Eigeltingen Burg- und Schlossgeschichten (7): Das verborgene Juwel im Wald

Ein fast vergessene Ruine bei Honstetten, die Tudoburg, spaltet die Meinungen der regionalen Historiker.

Zwei Burgnamen, zwei Mauerreste und zwei Meinungen über die Entstehung des Bauwerks: Die abgelegene Ruine Tudoburg im Wald bei Honstetten ist imposant, aber gehört zu den unbekannteren Herrschaftssitzen im Hegau. Sie birgt viele Rätsel und spaltet dadurch die Ansichten über ihre Entstehungszeit. Wurde sie um 1100 gebaut? Oder doch erst 1300? Fragen, die bei Ralf Schrage und Rudolf Martin vom Nellenburger Kreis im Hegau-Geschichtsverein immer wieder für Diskussionen sorgen.

Die beiden Männer kennen fast jeden Stein in den Überesten des Bauwerks, das auf dem bewaldeten Bernsporn neben dem Kirnbach steht. Es wurde im Jahr 1362 als Veste Harperg erstmals urkundlich erwähnt und auch die Schreibweise Hartberg (1563 und 1791) taucht auf. Der Name Tudoburg, den die Ruine heute trägt, entstand erst viel später. Über die Anfangszeit der Burg ist nichts bekannt. Was in den Geschichtsbüchern steht, setzt sich aus dem Wissen um Bauweisen und Gestein sowie Hinweise über die Herren von Honstetten zusammen. Das Problem: Der Rest einer langen Mauer der Hauptburg zeigt zwei Bauphasen, also unterschiedliche Alter. Das Ergebnis: Zwei Ansichten, was dies für den Ursprung der Burg bedeutet. Ralf Schrage sieht die Entstehungszeit der Burg um 1100, Rudolf Martin dagegen rund 200 Jahre später.

Die weitläufige Burganlage besteht insgesamt aus einer Vorburg, mittleren Burg und der Hauptburg, die durch einen Graben getrennt sind. Wer heute vom Wanderparkplatz auf die Burg zuläuft, kommt zunächst auf die einstige Vorburg zu. Dort gibt es kaum noch Überreste, die auf eine Anlage hindeuten. Eine runde Mulde mit Gestein ist der letzte verblieben Zeuge eines Turms, der dort vor Jahrhunderten gestanden hat. Es folgt ein freier, weiter Platz, der einst die Vorburg war. Am Rand wurden hier und da Mauerreste gefunden. Die Ruine der Hauptburg verbirgt sich hinter Bäumen. Ein kleiner schmaler Weg führt an Überresten eines Steinbruchs vorbei. Erst nach unten, dann recht steil nach oben zu zwei Mauern. Es sind die Front und rechte Ecke der ehemaligen Burg. An diesen wenigen Überbleibseln der Vergangenheit nagt der Zahn der Zeit sehr stark. Efeuranken und Büsche wachsen inzwischen neben und auf den Mauern. Rudolf Martin befürchtet, dass die Burgreste irgendwann vollkommen instabil werden, einbrechen und verschwinden.

Weit oben in den Mauern waren bis vor einigen Jahren noch verkohlte Holzbalken, die untersucht wurden. Eine dendrochronologische Datierung ergab, dass sie von etwa 1235 stammen oder sogar jünger. Dieses Alter kollidiert mit der Theorie, dass die Burg bereits 1100 entstanden sein soll, so Martin. "Die Balken können nicht in einer 200 Jahre alten Mauer drin sein", sagt er bei einer Begehung der Burg. Bestimmte Steinformen im Mauerwerk sieht Ralf Schrage dagegen als Beweis für eine frühere Entstehung im elften Jahrhundert. Klar ist aber, dass es irgendwann ein großes Feuer gab. Vor Ort zeigt Rudolf Martin Brandrötungen an den Mauerresten. Sie sind die Zeitzeugen des Brandes, der die Burg mutmaßlich zerstört hat. Martin hat selbst mit Steinen experimentiert, um sicher sein zu können, dass die Rötung von Feuer stammt.

Die Burg, die heute mitten im Wald liegt, war zu ihrer Blütezeit an Fernverkehrsstraßen. Unterhalb habe es vermutlich eine Zollstation gegeben, erzählen Martin und Schrage. Wann die Tudoburg zerstört wurde, ist übrigens ebenso unbekannt wie ihre Entstehung. "Die Urkundenlage ist im elften Jahrhundert sehr dürftig", erklärt Rudolf Martin. Bisher gab es noch keine archäologischen Untersuchungen, die näheren Aufschluss zur Geschichte geben könnten. Zudem kursieren im wenigen Wissen um die Burg teilweise Fehlinformationen, was beide Historiker bedauern.

 

Bauwerk und Serie

Die Tudoburg: Sie steht etwa 1,5 Kilometer südlich von Honstetten im Wald. Unweit vom heutigen Einstieg in den weitläufigen Burgplatz gibt es einen Wanderparkplatz. Die Datierung ihres Ursprungs ist umstritten. Das Buch “1300 Jahre Honstetten – ein Streifzug durch die Geschichte” greift die Theorie auf, dass sich am Ort der Vorburg Jahrhunderte vor dieser eine keltische Wallanlage befunden hatte. Allerdings fanden sich weder dort, noch an anderer Stelle Spuren, die das beweisen.

Der Name: Zum Namen gibt es zwei Theorien. Die eine: Die Burg ist nach Tuto von Honstetten benannt. Sein Adelsgeschlecht ist in Honstetten zwischen 1050 und 1145 nachgewiesen. Die andere: Es ist eine Ableitung der Bezeichnung Judenburg, weil nach einer Überlieferung im Spätmittelalter Juden in der Vorburg gewohnt haben sollen. 1791 heißt es im Urbar, dass die Ruine Hartberg auch “Judenstat” genannt werde. 1794 sprach ein Beamter vom Honstetter Jugfenstädtle.

Die Serie: Stockach und seine Umgebung stecken voller historischer Schätze und Geheimnisse. Es gibt bekannte Burgruinen und Schlösser, aber auch Bauten und historische Persönlichkeiten, die vom Nebel der Zeit umhüllt sind. Die Serie „Burg- und Schlossgeschichten“, die in loser Reihenfolge erscheint, wirft Schlaglichter auf weniger bekannte Geschichten, Sagen oder Personen, die mit den Burgen, Burgplätzen, Ruinen und Schlössern um Stockach, Bodman-Ludwigshafen, Hohenfels, Eigeltingen und Orsingen-Nenzingen zu tun haben. (löf)

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