Kennen sie BoriS? BoriS ist kein Mann aus dem fernen Russland, sondern die Abkürzung für "Berufsorientierte Schulen". Dafür gibt es auch Zertifikate. Die Eigeltinger Gemeinschaftsschule erhielt nun ein solches. Bereits als Werkrealschule gab es 2007 ein Zertifikat, das 2010 und 2013 erneuert wurde. Konrektor Andreas Rossatti freut sich besonders, dass die Prüfungskommission um die Unterlagen der Eigeltinger Berufsorientierung bat. Denn sie sollen als Beispiel an andere Schulen weitergegeben werden.

Bei der Verleihung in der Bildungsakademie Singen wurden auch die Gründe für solche Zertifizierungen angesprochen. So ist der Fachkräftemangel ist ein Zukunftsrisiko. Rund 200 000 Fachkräfte würden aus dem nichtakademischen Bereich in den nächsten Jahren fehlen. Dazu komme, dass ein Drittel der Studenten in der ersten Phase das Studium abbrechen. Alexander Urban (Geschäftsführer Landesprojektbüro BoriS, IHK Hochrhein-Bodensee) lobte die Schule Eigeltingen, die Umstellung zur Gemeinschaftsschule sei mit Berufswegeplanung unter neuer Schulleitung hervorragend gelungen. Sie biete einen überdurchschnittlich hohen Standard der Berufswegeplanung und der rote Faden der beruflichen Orientierung sei klar erkennbar. Zudem seien die Einbindung außerschulischer Partner und die Jobbörse beispielhaft. Handlungs- und Verantwortungsbereitschaft sowie Teamfähigkeit würden als zentrale Anliegen mit Schülerfirmen und Schülerjobs umgesetzt.

Praktische Arbeit ist der Schule wichtiger als das Dokumentieren

"Bereits vor der ersten Zertifizierung hat die Berufswahl und die Möglichkeiten, die wir als Schule haben, unsere Schüler dabei zu begleiten, eine große Rolle für uns gespielt", erklärte Andreas Rossatti. Man habe sich stets weiter entwickelt und mit der Neuorientierung als Gemeinschaftsschule habe man sich vor allem auf die Strukturen konzentriert. So sei das einzige kleine Manko, das sich nach der Prüfung ergeben habe, die Dokumentation. "Hier haben wir noch etwas Spielraum", weiß der Konrektor. Doch es sei den Lehrern wichtiger, mit Eltern und Schülern aktiv den Weg der Berufswahl zu gehen und nicht Listen auszufüllen.

"Wir haben unterschiedlichste Hilfsmittel und Kooperationspartner", erklärt die Schulleitung. Dazu gehört die Jobbörse, die die Schulen Steißlingen und Eigeltingen jährlich im Wechsel ausrichtet. So manches Praktikum oder mancher Ausbildungsplatz wurde hier gefunden. Ebenso werden hier die Berufe für die jungen Menschen greifbar. Das Handwerksmobil schaut jährlich vorbei. Wirtschaftskunde ist ein eigenständiges Fach. Die Teilnahme am Girl's und Boy's Day wird von der Schule unterstützt. Es gibt Ausbildungsbotschafter in den Wahlpflichtfächern sowie Schülerfirmen und -jobs, Praktika und Bewerbertrainings mit außerschulischen Partnern sowie viele weitere Informations- und Gesprächsmöglichkeiten.

Beteiligung der Eltern ist unverzichtbar

Die Eltern sind auch im Schulalltag eingebunden. "Bei Gemeinschaftsschulen sind die Eltern-Schüler-Lehrer-Gespräche fester Bestandteil", erläuterte Rossatti. Ein weiteres unverzichtbares Hilfsmittel sind die Praktika. Mancher ach so tolle Beruf wird plötzlich langweilig oder ein scheinbar undenkbarer Beruf attraktiv. Die Unterstützung der Eltern ist hier gewünscht. Und diese bekommen ebenso Informationen an die Hand. Als Partner konnten in diesem Jahr auch das Hegau-Bodenseeklinikum und die Firma Takeda gewonnen werden.

Dazu kann die Schule Eigeltingen im Feld Berufswahl auf viele Partner zurückgreifen. Seien es die vielen Unternehmer der Region, der Arbeitskreis Schule Wirtschaft oder Kooperationspartner. Zu Letzteren gehört ETO Magnetics, deren Lehrwerkstatt und seit 2010 deren Ausbildungsbotschafter. Ebenfalls seit 2010 arbeitet die Schule mit Modellbau Pfeiffer zusammen. Aptar bietet Werksführungen, die Vorstellung verschiedenster Ausbildungsberufe und das Üben von Vorstellungsgesprächen seit 2015. Mit dem Handelsverband Südbaden gibt es seit 2012 eine Kooperation. Storz Verkehrswegebau ist vielfältig an der Schule zu finden. So unterstützt die Firma beispielsweise die Schulhofgestaltung und stellt Ausbildungsbotschafter. Seit diesem Schuljahr ist auch die Bildungsakademie Singen mit einem Pool von sechs Berufen mit an Bord.

Das sagen die Zertifizierer

"Die Schule zeigt ein ausgewogenes und nachhaltig gesichertes Konzept der Berufsorientierung. Auch nach Änderung der Schulart erscheint es als sicher, dass die Schule ihren überdurchschnittlich hohen Standard auf Dauer beibehalten wird. Die BO-Beauftragten, aber auch die gesamte Lehrerschaft und die Schulleitung sind Garant für eine stetige Weiterentwicklung und nachhaltige Qualität zu Gunsten der Schüler. Die Jury kann nur beglückwünschen und bitten: Weiter so!" So lautet das Fazit der Zertifizierer. Einzig die Weiterführung und Pflege einer Verbleibestatistik mit großem Zeitfenster sei wünschenswert.