„Wer seid denn ihr jetzt da unten“, schallt es aus dem Fenster im zweiten Stock des Gemeindehauses. Von dort aus moderiert das Dreier-Damen-Team auf seine frische und legere Art den Narrenumzug der Büsinger Buurefasnet. „Jetzt haben wir den Gruppen Schilder gegeben mit ihrer Nummer, damit wir es einfacher haben, in der richtigen Reihenfolge anzusagen. Aber was nützt das, wenn die Zünfte untereinander die Schilder tauschen“, klagt Edith Auer. Bei 70 teilnehmenden Zünften mit rund 2000 Hästrägern sei es keine leichte Aufgabe. Von der Straße kommt die Antwort mit dem dazugehörigen Narrenruf. Seit fünf Jahren kommentieren Susanne Kalopek, Ursula Knapp und Edith Auer das närrische Spektakel. Fast 40 Jahre hatte Hannes Jäckle, einer der Gründer der Büsinger Narrenzunft Hobelgeiß e.V., diese Aufgabe mit Hingabe erfüllt. Quasi auf dem Sterbebett habe Ursula Knapp ihm versprochen, die Umzugsmoderation fortzuführen. Seither unterstützen die drei Freundinnen den Büsinger Narrenverein. Einmal gemacht, dann sei es schon Tradition, ergänzt Edith Auer. Zu jeder Zunft gibt es Informationen, den Narrengruß und ein paar flotte Sprüche.

Aus ganz Baden-Württemberg, vom Raum Heidelberg, über Stuttgart, die Alb bis zum Bodensee, Bayern und der Schweiz kommen die Narrenzünfte nach Büsingen. Die Narrenvereine werden nicht eingeladen, sagt Susanne Kalopek. Sie melden sich selbst an zur Teilnahme. Es sei Mundpropaganda. Der Umzug sei beliebt. Meist sind es Hexen, Dämonen und Teufel, die auf der rund einen Kilometer langen Strecke durch Büsingen ihr Unwesen treiben. Da werden Zuschauer, meist jüngere Frauen, mitgeschleppt und mit Konfetti eingeseift. Immer wieder bauen die verschiedenen Gruppen eine Hexenpyramide. Die lieben Hexen verteilen Süßigkeiten. Wilde Dämonen kriechen auch mal auf der Straße umher. „Der Umzug ist super und bietet was für Jung und Alt“, sagt Jonny Jung. Er kommt mit der ganzen Familie, Großeltern und Kindern, aus St. Georgen im Schwarzwald zur Büsinger Buurefasnet. Aber mehr Musikgruppen, besonders Guggenmusik, könne der Umzug vertragen. „Die Musik ist immer unser Problem“, sagt Moderatorin Auer. Es seien viele Hexen, aber wenig Kapellen. „Gott sei Dank haben wir noch Musik vom Band“. Der Präsident der Hobelgeiß-Zunft, Stephan Burmeister, bemühe sich um Kapellen, doch sei es schwierig. Für viele Zünfte der alemannischen Fasnacht sei die fünfte Jahreszeit zu Ende, viele andere Musikgruppen spielten andernorts bei Schweizer Fastnachtsveranstaltungen.Die Buurefasnet findet in der Woche nach Aschermittwoch statt. Im letzten November habe es eine Art Krisensitzung der Narrenzunft Hobelgeiß gegeben. Das Fasnet-Programm sollte überdacht und neu konzipiert werden. Für die Saison 2018 hätte es nicht mehr gereicht, sagt Auer.

Der Narrenumzug sei die Stärke des Vereins und solle ein neues Konzept erhalten. Die Büsinger Fasnet wird vom Fußballclub und der Narrenzunft gemeinsam veranstaltet. Es sei aber schwierig, dass alle an einem Strick ziehen, sagt die Moderatorin. Alle schwelgten in Erinnerungen nach tollen, alten Buurefasnet-Zeiten, doch wenige machen etwas. Es seien eben Büsinger, echte Individualisten.

 

Zunft und Brauchtum

Die Büsinger Narrenzunft Hobelgeiß e.V. wurde 1976 von zehn Personen gegründet. Heute zählt der Verein ca. 25 Mitglieder. Alljährlich gestaltet die Narrenzunft und der Fußballclub Büsingen (FCB) die Buurefasnet mit verschiedenen Veranstaltungen. Traditionell findet die Buurefasnet in der Woche nach Aschermittwoch statt, und beschränkt sich auf die Region Hochrhein. Namensgeber der Zunft ist das Fabelwesen 'Hobelgeiß'. „Im einsamen Herblingertal trieb die Hobelgeiß nächtlicherweise ihr Unwesen. Als dreibeiniges Wesen, mit bis auf den Boden reichenden Zotteln und einem tellergroßen, funkelnden Auge, hatte es manchen nächtlichen Wanderer erschreckt“, so die Ueberlieferung. Das Furcht erregende Tier hätte im Hobelwald, einem teils steilen Hügel auf Büsinger Gemarkung, gespukt. Die Figuren der Narrenzunft sind die Hobelgeiß, die Geißenhirten, die Geißenfrauen, und der Narrenpolizist. Eine Hobelgeißfigur der Zunft befindet sich im Narrenmuseum auf Schloss Langenstein.