Eigentlich sollte man sich längst daran gewöhnt haben. Seit Jahrhunderten ist das Dörfchen Büsingen am Hochrhein ein Stück Deutschland in der Schweiz. Ungewöhnlich bleibt es dennoch. Die kleine Exklave sorgt immer wieder für große Herausforderungen, denn der Alltag zwischen zwei Wirtschaftsräumen gestaltet sich oft schwierig – obwohl ein Staatsvertrag seit 50 Jahren für Ordnung sorgen soll. Das runde Jubiläum wurde jetzt mit einem Festakt gefeiert, und schon bei der Begrüßung der Gäste durch Bürgermeister Markus Möll wurde das größte Problem der kleinen Gemeinde deutlich: Aus dem Blickwinkel der Bundeshauptstadt Berlin ist Büsingen zu klein, um wahrgenommen zu werden. Von Schweizer Seite folgten nicht nur Regierungsrat Christian Amsler, sondern sogar Botschaftsvertreterin Corinne Cicéron-Bühler der Einladung. Prominentester Gast aus Deutschland blieb Landrat Frank Hämmerle. Und so hat die pointierte Kritik der Büsinger Schauspieltruppe am aus ihrer Sicht ungeeigneten Steuersystem zwar ein breites Publikum erreicht, jedoch wohl nicht die Richtigen. Es dürfte auch 50 Jahre nach Unterzeichnung des Staatsvertrags schwierig bleiben, sich Gehör bei den verantwortlichen Finanzbehörden jenseits der Schweizer Grenze zu verschaffen.

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