Büsingen – Vor 50 Jahren, am 4. Oktober 1967, trat der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft über die Einbeziehung der Gemeinde Büsingen am Hochrhein in das Schweizerische Wirtschaftsgebiet in Kraft. Das Jubiläum wurde in Büsingen groß gefeiert.

Bürgermeister Markus Möll konnte in der vollbesetzten Halle der Exklave dazu viele Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft begrüßen. Die Deutsche Botschafterin Corinne Cicéron Bühler überbrachte die Glückwünsche aus Bern. Landrat Frank Hämmerle entschuldigte in seiner Rede den angekündigten Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU), der bei den Sondierungsverhandlungen in Berlin war. "Der ist in Jamaika", so Hämmerle.

Der Landrat versprach, 2017 nochmals nach Büsingen zu kommen, um mit Bürgermeister Markus Möll sein Gastgeschenk, eine Kaiserlinde, zu pflanzen. Zwischen den Festreden spielte der jungen Pianist Yannik Hofmann das Lied "Penny Lane" von den Beatles und "Merci Chéri", mit dem Udo Jürgens 1966 den Eurovision Song Contest gewonnen hatte. Der Schaffhauser Regierungsrat Amsler betonte, dass die guten Beziehungen zwischen Büsingen und Schaffhausen bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Der besondere Weg begann, als das Dorf 1535 der Schaffhauser Familie Im Thurn übertragen wurde. Aufgrund einer Entführung von Eberhard Im Thurn hielt die Landeshoheit Österreich das Dorf Büsingen zurück, als Schaffhausen die Pfandschaft über die Reiatdörfer zurück kaufte. Büsingen wurde zur Exklave.

Im Jahr 1810 kam die Gemeinde zum Großherzogtum Baden und erlangte als Zollauschlussgebiet eine zollrechtliche Sonderstellung, wobei die wirtschaftliche Ausrichtung nach Schaffhausen erfolgte. Als die Zollgrenze 1947 aufgehoben wurde, war der Anschluss an das Schweizer Zollgebiet vollzogen, doch erst der Staatsvertrag brachte die rechtliche Anerkennung. "Büsingen ist die einzige deutsche Gemeinde mit Schweizer Postleitzahl und Swisscom-Kabine auf dem Dorfplatz", so Amsler.

Mit dem Schaffhauser Staatsschreiber Stefan Bilger übergab Amsler eine symbolische Ruhebank aus Schaffhauser Holz, die im Original nachgereicht wird. Der Konstanzer Kreisarchivar Wolfgang Kramer bemerkte humorig, dass Christian Amsler in seiner Rede einiges ausgeblendet habe. Der Kanton Schaffhausen hätte früher zahlreiche Chancen versäumt, weitere deutsche Gemeinden einzubeziehen. "Der Kanton könnte heute bis nach Singen reichen, aber wo würden die Schaffhauser dann einkaufen?", fragte Kramer.

Mit einer Bilderpräsentation wurden die vergangenen 50 Jahre in Erinnerung gerufen. Danach gab es eine Theateraufführung, bei der der Staatsvertrag von Herbert Güntert dargestellt wurde. Applaus bekam der "Stavi", als er mit seiner Mutter Helvetia und dem Vater Germanikus mit Schweizer Schild und Lidl-Tasche die Bühne betrat. Auch der alte Büsinger Grundherr Eberhard Im Thurn, der von Rainer Krause gespielt wurde, erstand von den Toten auf und wetterte über das deutsche Steuersystem, die Überfremdung, die Abwanderungen und die unterschiedlichen Zuständigkeiten in Büsingen. Nach dem offiziellen Teil spielte die Partyband Surprise die Hits aus der Gründerzeit des Staatsvertrages. Während der Feier signierten der Schaffhauser Historiker Andreas Schiendorfer und die Büsinger Ehrenbürgerin Carina Schweizer am Büchertisch ihr gemeinsames Werk "Milch zweier Mütter", das es zum Jubiläumspreis von 20 Franken zu kaufen gab.

Die Gemeinde

Büsingen ist eine deutsche Exklave, die von Deutschland aus nur über die Schweizer Grenze zu erreichen ist. Die Gemeinde ist politisch zwar deutsch, wirtschaftlich aber gilt Schweizer Recht. Etwa 1355 Einwohner leben in Büsingen in rund 600 Haushalten, die sich auf rund 7,6 Quadratkilometern Fläche verteilen. Insgesamt 123 Grenzsteine markieren laut der Homepage der Gemeinde die Grenze zwischen Büsingen und den Schweizer Gemeinden drum herum. Zu diesen sichtbar auf Land stehenden Steinen markieren mehrere Vermessungspunkte unsichtbar die Grenze im Rhein, darunter auch ein Stein, der Grenzstein Nummer eins. Der Stein ist ein Findling und wird Hattinger Stein genannt. Er markiert die Grenze zur Schweizer Gemeinde Dörflingen und zum Kanton Thurgau.(sk)

Bildergalerie zur Jubiläumsfeier im Internet: unter www.suedkurier.de/bilder.