Einst herrschte in der Hochrheingemeinde ein kleiner Dorfkrieg. Im Strandbad sollte die alte Linde gefällt werden. Ein Baum, mit dem viele schöne Erinnerungen verbunden waren. Ein Baum, in dessen Schatten, wie in vielen anderen Strandbädern auch, sich die jungen Mütter mit ihren kleinen Kindern getroffen haben und die heißen Sommernachmittage verbrachten. Die Kleinen sind groß geworden, haben selber wieder Kinder zur Welt gebracht und diese trafen sich, wie schon die Großmütter und Mütter, unter der Linde im Strandbad.

Nun also sollte die Linde gefällt werden. An die Gründe erinnert man sich in Büsingen nur noch verschwommen. Dem neuen Wirt im Strandbad sei sie im Wege gestanden, sagen die einen; andere meinen, sie musste gefällt werden, weil ihr Laub regelmäßig für Verstopfung der Regenabwasserrohre sorgte.

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Bevor die Linde gefällt wurde, brach der Streit los. Die schlimmste Drohung: Wenn ihr die Linde fällt, dann bekommt ihr im Advent den Stern an der Bergkirche nicht mehr. Beim Stern von Bethlehem am Turm handelte es sich um das Geschenk eines Privatmannes, der offenbar für den Erhalt der Linde kämpfte. Die Dekoration war vor langer Zeit immer wieder an der Bergkirche zu Weihnachten angebracht worden – kaum jemand in Büsingen kann mit Bestimmtheit sagen, wann er zum ersten Mal leuchtete. Es handelte sich also um eine lieb gewordene Einrichtung im Dorf. Doch es kam so wie die Drohung besagte: Der Stern verschwand, als die Linde gefällt wurde.

Die Legende aber geht weiter. Aus dem Stamm der gefällten Linde wurden angeblich Bretter gesägt, aus diesen Brettern wiederum wurden Latten geschnitten und die Latten zu einem neuen Stern von Bethlehem gezimmert.

Wahrzeichen zu Weihnachten

Und nun zur Gegenwart: Als Gottlieb Vestner mit seinem Gehilfen Uwe Burmeister die beiden Sterne aus dem Depot der Schreinerei Heller holte und von der Legende erfuhr, musste er lachen. Er wollte sie nicht bestätigen, weiß aber von dem Streit um die Strandbad-Linde. Er sagte auch, dass Schreiner Heller seinerzeit einen zweiten Stern von Bethlehem gezimmert habe. Denn ursprünglich habe nur einer geleuchtet, ausschließlich für die Büsinger.

Seit einiger Zeit jedoch ziehen Gottlieb Vestner und Uwe Burmeister noch einen zweiten Stern an der Ostseite des Bergkirchen-Turms auf. Der strahlt für die Dörflinger und für alle die, die von Gailingen her nach Büsingen und weiter nach Schaffhausen fahren. Die Büsinger Bergkirche ohne Sterne, das geht gar nicht – da sind sich Gottlieb Vestner und seine Kollegen einig. Schließlich hängt über der Bergkirche, gerade in der Advents- und Weihnachtszeit, so etwas wie ein Segen.