Hinterm Rathaus weiden Schafe an einem kleinen Hang. Hin und wieder dringt ein wohliges Blöken in das Trau- und Besprechungszimmer der kleinen Hochrheingemeinde Büsingen. Diese Geräusche hört Markus Möll gerne, denn sie erinnern ihn an die ländliche Idylle, von der seine Gemeinde umgeben ist. Besonders freut er sich, wenn die Kinder des benachbarten Kindergartens an den Zaun treten, um die Tiere zu streicheln. "Wir sind ein Dorf und wollen diesen Charakter erhalten", sagt Möll. Er ist jetzt seit vier Jahren im Amt des Bürgermeisters und geht mit Volldampf in die zweite Halbzeit. Anlass genug, eine erste Bilanz zu ziehen.

Die deutsche Exklave und Schweizer Enklave Büsingen ist ein Ort mit jeder Menge Besonderheiten: die Grundschüler (35 sind es derzeit) können wählen, ob sie später in Deutschland oder der Schweiz zur Schule gehen wollen. Die Gemeindekasse wird in zwei Währungen geführt. Im kleinen Dorf leben Menschen aus 19 Nationen, die anerkannten Flüchtlinge nicht mitgerechnet.

Weniger rühmlich ist der statistische Rang des zweitältesten Orts in Baden-Württemberg. Das will Markus Möll unbedingt ändern. Auf frischem, bezahlbaren Bauland versucht er, junge Familien im Dorf anzusiedeln. Er setzt dabei auf Pendler, die ihre Arbeitsplätze in Schaffhausen, Zürich oder in Konstanz haben und sich dort keine eigene Immobilie leisten können. Wegen der hohen Steuern in Deutschland suchten vor allem jüngere Büsinger zwischen 16 und 40 Jahren ihren Wohnsitz in der Schweiz. Das ändere sich erst mit der Familiengründung, weil es dann in Deutschland günstiger werde. Zum Beispiel die Krankenversicherung.

Die Entwicklung scheint Markus Möll recht zu geben: 1310 Einwohner hatte Büsingen bei seinem Amtsantritt. Heute sind es 1357. Zusammen mit seinem zehnköpfigen Rat nimmt er deshalb das nächste Neubaugebiet in Angriff. Auf dem ehemaligen Gelände der Kirche der Nazarener sollen 15 bis 17 Bauplätze entstehen. Schon jetzt gebe es eine Warteliste. Möll, der – wie im Wahlkampf angekündigt – immer noch nicht Gailingen wohnt, will Büsingen wieder auf 1500 Einwohner wachsen sehen. Und er weiß genau, dass dafür die Infrastruktur stimmen muss: Nahversorgung, Kommunikationstechnik, Ver- und Entsorgung sowie ein lebendiges Gemeindewesen. "Im Rat darf in der Sache über alles gestritten werden", sagt Möll. "Danach muss man sich aber wieder in die Augen schauen können."


Zahlen und Fakten

Büsingen investiert und bekommt Zuschüsse: für die Kita U3 123 000 Euro, für die Umrüstung der Straßenlampen auf LED 29 000 Euro, für das neue Baugebiet Nazarener Gelände 1,7 Millionen Euro und 50 000 Schweizer Franken von Sport Toto für das Sportgelände. 2017 soll die 50 Jahre alte Schule energetisch saniert werden.