Hippes Start-up und Brennholz – wie geht das zusammen? Ludwig Graf Douglas hat gemeinsam mit seiner Frau Maximiliana Douglas und deren Bruder Alexis Cramm die digitale Holzhandelsplattform Timber-Tom gegründet, mit Sitz in Eigeltingen. Auf ihr können Forstbetriebe ihr unbearbeitetes Langholz anbieten und Kunden Brennholz in ihrer Nähe finden. Eine Innovation in der Forstwirschaft – denn diese, sagt Ludwig Graf Douglas, sei von der Digitalisierung bisher weitestgehend verschont geblieben.

Douglas ist mit der Forstwirtschaft aufgewachsen. Seiner Familie gehört ein großer Forstbetrieb in der Bodenseeregion. Er entschied sich jedoch für ein betriebswirtschaftliches Studium und arbeitete zunächst bei einem Insolvenzverwalter. „Ich wollte schon lange was machen, durch das ich beides verbinden kann – das Betriebs- und das Forstwirtschaftliche“, sagt Ludwig Graf Douglas.

Maximiliana und Ludwig Douglas
Maximiliana und Ludwig Douglas | Bild: Marcel Jud

Um an Brennholz zu gelangen, müsse man es in der Regel vorab bei einem Förster reservieren. Dieser weise einem dann das Holz zu, erklärt Douglas: „Das hat zwei Nachteile: Erstens weiß der Kunde nicht, wann das Holz kommt, und zweitens weiß er nicht, wie es am Ende ausschaut.“ Gemeinsam mit seinem Schwager Alexis Cramm habe er sich überlegt, wie man dieses Problem lösen könne. Herausgekommen ist das Start-up Timber-Tom.

Brennholz über die Postleitzahl

Auf einer Internetseite kann man den Namen oder die Postleitzahl seines Wohnortes eingeben und sieht anschließend, wo in der Nähe Brennholz angeboten wird – inklusive Preis, Foto, Art und Mengen- sowie Größenangaben der verfügbaren Holzpolter. Als Kunde habe man so die freie Wahl, betont Ludwig Graf Douglas. Er gründete Timber-Tom im September 2017, gemeinsam mit Alexis Cramm, der bis dahin Unternehmen im Bereich Digitalisierung beraten hatte.

Von der Finanzbranche in die Holzbranche

Später stieß auch Maximiliana Douglas dazu. Die Ehefrau von Ludwig Graf Douglas hatte zuvor in der Finanzbranche gearbeitet. „Es macht großen Spaß und ist gleichzeitig herausfordernd, quasi von null anzufangen“, sagt sie, die wie ihr Ehemann die Pionierstellung von Timber-Tom in der Forstwirtschaft betont. Außer den drei Gründern gehört ein Programmierer zum Team, der von Hamburg aus für das Eigeltinger Start-up arbeitet.

Online ging Timber-Tom im Frühjahr dieses Jahres. Auf der Plattform sind zurzeit, neben der Familie Douglas, ein Forstbetrieb aus der Nähe von Berlin und das Haus Baden als Anbieter aktiv. Letzteres steht dem Start-up auch als Investor zur Seite. Geld verdient Timber-Tom damit, dass es einen gewissen Prozentsatz am Verkaufsvolumen der Forstbetriebe als Provision erhält.

Weitere Forstbetriebe haben bereits ihr Interesse bekundet und wollen auf die Holzhandelsplattform aufspringen. Sie hätten Anfragen von rund 25 Forstbetrieben aus ganz Deutschland erhalten, die ihr Brennholz ebenfalls auf Timber-Tom anbieten wollten, sagt Ludwig Graf Douglas.

Anfang November hat Timber-Tom den Gründerpreis von f3 erhalten, einem Online-Magazin für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft. Dadurch habe die Nachfrage nochmals Rückenwind erhalten, freut sich Maximiliana Douglas. „Jetzt, wo wir so viele Anfragen haben, wollen wir expandieren“, sagt Ludwig Graf Douglas.

Zweigstelle in der Großstadt

Da Programmierer vor allem in Großstädten zu finden seien, würden sie wahrscheinlich eine Zweigstelle in Stuttgart eröffnen. Auch die Zentrale wird vermutlich bald nicht mehr in Eigeltingen sein. Derzeit besteht sie aus einem kleinen Raum auf dem Anwesen der Familie Douglas. „Wir wollen aber auf jeden Fall in der Region bleiben“, versichert Ludwig Graf Douglas.