Künstler sind oft Menschen, deren Lebenswege selten geradeaus laufen. Ein solcher Künstler ist der Büsinger Galerist Rolf Neuweiler, der am 18. August 70 Jahre alt wird. In der Büsinger Galerie gibt es vom 18. bis 27. August die Ausstellung "70 Jahre Rolf Neuweiler... non, je ne regrette rien". Sie wird mit einer kleinen Auswahl von Bildern und Skulpturen durch das Kunstleben des Jubilars führen, dessen große Leidenschaft das Töpfern ist.

Rolf Neuweiler formt Figuren, strukturiert Tonbilder und brennt seine Kunstwerke im eigenen Ofen, ehe er sie mit bunten Farben zum Leben erweckt. Wer Rolf Neuweilers Kunst betrachtet, kann vielleicht ein Stück in das Leben eines introvertierten Menschen eintauchen, der nach außen manchmal ganz anders wirkt. Sein künstlerisches Leben hat mit kleinen abstrakten und erdfarbenen Lebensbäumchen begonnen. Sein eigentliches Leben fasste er in kugelförmige, kunterbunte Erdkugeln zusammen, die er von Hand rundete. "So gut es eben ging", sagt der Künstler. Er weiß, dass sein Leben nicht immer rund gelaufen und doch so vielfältig ist. Rolf Neuweiler macht Tonplatten, auf die er südländische Landschaften strukturiert. Es sind keine Fantasielandschaften, es sind Erinnerungen an das Tessin, die Sonnenstube der Schweiz.

Rolf Neuweilers Bilder drücken nicht nur Lebenslust, sondern auch Sehnsucht aus. Sehnsucht nach seiner älteren Tochter, die bei Locarno auf einer einsamen Alp lebt und dort sicher nicht immer in der wohlig warmen Sonnenstube sitzt. Und dann machte Rolf Neuweiler auch Stelen, die er als Lebenswege bezeichnet. Die Impressionen bekam er auf dem Jakobsweg, den er gegangen ist. Seine Lebensweg-Stelen beginnen mit der Geburt und enden in einem hellen Licht mit dem Tod. Zwischendrin gibt es Unterbrüche und vor allem Turbulenzen, die besondere Lebenssituationen ausdrücken, Erinnerungen an so manche Rückschläge, an tiefe Täler, die er durchgangen ist. Eine besondere Stele mit Engelsflügeln hat er Pilgerwegweiser genannt. "Wenn es etwas zwischen Himmel und Erde gibt, dann ist es die Kunst, die es ausdrücken kann", sagt Neuweiler.

Immer wieder wurde er von seiner dritten Lebenspartnerin Barbara inspiriert. Wegen ihr ist er von Kreuzlingen nach Büsingen gezogen, hat sie in der Bergkirche geheiratet und 2011 die Galerie "Alte Schmiede" übernommen. Seine Frau Barbara ist am 9. Dezember letzten Jahres im Alter von gerade mal 59 Jahren gestorben. Rolf Neuweiler ist in Büsingen geblieben. Nachdenklich erzählt er, dass sich die wahren Freunde mit zunehmendem Alter irgendwann an einer Hand abzählen lassen. Er ist ein Macher, der sich nie in den Vordergrund stellte. Sein Leben bezeichnet er als kunterbunt bis spannend mit manchen tragischen Momenten. "Ich hätte manches anders machen können, doch wer weiß, ob es besser geworden wäre", sagt er mit einer gewissen Melancholie in der Stimme.

Rolf Neuweiler ist ein positiv denkender Mensch, der sich nach Schicksalsschlägen immer wieder aufrappelt. "Büsingen bleibt meine Heimat", betont Neuweiler, der nach dem Tod seiner Frau oft über einen Wegzug in seine alte Heimat Kreuzlingen nachgedacht hat. Die Kunst hat ihn wieder zurück ins Leben geführt.

Der Festtag

Am 70. Geburtstag von Rolf Neuweiler wird am Freitag, 18. August, der Büsinger Bürgermeister Markus Möll um 18 Uhr die Ausstellung eröffnen. Als Gast erzählt die Puppe "Lollipfüpf" aus Neuweilers buntem Leben. Zudem soll an der Vernissage das bisher nicht veröffentliche, leicht skandalöse Werk "Margritli im Bad" enthüllt werden. "Für jeden Besucher gibt es noch eine persönliche Überraschung", verspricht der Büsinger Galerist.

Informationen zur Galerie: www.alte-schmiede-buesingen.eu