Die Gemeinde kommt mit der geplanten Erneuerung der Ortsmitte voran. Anstelle des Alten Löwen an der Junkerstrasse dem dazugehörigen rückwärtigen Grundstück sollen drei untereinander verbundene Häuser für Seniorenwohnungen erstellt werden. Das heißt, der Alte Löwe wird zu gegebener Zeit dem Bagger zum Opfer fallen. Davon verschont bleiben jedoch das westlich stehende kleine Haus – einstmals "srTürmlihuus" und später dann „s'Alteburgerhuus" genannt – sowie das stattliche zweigeschossige Gebäude auf der Ostseite, beide gehören der Gemeinde und stehen unter Denkmalschutz. Gegenüber an der Junkerstraße steht ein weiteres unter Denkmalschutz. Beide sind im Weinbrennerstil erbaut. Dabei handelt es sich um den vom aus Karlsruhe stammenden Architekten Friedrich Weinbrenner (1766-1826) geprägten Baustil. Die Besonderheiten: Walmdach, Gliederung durch Eckquaderung, giebelgekröntes Mittelrisalit, Gesims zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss sowie Mazzoningeschoss. Weinbrenner zählte neben Karl Friedrich Schinkel und Leo Klenze zu den bedeutendsten Baumeistern des Klassizismus in Deutschland. Büsingen hat es hier also mit einem bedeutenden architektonischen Erbe zu tun.

Weinbrenner wurde damals vom Zimmermann zum Städteplaner: Nach seiner Lehrzeit zum Zimmermann im väterlichen Betrieb ging er 1788 auf Wanderschaft und war etwa zwei Jahre lang in Zürich und Lausanne tätig. Danach entschloss er sich zum Architekturstudium. Mit seiner Lehrtätigkeit in der von ihm gegründeten Bauschule in Karlsruhe und den Publikationen seiner architektonischen Grundvorstellungen sowie eigenen Entwürfen prägte er eine ganze Architektengeneration. Im Jahre 1800 trat Weinbrenner dann in den Dienst des Markgrafen von Baden und bestimmte fortan das Baugeschehen im Lande und vor allem in der Residenzstadt Karlsruhe, deren Gesicht bis heute noch immer davon entscheidend geprägt ist. Eine weitere Spezialität Weinbrenners soll auch die Planung von Theaterbauten gewesen sein, eine auch für Schaffhausen. Die Pläne dafür gibt es noch im Schaffhauser Stadtarchiv. Dies hat auch Claudia Elbert in ihrem 1988 im Verlag C. F. Müller herausgegebenen Buch "Die Theater Friedrich Weinbrenners – Bauten und Entwürfe" festgehalten.

Die Nachforschungen in den Bauakten der Gemeinde Büsingen in Sachen der beiden historischen Häuser im Ortskern ergaben nur Auskunft über die Eigentümer seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, aber keine bezüglich Planer oder Erbauer. Die Vermutung geht dahin, dass die Pläne dafür wohl kaum von Weinbrenner selbst angefertigt worden sind, sondern vielleicht von einem seiner Schüler oder einem Architekten der den Weinbrennerstil nachahmte.

Die neue Ortsmitte

Nach dem Wegzug des religiösen Schulungszentrums der Kirche des Nazareners aus der Büsinger Ortsmitte hat der Gemeinderat das Neubaugebiet "Ortskern" auf den Weg gebracht und dem Bebauungsplan zugestimmt. Es sollen primär Ein- und Zweifamilienhäuser für Familien direkt in der Ortsmitte auf dem Löwen-Areal entstehen. In den Randbereichen sind zusätzlich Mehrfamilienhäuser vorgesehen. (sk)