Italienisch, spanisch, deutsch, russisch – es klang in vielen Sprachen vom Chor der Bergkirche Büsingen. Manchem der zahlreichen Konzertbesucher, die die Bergkirche bis in die hintersten Bänke füllten, kam es wie das biblische Pfingstwunder vor: Viele Sprachen und doch wurden sie von allen verstanden. Das schafft heute wohl nur noch die Musik. Zumindest die Konzertbesucher kamen in den Genuss eines besonderen Musikerlebnisses. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kultur in der Bergkirche" hatte der Vorsitzenden der Freunde der Bergkirche zu Büsingen, Michael Psczolla, ein Konzert mit dem Titel "Musikalischer Mai" organisiert und dazu den russisch-ukrainischen, seit Langem in der Nähe von Zürich lebenden Bariton Igor Morosow eingeladen. Morosow ist ein sowohl stimmlich wie von seiner künstlerischen Präsenz her beeindruckender Sänger, der schon oft in der Bergkirche gesungen hat. Diesmal hatte er die Klaviervirtuosin Kiyomi Higaki und den Solokontrabassisten im Orchester der Oper Zürich, Viorel Alexandu, nach Büsingen mitgenommen.

Morosows Frau Angelika Morosowa stellte die Musikstücke vor. Im Programm fanden sich Perlen, wie das von Michael Glinka zur Eröffnung der Bahnlinie Moskau-St. Petersburg komponierte "Eisenbahnlied", oder Jules Massenets "Elegie", die Morosow sowohl in Französisch als auch in Russisch einstudiert hat. In der Bergkirche trug er es russisch vor, weil es so "besser klingt".

Solist lässt seinen Mitmusikern Freiraum

Wolfgang Amadeus Mozarts "Per questa bella mano", das einzige Musikstück, das speziell für die menschliche Stimme und den Kontrabass komponiert worden ist, bot Morosow mit dem Kontrabassisten Alexandru hinreißend dar. Morosows warmes Basstimbre mit großem Volumen, gepaart mit unterstreichender, aber nicht chargierender Gestik, verzauberte das Publikum, so wie man es von früheren Konzerten in der Bergkirche kennt. Der Bariton überließ aber auch den Instrumentalisten ihren Auftritt: Beeindruckend zu hören waren Rachmaninoffs "Vocalise", gespielt vom Kontrabass und Klavier, und Rossinis "Une larme pour Basse".

Das Programm enthielt zudem Arien, wie die aus Rossinis "Barbier von Sevilla" oder die des Papageno aus Mozarts "Zauberflöte". Das bezauberte und begeisterte Publikum in der Bergkirche spendete Beifall und kam so zu Zugaben, die das Trio gerne gewährte. Mit dem vom Komponisten Larionow für ein Theater geschaffenes Lied "Kalinka", das zum vermeintlichen Volkslied wurde und um die Welt ging, und mit dem echten russischen Volkslied von den Birkenrinden-Schuhen wurden die Konzertbesucher in den Frühlingsabend entlassen.