Mit der derzeitigen Internetverbindung hakt es und die Zukunft ist unsicher: Einige Bewohner des Eigeltinger Teilorts Guggenhausen ärgern sich sehr über die Telekom. Sie ist die Bremse des weiteren Internetausbaus in der Gesamtgemeinde, denn sie müsste in Guggenhausen, Eckhartsbrunn und Glashütte Verteilerkästen aufstellen. Das ist bisher nicht geschehen und nun verschickt das Unternehmen Kündigungen von Telefonanschlüssen. Jens Herning und Markus Thum haben bereits welche bekommen.

Die Telekom will für Guggenhausen nach derzeitigen Stand keinen Verteilerkasten aufstellen.
Die Telekom will für Guggenhausen nach derzeitigen Stand keinen Verteilerkasten aufstellen. | Bild: Löffler, Ramona

„Wir sehen klein aus, aber hier sind viele Gewerbebetriebe“, sagt Herning über Guggenhausen. Und genau diese Firmen hätten ohne Internet ein großes Problem. Bereits jetzt sind die geringen Geschwindigkeiten für viele ein Hindernis. Manche behalfen sich schon so, dass sie Daten für die Arbeit per USB-Stick außerhalb hoch oder heruntergeladen haben.

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Anwohner Gerd Wanschura erzählt auch, dass unter den rund 70 Einwohnern 19 Kindern seien und bald weitere dazu kämen. Diese bräuchten irgendwann auch das Internet. „Es ist eine Sauerei, die Gesellschaft so abzuhängen“, sagt er ganz deutlich. Wanschura hat die Theorie, dass die Telekom sich so sträube, um es der Gemeinde nach einem vor Jahren verlorenen Prozess heimzuzahlen. Herning und Wanschura sehen die Schuld bei der Telekom. Der Bürgermeister versuche zu retten, was zu retten sei.

Die Kündigungen seien gravierend, weil damit die bei Kunden bekannten Nummern wegfallen würden, erklären die Betroffenen. Herning erzählt, dass er als Alternative für seine drei ISDN-Nummern von der Telekom erklärt bekommen habe, dass er ja drei Amtsleitungen beantragen könne. Dafür bräuchte er aber drei neue Anschlüsse und drei Verträge, die jeweils Kosten verursachen. „Trotz Internetausbau in Deutschland bleiben die ländlichen Gemeinden auf der Strecke“, fasst er zusammen. Seine Befürchtung ist, dass Jahre dauert, bis eine gute Internetversorgung in Guggenhausen steht.

Viele in Eigeltingen-Guggenhausen haben Kündigungen der Telekom bekommen.
Viele in Eigeltingen-Guggenhausen haben Kündigungen der Telekom bekommen. | Bild: Löffler, Ramona

Markus Thum, der eine Werkstatt und einen Reifenhandel betreibt, schildert, wie sehr er auf Internet angewiesen ist und dass Ausfälle eine Katastrophe für sein Geschäft seien. „Wir kämpfen uns mühsam durch.“ Nach Erhalt der Kündigung habe er in einem Telekom-Laden nach den weiteren Möglichkeiten gefragt. Die Auskunft: Man könne ihm nichts anbieten. Funktionierendes und schnelles Internet sei eigentlich auch eine Grundvoraussetzung für die Nachfolgersuche für eine Firma, ergänzt Thum.

Katja Werz von der Unternehmenskommunkation der Deutschen Telekom AG erklärt auf SÜDKURIER-Anfrage, dass die Telekom nicht überall gleichzeitig ausbauen könne: „In manchen Gemeinden lässt sich ein Ausbau nur über Kooperationen erreichen, in anderen Regionen haben andere Unternehmen Breitbandnetze ausgebaut. Als privatwirtschaftlichem Unternehmen liegen unseren Ausbauentscheidungen selbstverständlich Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zu Grunde.“ In Eigeltingen habe die Telekom den Nahbereich rund um die Betriebsstelle mit Vectoring-Technik ausgebaut.

Die Telekom distanziert sich

Die Sprecherin verweist darauf, dass Eigeltingen entschieden habe, selbst ein Breitbandnetz auszubauen. „Ein Ausbau der Vectoring-Technik an weiteren Verteilerkästen im Gemeindegebiet durch die Telekom ist deshalb nicht geplant, denn die Gemeinde möchte ausdrücklich keinen Breitbandausbau in Kooperation mit der Telekom vornehmen“, schreibt Katja Werz. Sie könne deshalb nichts zu Guggenhausen, Eckhartsbrunn und Glashütte sagen. Das müsse die Gemeinde tun.

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Die Distanzierung der Telekom von den drei Weilern klingt endgültig. Doch der Eigeltinger Bürgermeister Alois Fritschi sagt: „Wir sind noch in Verhandlung.“ Die Bürger in Guggenhausen, Eckhartsbrunn und Glashütte seien genauso wichtig, wie die Bewohner in allen anderen Ortsteilen. Er sehe sich verpflichtet, den Breitbandausbau überall zu realisieren. Falls dies mit der Telekom nicht klappe, soll es eine andere Lösung geben. Im Falle eines Glasfaserausbaus durch die Gemeinde würde dann eine Leitung in jeden Keller gelegt werden. Die Anwohner müssten sich dann jedoch an den Kosten beteiligen.

Gemeinde macht alles selbst, falls nötig

Fritschi erklärt, er sei zuversichtlich, alle Ortsteile ans Netz zu bekommen. Sollte die Gemeinde es selbst umsetzen müssen, könnte es jedoch länger dauern, da Zuschussanträge und Umfragen bei verschiedenen Betreibern notwendig wären. Er sagt ganz deutlich: „Wir nehmen es selbst in die Hand, wenn es die Telekom nicht macht.“ Gleichzeitig betont Fritschi, dass ein Marktversagen der Anbieter herrsche. Es sei eigentlich die Aufgabe der Telekommunikationsanbieter, den Breitbandausbau zu machen. Die Gemeinde habe eigentlich andere Kernaufgaben.

Wie der Stand in Mühlingen ist

Auch in Mühlingen, Eigeltingens Partner beim Breitbandausbau, gibt es Probleme wegen der Telekom. So seien zum Beispiel zwei Leerohre im Kernort verlegt, aber sie dürften nicht genutzt werden, erklärt Bürgermeister Manfred Jüppner. „Es wird allgemein geklagt, dass die Telekom analoge Anschlüsse und ISDN kündigt, um die Leute dazu zu bringen, neue Verträge mit Mindestlaufzeiten abzuschließen“, erzählt er. Jüppner findet es merkwürdig, dass die Telekom jahrelang nichts gemacht habe. „Allem Anschein nach, kommt sie dort in die Quere, wo eine Gemeinde selbst ausbaut.“ Dennoch komme in Mühlingen momentan alles gut voran.

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