstweg klären“, sagt er. Heute sei das Landratsamt zuständig, dort sei aber nach 16 Uhr, wenn das Problem mit dem Bus auftrete, niemand mehr zu erreichen.

Manche Schüler laufen schon zu anderen Bushaltestellen, damit sie im Bus sind, bevor dieser an der Schule ankommt. Es sind aber auch nicht alle Busse überfüllt. Bild: Susanne Schön
Manche Schüler laufen schon zu anderen Bushaltestellen, damit sie im Bus sind, bevor dieser an der Schule ankommt. Es sind aber auch nicht alle Busse überfüllt. Bild: Susanne Schön

„Die Eltern machen berechtigt Druck“, berichtet der Bürgermeister aus seinem Alltag. Denn als Bürger müssten sie und ihre Kinder sich an Regeln halten. Zudem habe die Schulgemeinschaft im Alltag viele Regeln, die oft nur schwer umzusetzen seien.

Und dann sehe und erlebe man die Schülerbeförderung, für die scheinbar keine Regeln gelten. „Der Landkreis soll liefern, wozu er gesetzlich verpflichtet ist“, fordert Alois Fritschi zum Beispiel den zweiten Bus der Linie 400 zum Schulende.

Das sagt das Landratsamt

Auf Nachfrage des SÜDKURIER erklärt das Landratsamt, dass die Fahrgastzahlen im Schülerverkehr generell hoch seien. „Dieser bekannte Umstand wurde bei der Organisation des Schülerverkehrs natürlich berücksichtigt“, so Pressesprecherin Marlene Pellhammer.

Die im Schülerverkehr eingesetzten Busse seien zwar regelmäßig gut ausgelastet, aber nur in einzelnen Fällen wirklich überfüllt. „Die Kapazitätsgrenze eines Schulbusses ist erst erreicht, wenn alle Sitzplätze und alle Stehplätze belegt sind“, erklärt sie weiter. Auch wenn durch die Pandemie derzeit ein anderer Eindruck entstehe, sei die Kapazität der Busse nicht erschöpft, wenn Schüler stehen müssten.

Keine Verstärkerbusse im Einsatz

Im Jahr 2020 und im Frühjahr 2021 seien vereinzelt wegen Corona im Schülerverkehr vom Land geförderte Verstärkerbusse eingesetzt worden, aktuell seien jedoch keine solchen Busse im Einsatz. „Die Richtlinien für eine erneute Förderung von Verstärkerbussen nach den Sommerferien sind vom Land aktuell noch nicht veröffentlicht.

Wir müssen bei der Gestaltung des Schülerverkehrs weiter auf Sicht fahren, da sich derzeit auch in den Schulen langsam ein Weg zur Normalität abzeichnet“, erklärt Pellhammer. Grundlage für den Einsatz von Verstärkerbussen seien Schülerzählungen in den Bussen.

Zählung habe ergeben: Busse sind nicht überfüllt

„Sind Busse dauerhaft überfüllt, werden strukturelle Anpassungen vorgenommen.“ Eine Überprüfung in Eigeltingen habe aber ergeben, „dass entgegen des geschilderten Eindrucks keine Überfüllung vorliegt. Die subjektiv überfüllten Busse waren regelmäßig nur zu rund 60 Prozent besetzt“, so die Pressesprecherin.

Aber: „Der Landkreis wird auch weiterhin alle Schülerkurse beobachten und genau prüfen, wo gegebenenfalls nachzusteuern ist, weil Kapazitäten nicht ausreichen.“

Zebrastreifen kommt

Aber es gibt eine gute Nachricht für Eigeltingen: Bald soll der seit vielen Jahren geforderte Zebrastreifen kommen, der das Mensagebäude sicher mit dem Altbau der Schule verbinden soll. Auch hierfür kämpfte die Schulgemeinschaft lange und hartnäckig.