Wie gelungene innerörtliche Verdichtung mit der Bewahrung dörflicher Strukturen gelingen kann, kann man im Eigeltinger Ortskern seit sechs Jahren beobachten. Seitdem wird am Gebäudekomplex des Gasthaus Lamm gearbeitet. Die Arbeiten zogen sich in die Länge, weil die Bausubstanz deutlich schlechter war, als es ein als Gaststätte betriebenes Gebäude erwarten ließ.

Schwierige Bausubstanz

Das Gebäude ist deutlich größer als man es von der Straße aus vermutet. Vor allem der Dachstuhl war verfault, von Holzwurm oder Pilz befallen. Die Wände waren nicht aus Kalkstein gemauert, sondern aus einfachem Feldgestein. Um dem Dach ein stabiles Fundament zu geben, mussten Betongurte verbaut werden. Erfreulicherweise konnten zwei Gewölbekeller erhalten werden.

Dorfwirtschaft als Treffpunkt

Von Anfang an war es das Ziel Christofer und Anton Bihlers, die Dorfgaststätte zu erhalten. „Eine Dorfwirtschaft ist wichtig für einen Ort, ein sozialer Treffpunkt“, sagt Anton Bihler. Das sieht auch Bürgermeister Alois Fritschi so und freut sich, dass man für deren Erhalt eine Förderung im Rahmen des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum in Höhe von 70.000 Euro bekommen hat.

Grundsanierung ist teuer

Da der ursprüngliche Pächter vor Jahren abgesprungen ist, wurde die Wirtschaft geschlossen. Der Gebäudeteil wird nun grundsaniert, um die vielfältigen Vorgaben an einen modernen Gastronomiebetrieb zu erfüllen. „Wir müssen hier sehr viel Geld investieren ohne zu wissen, ob wir es mit einer Dorfwirtschaft wieder erwirtschaften können“, erklärt Anton Bihler.

Bistro als Übergang zum Dorfgasthaus

Geöffnet hat seit Dezember 2017 das Bistro Meral. Hier kann man erkennen, wie die Dorfwirtschaft nebenan einmal aussehen könnte. Moderne Technik bei der Zubereitung und historische Materialien bei der Gebäudegestaltung. Geschäftsführer Hakan Turkaya freut sich, dass Döner und Pizza hier schon viele Stammkunden haben.

Im August 2015 wurde noch fleißig am Dachstuhl gearbeitet. Inzwischen ist das Gerüst abgebaut und die meisten Arbeiten abgeschlossen. An der Dorfwirtschaft wird noch gearbeitet.
Im August 2015 wurde noch fleißig am Dachstuhl gearbeitet. Inzwischen ist das Gerüst abgebaut und die meisten Arbeiten abgeschlossen. An der Dorfwirtschaft wird noch gearbeitet.

In Corona-Zeiten sei der Lieferdienst sehr gefragt. Viele Kilometer lege er in Eigeltingen und Umgebung zurück, sagt Turkaya. Von Anfang an war ein Drive-In geplant, dieser kann nun genutzt werden. So könne manche Lieferfahrt entfallen, wenn die Kunden vorschriftsgemäß ihr Essen am Schalter abholen, wenn sie gerade auf der Heimfahrt sind.

Ärzte und Apotheke als Grundversorgung

Doch nicht nur Gastronomie spielt in dem weitläufigen Gebäudekomplex eine Rolle. Seit April vergangenen Jahres praktiziert hier auch der Allgemeinmediziner Jürgen Kaufmann. „Die zweite Hausarztpraxis sorgt neben der Apotheke, der Zahnärztin und vielen Therapeuten für eine sehr gute gesundheitliche Versorgung unserer Bürger“, freute sich Bürgermeister Alois Fritschi bei der Eröffnung. Zudem ist Wohnraum in dem Gebäude entstanden.

Nachhaltige Wärmegewinnung

Zur dörflichen Infrastruktur gehört auch die Hackschnitzelheizung, mit der der Gebäudekomplex ebenso mit Wärme versorgt wird wie das Rathaus, Schwesternhaus, der Dorfladen und weitere Gebäude in der Dorfmitte. „Wir nutzen minderwertiges Holz und haben kurze Wege“, betont Anton Bihler Nachhaltigkeit und die regionale Wertschöpfung.

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Denn das regenerative Heizkraftwerk mit 350 Kilowatt Leistung wird mit Hackschnitzeln aus dem Gemeindewald betrieben. Für die Anlage musste ein tragfähiges Fundament erstellt werden. Durch in den Gebäuden dezentral installierte Pufferspeicher ist die zeitliche Abschaltung des Nahwärmenetzes in den Sommermonaten möglich. Dann erfolgt die Trinkwarmwasserbereitung mit thermischer Solarenergie.