1957 kam Johanna Pfleghaar mit ihrem Mann Josef nach Büsingen in das Restaurant Waldheim, das damals zum Verkauf ausgeschrieben war. Das Waldheim ist etwas Besonderes: Hier verläuft die deutsch-schweizerische Landesgrenze mitten durch die Gartenterrasse. Der Umzug erfolgte, nachdem das Ehepaar 1957 den gemeinsam bewirtschafteten elterlichen Bauernhof in Raderach bei Friedrichshafen am Bodensee verkauft hatte. In Raderach wurde Johanna geboren, hier wuchs sie auf.

Eine der ersten Frauen mit Führerschein

Zweieinhalb Jahre lang hat das Paar das RestaurantWaldheim selbst geführt, seit 1962 ist die Gastronomie verpachtet. Johanna Pfleghaar aber, deren Mann 1985 starb, blieb im Waldheim wohnen. Zwar lebte sie damit in einiger Entfernung zum Dorf, doch die leutselige "Johanne" traf sich regelmäßig auch mit etwas entfernteren Einwohnern von Büsingen, Dörflingen und Gailingen in geselliger Runde. Und außerdem war "D'Johanne" von jung an – sie war eine der ersten Frauen, die den Führerschein gemacht haben – bis ins hohe Alter motorisiert. Mit 95 ist sie noch mit ihrem legendären Oldtimer-Volvo durchs Dorf gefahren. Sie war stolz darauf, dass sie über 70 Jahre lang unfallfrei unterwegs war.

Im Juli 2009 übergab Johanna Pfleghaar das Anwesen Waldheim mit allen Rechten, Pflichten und Nutzen der Gemeinde Büsingen. Schon zu Lebzeiten ihres Mannes war das Vermächtnis des kinderlosen Ehepaares testamentarisch festgelegt worden.

Sie durfte friedlich einschlafen

Vor zehn Jahren musste sie ins Pflegeheim in Gottmadingen umziehen. Sie wurde dort gut betreut und war regelmäßig im Café in geselliger Runde anzutreffen – hin und wieder bekam sie auch hier noch Lust zu einem Tänzchen. Vor sechs Wochen kam es dann zu einem Sturz, bei dem sie sich den Oberschenkelhals brach. Von der Operation hat sie sich leider nicht mehr erholt. Sie war bettlägerig geworden und hat darum gebetet, dass der Herrgott sie doch heimholen solle zu ihren Eltern und zu ihrem Mann Josef. Dieser Wunsch ist nun in Erfüllung gegangen – sie durfte friedlich einschlafen.

In Büsingen wird man sie sie in guter und dankbarer Erinnerung behalten, denn sie war nicht nur eine beliebte Person, sondern sie hat auch immer wieder einen großzügigen Zustupf an die Erhaltungskosten der Büsinger Bergkirche St. Michael und an andere Büsinger Institutionen gegeben.