Der Weg zum Abenteuer ist steil. Wer auf die Messe „Adventure Southside“ möchte, muss vom Parkplatz zum Ausstellergelände erstmal einen Berg hochlaufen. Oben angekommen geht man durch ein kleines Tor und steht plötzlich mitten in einer anderen Welt. Der Platz - eigentlich eine Kartbahn - hat sich in eine Art Camp verwandelt, das eher nach Wildnis und Weite aussieht, als nach dem Örtchen Eigeltingen im Kreis Konstanz. Expeditionsmobile stehen neben ausgebauten Campern, Jeeps mit Dachzelten und Autos mit Wohnanhängern. Für ein Wochenende ist der kleine Ort nahe des Bodensees zum Treffpunkt für Abenteuerlustige, Globetrotter und Selbermach-Fans geworden.

Eine Messebesucherin zieht bei der Survival- und Outdoor-Messe an einer Toilettenpapierrolle, die an einem Saugnapf befestigt ist, der eine Last von bis zu zehn Kilogramm tragen kann.
Eine Messebesucherin zieht bei der Survival- und Outdoor-Messe an einer Toilettenpapierrolle, die an einem Saugnapf befestigt ist, der eine Last von bis zu zehn Kilogramm tragen kann. | Bild: Felix Kästle, dpa

170 Aussteller zeigen zum Beispiel Fahrzeuge für Routen abseits der Touristenwege, technische Möglichkeiten beim Ausbau von Autos und Trends bei der Ausrüstung für Urlaube in der Wildnis. Veranstalter Ralf Urbanek hat die Messe wie eine Art Festival gestaltet: Tagsüber stehen die Aussteller und ihre Produkte im Vordergrund, ebenso wie Workshops etwa zur Messerherstellung oder zur Selbstverteidigung. In Kursen können die Besucher lernen, wie man ohne Hilfsmittel navigiert, Löffel schnitzt, Erste Hilfe leistet, Fallen herstellt oder ein Wohnmobil ausbaut. Abends gibt es Diskussionen am Lagerfeuer und Live-Musik.

Die Besucherzahlen steigen

Im vergangenen Jahr seien rund 7000 Besucher gekommen, in diesem Jahr rechne er mit bis zu 10 000 Gästen, sagt Urbanek. Unter ihnen - und zugleich auch mit einem eigenen Stand vertreten - sind auch Sabine und Burkhard Koch. Die beiden haben vor 15 Jahren Jobs und Wohnung gekündigt und sind seither auf Reisen - seit 5591 Tagen und 512 875 Kilometern.

Sabine (l) und Burkhard Koch vom Label "Pistenkuh" geben bei der Survival- und Outdoor-Messe neben ihrem Landrover Defender ein Interview.
Sabine (l) und Burkhard Koch vom Label "Pistenkuh" geben bei der Survival- und Outdoor-Messe neben ihrem Landrover Defender ein Interview. | Bild: Felix Kästle (dpa)

Warum macht man so etwas? „Warum hat man eine an der Waffel?“ fragt Burkhard zurück. Sie seien schon immer gerne gereist, erzählen die beiden. Bei einem dreiwöchigen Urlaub in der Türkei hätten sie mit ihrem Fahrzeug auf einem Acker übernachten wollen und dafür beim Bürgermeister angefragt. „Das kam für ihn aber überhaupt nicht in Frage“, sagt Burkhard.

Stattdessen parkten die beiden auf dem Dorfplatz und feierten den ganzen Abend mit den Bewohnern. Zu später Stunde habe der Bürgermeister sie zur Hochzeit seiner Tochter vier Tage später eingeladen - doch die Kochs mussten schweren Herzens absagen, da sie am nächsten Tag weiterfahren mussten. „Was wir damals nicht wussten: Für den Bürgermeister bedeutete das einen Gesichtsverlust. Der Abschied am nächsten Morgen war kalt - und wir haben gespürt, dass das etwas mit unserem Verhalten zu tun haben muss."

Die Kochs wollten zeitlich unabhängig werden

Dieses Erlebnis sei der eigentliche Grund für ihr lebenslanges Reisen gewesen, sagt Sabine. Sie hätten sich damals gesagt: Entweder wir machen von jetzt an nur noch normalen Tourismus - ohne die Gefahr, jemanden vor den Kopf zu stoßen - oder wir müssen zeitlich unabhängig werden.

Ein T-Shirt mit der Aufschrift "neben der Spur" hängt bei der Survival- und Outdoor-Messe am Stand der Weltenbummler "Pistenkuh".
Ein T-Shirt mit der Aufschrift "neben der Spur" hängt bei der Survival- und Outdoor-Messe am Stand der Weltenbummler "Pistenkuh". | Bild: Felix Kästle (dpa)

143 Monate lang sparte das Ehepaar daraufhin jeden Cent, den es entbehren konnte. 2004 war es dann soweit: Sie hatten genug Geld zusammen, um von den Kapitalerträgen leben zu können. Sie kauften sich ein Fahrzeug und fuhren los - bis heute. Inzwischen vertreiben sie unter dem Label „Pistenkuh“ unter anderem Tourenbücher - und verdienen so genug dazu, um ihr Nomadenleben dauerhaft und gut weiterzuführen. Bisher waren sie etwa in Afrika, Indien, Nepal, Russland und der Mongolei unterwegs, zur Messe kamen sie aus Mauretanien und den Pyrenäen.

Der Standort der Messe liegt auch günstig zur Schweiz

Für die „Adventure Southside“ haben die beiden Abenteurer die Welt gegen das kleine Örtchen Eigeltingen eingetauscht. Doch wie kommt eine solche Messe überhaupt in die Gemeinde? Er habe einen Standort in Süddeutschland gesucht, der auch in der Nähe der Schweiz liege, sagte Veranstalter Urbanek. „Wir haben geschätzt 25 bis 30 Prozent Besucher aus der Schweiz und 25 Prozent Aussteller von dort.“ Das rund sechs Hektar große Gelände der Lochmühle biete zudem für die Messe ausreichend Platz und das passende Ambiente.

Der Bürgermeister der 3800-Einwohner-Gemeinde Eigeltingen, Alois Fritschi, freut sich über die Veranstaltung in seinem Ort. „Wir sind stolz darauf, dass wir in Eigeltingen eine solche Messe haben“, sagt er. Sie passe gut in die Gemeinde: „Das Feeling ist da, wir haben die Nähe zum Bodensee - und wir haben den Platz.“