Rund 50 Besucher kamen zur Vernissage der Ausstellung "Wie der Prager Frühling nach Gottmadingen kam", die mit einer Gedenkminute für den tschechischen Kunstmaler Boleslav Kvapil begann, der am 24. Juni im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Der junge Pianisten Yannik Hofmann aus Mühlhausen umrahmte den Festakt mit einer Ballade und einem Bossa Nova. In der Laudatio bemerkte Klaus Antons vom Kunstforum Büsingen, dass der Büsinger Maler und Kunstsammler Karl Lang elf Kvapil-Bilder aus der Zeitspanne von 1974 bis 1995 erworben und diese nach seinem Tod im Jahr 2002 an die Gemeinde Büsingen vermacht hat.

Kvapil malte ohne formale Ausbildung naiv und unbekümmert und war sehr erfolgreich. Die Gesellschaft drückte er dabei ironisch mit spöttischem Akzent aus. "Wer sich an Kvapil erfreuen will, darf sich nicht nur die witzig-satirische Oberfläche anschauen, die Bilder sind durchweg doppelbödig", betonte Klaus Antons. Auch nach längerem Hinschauen bleibe ein Fragezeichen bestehen. Bis Kvapil seinen eigenen unverwechselbaren Stil gefunden hatte, orientierte er sich an der Klassischen Moderne. Klaus Antons bemerkte, dass vor vier Wochen Kvapils Ehefrau Sabine eine Bilderleihgabe und eine Fortführung der Ausstellung zusagte. Da sich Boleslav Kvapil bereits in der Klinik befand, haben er und Sabine Kvapil aus der riesigen Produktion fünf neuere Bilder ausgesucht, damit neben den elf Bildern aus der Frühwerk-Sammlung von Karl Lang auch ein Längsschnitt durch Kvapils Werk bis ins Jahr 2016 zu sehen ist.

Gearbeitet hat der Maler bis in den Februar diesen Jahres. Nachdem Sabine Kvapil ihrem Mann noch am selben Abend von dieser Ausstellung erzählte, konnte er in der folgenden Nacht sterben. "Man kann das als Fügung, Koinzidenz bezeichnen", so Antons, der dieses Erlebnis als bewegenden und erschütterten Moment bezeichnete. Er dankte Sabine Kvapil, dass sie in der angespannten und komplexen Lebenssituation so viel investiert hat, um die Ausstellung zu dem zu machen, was sie jetzt ist. Sabine Kvapil, die mit ihrem Mann Boja 21 Jahre zusammenlebte, verdeutlichte anhand des Bilds "Die Honigfresser" die Abscheu ihres Mannes gegenüber der Gier. Die Zerbrechlichkeit, der Augenblick, in dem alles kippt, brachte Kvapil im Bild "Apfelernte" zum Ausdruck. Sabine Kvapil erwähnte, dass viele unfertige Bilder den Augenblick ausdrücken, in dem nichts mehr geht, aber etwas Neues entsteht. Eines seiner letzten großen Ölbilder ist "Die Fröhlichkeitsmaschine", auf dem sich einige Figuren mit großem Tätärä schieben, aber irgendwie doch nichts gelingt. Kollektive Fröhlichkeit war Kvapil suspekt, aber er wusste genau, wozu der Einzelne bei einer Dynamik in der Masse fähig ist. Kvapil lehnte es stets ab, in der Kunstszene mit zu schwimmen und sich anzubiedern.

Termine

  • Ausstellung: "Wie der Prager Frühling nach Gottmadingen kam" ist bis am 22. September im Bürgerhaus Büsingen zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo./Di./Mi./Fr. 9 – 12 Uhr und Do. 14 – 18 Uhr oder nach Vereinbarung. Kontakt: (0 77 34) 936 44 29.
  • Trauerfeier: Am 18. Juli, 15 Uhr, besteht im Ruhewald in Gottmadingen die Möglichkeit, von Boleslav Kvapil Abschied zu nehmen.