Schon früh hat Bürgermeister Alois Fritschi entdeckt, dass der ländliche Raum allgemein und Eigeltingen im Besonderen eine schnelle Breitbandverbindung braucht, um nicht abgehängt zu werden. Lange und steinig war der Weg zur Verwirklichung. „Ich weiß nicht, ob ich den Weg gewagt hätte, wenn ich gewusst hätte, wie dornig er ist“, gibt Alois Fritschi zu. Denn dadurch, dass Eigeltingen eine der größten Flächengemeinden des Landkreises ist, gilt es viele Kilometer zu bewältigen.

Doch als Hauptproblem stellte sich die Zusammenarbeit mit der Telekom dar. Diese möchte aus wirtschaftlichen Gründen nur zu Ortsteilen mit vielen Anschlüssen ihr schnelles Lichtwellensignal senden. Doch war es dem Bürgermeister von Anfang an ein Anliegen, dass alle Gebäude eine Chance auf schnelles Internet haben, auch die kleineren Ortsteile und Aussiedlerhöfe. Dem schloss sich der Gemeinderat an. „Es ist unser gemeinsames Projekt. Ein so großes Projekt kann nur mit dem Gemeinderat zusammen verwirklicht werden“, freut sich Alois Fritschi über die Unterstützung.

Die Eigeltinger Gemeinderäte Katja Hertell, Ewald Halder und Thomas Kessler (von links) stehen ebenso hinter dem Bau des Glasfasernetz wie der Rorgenwieser Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bold. Auch Unternehmer Edgar Maier, Fachplaner Udo Lembke und Bürgermeister Alois Fritschi hatten den Spaten fest im Griff. Im Hintergrund auf dem Archivbild ist eine der Maschinen zu sehen, mit denen das Glasfasernetz gebaut wurde.
Die Eigeltinger Gemeinderäte Katja Hertell, Ewald Halder und Thomas Kessler (von links) stehen ebenso hinter dem Bau des Glasfasernetz wie der Rorgenwieser Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bold. Auch Unternehmer Edgar Maier, Fachplaner Udo Lembke und Bürgermeister Alois Fritschi hatten den Spaten fest im Griff. Im Hintergrund auf dem Archivbild ist eine der Maschinen zu sehen, mit denen das Glasfasernetz gebaut wurde. | Bild: Susanne Schön

49,1 Kilometer Glasfaser sind eingeblasen. Die Verlegung der Leerrohre führte teilweise durch anspruchsvolles Gelände und in den Orten der Gemeinde waren die Bürgersteige zeitweise nicht nutzbar. Doch die Erdarbeiten sind erledigt – fast. Eckartsbrunn, Glashütte und Guggenhausen sind nicht an das gemeindliche Glasfasernetz anschließbar, da der bisherige Telekommunikationsanbieter sich weigert, die gemeindliche Glasfasertechnik an die Kupferleitungen anzuschließen. Dass man die Verteilerkästen nicht nutzen könne und auch sonst die Zusammenarbeit beschwerlich sei, bedauert nicht nur der Bürgermeister. Doch blickt er in die Zukunft und stellte einen weiteren Zuschussantrag, um die Gebäude direkt an das Glasfasernetz anschließen zu können.

Seit Jahren laufen die Arbeiten am interkommunalen Glasfasernetz – wie hier auf einem Archivbild. Die Verwirklichung des Großprojekts braucht mehr Zeit als gedacht.
Seit Jahren laufen die Arbeiten am interkommunalen Glasfasernetz – wie hier auf einem Archivbild. Die Verwirklichung des Großprojekts braucht mehr Zeit als gedacht. | Bild: Susanne Schön

Die Gemeinde Eigeltingen und die Breitbandversorgungsgesellschaft im Landkreis Sigmaringen haben im November das Glasfasernetz an den Betreiber, die NetCom BW, übergeben. „Die Netcom wird nun die aktive Netztechnik in den Schaltschränken einbauen und die gesamte Glasfasertechnik prüfen und für den Betrieb vorbereiten“, war einer Pressemitteilung von Bürgermeister Alois Fritschi zu entnehmen. „Die Gemeindeverwaltung rechnet mit einer Inbetriebnahme im zweiten Quartal 2020, möchte jedoch erst ein Datum nennen, wenn der Provider dieses Datum schriftlich zusagt“, erklärte Alois Fritschi. Denn die Inbetriebnahme des Glasfasernetzes hat sich in der Vergangenheit aus unterschiedlichsten Gründen mehrfach verzögert.

In den neuen Kästen sind die Verteiler für das Glasfasernetz untergebracht.
In den neuen Kästen sind die Verteiler für das Glasfasernetz untergebracht. | Bild: Susanne Schön

Ein schnelles Internet sei nicht nur für Unternehmen wichtig, so Fritschi. Ohne schnelle und stabile Datenverbindungen würden sie umsiedeln oder trotz anderer guter Infrastuktur nicht neu ansiedeln. Und die Unternehmen würden mit dem Zahlen der Gewerbesteuer der Gemeinde Handlungsspielraum geben. Auch in der Schule sei die Digitalisierung längst ein Thema – nicht nur bei Gymnasiasten oder Studierenden. Der Vergnügungsbereich zieht mit Filmen und Spielen ebenso wie die Nutzung im Gesundheitsbereich oder für Smarthomes Datenvolumen. Daher die Internetanbindung auch wichtig beim Kauf von Bauplätzen. Darum kämpfe die Gemeinde weiter um eine Verwirklichung, obwohl es keine verbindliche kommunale Aufgabe sei.

Bürgermeister Alois Fritschi hat sich zum Fachmann auf dem Gebiet der Breitbandversorgung entwickelt.
Bürgermeister Alois Fritschi hat sich zum Fachmann auf dem Gebiet der Breitbandversorgung entwickelt. | Bild: Susanne Schön

Das Glasfasernetz als interkommunales Großprojekt

Bereits Anfang des Jahrtausends war die Internetverbindung der Gemeinde Thema in den Gemeinderatssitzungen. Konkreter wurden die Planungen 2013. Mühlingen wurde Partner für ein interkommunales Glasfasernetz. Gemeinsam traten die Gemeinden der Breitbandgesellschaft im Landkreis Sigmaringen bei. Damit war der Provider gesichert und die Finanzierung einfacher. Der Spatenstich erfolgte im Oktober 2016. Die letzten Meter gehen noch über Kupferkabel in die Gebäude. In einem zweiten Bauabschnitt soll Glasfaser bis ins Haus gelegt werden. Viele Ordner füllt das Großprojekt von Plänen über Zuschussanträge bis zu abgeschlossenen Etappen in den Rathausregalen.