Igel sind nicht zum Kuscheln da. Auch für den Igel wird der Lebensraum in der Region knapper, es ist daher gute Tradition, der Art über den Winter zu helfen, wo es nötig ist. Manuela Martin hat die Grenze zwischen helfen und leben lassen bei Igeln ganz gut im Griff. Sie helfe allgemein gerne Wildtieren und habe vor Jahren einen Igel hinter ihrem Unternehmen in Stockach gefunden.

So kam Manuela Martin zu den Igeln

"In der Stadt hat ein kranker Igel keine Chance", erkannte sie damals und suchte sich Hilfe in der Wildtierstation in Volkertshausen. "Hier treffen tiermedizinisches Wissen und große Tierliebe zusammen", lobt sie. So erklärte sie sich gerne bereit, nicht nur das Winterlager für ihren Igel zu übernehmen, sondern auch für weitere. Inzwischen zieht sie Igel auch von Hand auf, nachdem sie von den Fachfrauen aus Volkertshausen und Tierärzten versorgt wurden.

Die gepflegten Igel wie Goldi werden wieder in die Freiheit entlassen. Manchmal sind die Verletzungen so groß, dass es nicht möglich ist. Bild: Susanne Schön
Die gepflegten Igel wie Goldi werden wieder in die Freiheit entlassen. Manchmal sind die Verletzungen so groß, dass es nicht möglich ist. Bild: Susanne Schön

Martin baut eine eigene Igelstation auf und vernetzt sich

So lange Igel klein sind, bekommen sie alle zwei Stunden Nahrung mit einer Pipette. Igel, die nicht mehr aufgepäppelt werden müssen, werden zwei bis dreimal am Tag gefüttert. Geht es den Igeln gut, werden sie wieder ausgewildert, idealerweise am Fundort. Manchmal sucht Manuela Martin weitere Überwinterungsplätze. Denn auch mit Freigehegen und Plätzen unterm Carport wird es bei ihr langsam eng. So entstand der Gedanke, eine Igelstation aufzubauen, die Freiwillige vernetzt und Anlaufstelle für Fragesuchende ist. Hierfür wird ein Grundstück mit einer Scheune gesucht.

Wildtierstation mit guter Bilanz

Der Erstkontakt sollte immer über die Wildtierstation in Volkertshausen laufen. "Wir haben über 1061 Tierpatienten in unserer Station versorgt, neben weiteren Ausbauarbeiten und vielen Einsätzen und Beratungen. Die Bilanz ist sehr erfolgreich – eine Überlebensquote von über 77 Prozent", freut sich die Vorsitzende Yvonne Büthehorn von Eschstruth mit Blick auf das vergangene Jahr. Nach ihren Aufenthalt in Volkertshausen werden die Igel an Manuela Martin weiter verwiesen. Nicht jeder Igel müsse aufgepäppelt werden. Manchmal müssen Igel umgesiedelt werden, beispielsweise, wenn Grundstücke neu überbaut werden. Einen solchen Fall gebe es aktuell. Mit Familie und Freunden habe sie die Igel auf dem Grundstück mit Genehmigung des Eigentümers gesucht. Doch das ist gar nicht so einfach.

Schweizer Igelsuchhunde werden in Deutschland ausgebildet

Doch dann fand sie eine Lösung – Igelsuchhunde, die es in der Schweiz bereits gibt, die allerdings in Deutschland ausgebildet werden. "Für unsere Igelstation suchen wir Hundebesitzer, die eine Aufgabe für sich und den Hund suchen", bittet Manuela Martin, sich zu melden. Spontan habe sich eine Igelsuchhundbesitzerin aus der Schweiz gemeldet und geholfen, das Grundstück abzusuchen – mit Erfolg. Das machte die Arbeit der Helfer leichter.

Schweizer Igelfreunde wie Mirelle Manser helfen mit Igelsuchhunden. Bald soll es im Hegau in der Igelstation auch Igelsuchhunde geben. Bild: Susanne Schön
Schweizer Igelfreunde wie Mirelle Manser helfen mit Igelsuchhunden. Bald soll es im Hegau in der Igelstation auch Igelsuchhunde geben. Bild: Susanne Schön

Die Familie steht hinter Manuela Martin

Zum Glück stehe ihre Familie hinter ihr und helfe bei der Pflege der Igel. Viele Tipps kann die Igelfreundin weitergeben. Und wenn man sie mit den Igeln sieht, hat man den Eindruck, dass die Igel doch auf ihre eigene Art kuschelig sind.

Die vier kleinen Igel können jetzt schon Igelfutter fressen. Katzenfutter ist keine gute Alternative, es passt nicht zum Stoffwechsel der Igel. Trotzdem fressen sie gerne draußen aufgestellte Futternäpfe für Katzen leer. Bild: Susanne Schön
Die vier kleinen Igel können jetzt schon Igelfutter fressen. Katzenfutter ist keine gute Alternative, es passt nicht zum Stoffwechsel der Igel. Trotzdem fressen sie gerne draußen aufgestellte Futternäpfe für Katzen leer. Bild: Susanne Schön