Wer an Denkmälern interessiert ist, den kann offensichtlich kein schlechtes Wetter abschrecken. Gruppen, Einzelpersonen, Paare und Familien nutzten den Tag des offenen Denkmals, um sich über die Denkmäler der Region zu informieren. So zum Beispiel Familie Nitsch. Dagmar, Corinna und Rolf Nitsch besuchten bei strömenden Regen den Römischen Gutshof in Eigeltingen. Dieser ist zwar ganzjährig rund um die Uhr geöffnet, doch gab es am Tag des offenen Denkmals zwei Führungen. „Das ist eine tolle Gelegenheit, Wissen von Insidern zu bekommen“, freute sich Dagmar Nitsch.

Dagmar, Corinna und Rolf Nitsch (von links) ließen sich den Tag des offenen Denkmals vom Regen nicht vermiesen. Sie besuchten den Römischen Gutshof bei Eigeltingen.
Dagmar, Corinna und Rolf Nitsch (von links) ließen sich den Tag des offenen Denkmals vom Regen nicht vermiesen. Sie besuchten den Römischen Gutshof bei Eigeltingen. | Bild: Susanne Schön

Ewald Halder, Vorsitzender des Fördervereins, erklärte: „Für uns ist der Tag des offenen Denkmals eine gute Gelegenheit, unsere Arbeit vorzustellen.“ Selten ist ein Gutshof so gepflegt, wie der in Eigeltingen. Viele sind unter der Erde oder von Grün überwuchert. Die Gebäude und Bautechniken der Römer passten gut zum diesjährigen Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Nach den Römern durchzogen die Holzbauten der Alemannen unsere Region. Eine Materialmischung aus Erde, Stein, Holz und Metall konnten die Besucher der Schlosstorkel in Bodman erkunden. Sowohl Eigentümer Wilderich Graf von und zu Bodman als auch Architekt Tobias Jaklin und der zukünftige Nutzer Rolf Bernhard Hauff, der in Holzmaden in dritter Generation ein Fossilienmuseum leitet, hatten interessante Fakten für die Besucher zu bieten.

Der Graf band das Gebäude in die Geschichte seiner Familie und vor allem Bodmans ein. Hauff stellte die Pläne für das Fossilienmuseum vor, welche das Gebäude nicht beeinflussen aber eine harmonische Nutzung darstellen soll. Tobias Jaklin wusste viel über das Gebäude an sich zu berichten. Ins Schwärmen geriet er bei der Handwerkskunst. Er lobte sowohl die Handwerker, die 1772 das Fachwerkgebäude mit großer Kelter (Torkel), Obstpresse und Getreideböden im spätbarocken Stil errichtet hatten als auch die Handwerker, die aktuell an der Sanierung mitwirken.

Die Schlosstorkel wurde bis in die 1960er Jahre genutzt. Durch die Nutzung und den anschließenden Leerstand ergaben sich einige Schäden. Doch eine weitere Nutzung, im Zuge derer man das Gebäude hätte erhalten müssen, war nicht in Sicht. Ohne Nutzung sei eine Sanierung lange nicht von Nutzen gewesen.

2018/19 wurde das Baudenkmal dann mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Landesdenkmalamt komplett saniert. Es fehlt derzeit noch eine Fluchttreppe, die noch eingebaut werden soll.

Interessierte hatten am vergangenen Sonntag darüber hinaus die Möglichkeit, Kirchen zu besichtigen. Viele, die gewöhnlich geschlossen sind, weil man befürchten muss, dass die Kunstschätze gestohlen oder zerstört werden, waren an diesem Tag geöffnet. So zum Beispiel die an die St. Peter und Paul-Kirche angebaute Johanniterkapelle in Orsingen. Im Jahr 1627 erbaut, dient sie heute als Sakristei, weshalb sie normalerweise nicht für Besucher zugänglich ist. Alois Stemmer war vor Ort, um Interessierte über die Geschichte der Kapelle zu informieren. Er ist als Architekt und Kirchensanierer der Fachmann für die Kirchen der Doppelgemeinde und hat auch einen Kirchenführer geschrieben.

Den ganzen Tag über strömen Menschen in die Johanniterkapelle in Orsingen. Sie dient als Sakristei und ist normalerweise nicht für Besucher geöffnet.
Den ganzen Tag über strömen Menschen in die Johanniterkapelle in Orsingen. Sie dient als Sakristei und ist normalerweise nicht für Besucher geöffnet. | Bild: Susanne Schön

Ein weiteres Ziel, das am Tag des offenen Denkmals in Stockach angesteuert werden konnte, war die Kirche in Zizenhausen, durch die Johannes Waldschütz, Leiter des Stockacher Stadtarchivs- und Museums, führte. Auch die St.-Martins-Kapelle in Nenzingen öffnete ihre Türen und bot Einblicke.