Wie saniert man eigentlich eine historische Friedhofsmauer? Die Friedhofsmauer an der Radolfzeller Straße (B 34) und Kronbühlstraße in Ludwigshafen stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Das bereitete bereits bei der Planung Probleme, da vieles zu berücksichtigen ist und die Kosten hoch sind (siehe Kasten). In den vergangenen Jahren traten immer mehr Schäden auf: Risse und sich lösender Putz durch Witterungseinflüsse und Bewuchs finden sich an vielen Stellen.

So sieht die Mauer teils noch aus: Erde und Wurzeln verursachen dafür Risse im Putz.
So sieht die Mauer teils noch aus: Erde und Wurzeln verursachen dafür Risse im Putz. | Bild: Claudia Ladwig

Die Reparatur begann im Juli im östlichen Bereich die Innenseite mit der Reinigung der Mauer. Lose Putze wurden entfernt und loses Material in der Mauer ausgeräumt. Nach Fertigstellung eines Mauerabschnitts folgt die Sanierung an der Außenseite dieses Bereiches.

Bedeutung für die Heimatgeschichte

Anfang September wird erstmals ein Stück Fundament sichtbar. „Wir versuchen, so viel alte Substanz von Mauer und Putz zu erhalten, wie möglich“, erklärt Architektin Corinna Wagner. Die Mauer habe schließlich eine heimatgeschichtliche Bedeutung. Daraus erkläre sich auch, dass sie denkmalgeschützt sei.

„Damals hat man schon Beton als Abdeckung verwendet, aber ganz anders als heute. Es gibt hier keine Fugen, das verursacht Spannungen und die Abdeckung reißt unkontrolliert“, beschreibt sie ein Problem. Die Mauer sei interessant und erhaltenswert für die Denkmalpflege, weil sie die Geschichte des Handwerks zeige. So erkenne man verschiedene Putze von der Erbauungszeit bis in die Gegenwart.

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Alte Handwerkstechniken im Einsatz

Aus ihrer Sicht wäre eine neue Mauer nicht weniger aufwendig gewesen. „Bei der Sanierung der bestehenden Mauer setzen wir alte Materialien und Handwerkstechniken ein. Dafür bekommen wir einen Zuschuss vom Land zu den denkmalbedingten Mehrkosten“, erläutert die Architektin.

Beim Aushub des Erdreichs helfen Maschinen, aber auch Handarbeit ist gefragt. Corinna Wagner sagt: „Einige Gräber liegen nah an der Mauer. Da gehen wir ganz sensibel vor, um die Gräber zu schützen.“ Auch um die kleinen Gedenktafeln an der Mauer arbeiten die Handwerker vorsichtig herum. Sie bleiben alle erhalten.

Vor der Innenseite der Friedhofsmauer wird überall Erdreich abgetragen. Ein Mitarbeiter von Steinmetz Eduard Schnell säubert das Fundament der alten Mauer zunächst mit einem Hochdruckreiniger.
Vor der Innenseite der Friedhofsmauer wird überall Erdreich abgetragen. Ein Mitarbeiter von Steinmetz Eduard Schnell säubert das Fundament der alten Mauer zunächst mit einem Hochdruckreiniger. | Bild: Claudia Ladwig

Steinmetz Eduard Schnell ist es wichtig, die alten Techniken zu erhalten. Er hat viel Erfahrung in der Denkmalpflege und verwendet beispielsweise verschiedene zusammengemischte Sande der Region für die Ausbesserungsarbeiten. „Frost, Wurzeldruck und Salzkristallisation setzen der Mauer zu“, erklärt er.

Auswaschungen des Kalks durch Wasser seien ein ständiger Prozess. Eine Drainage entlang der Innenseite der historischen Friedhofsmauer soll künftig dafür sorgen, dass Wasser geführt in einen Versickerungsschacht abgeleitet wird. Die neuen Fugen in der Mauerkrone müssten alle paar Jahre kontrolliert und gegebenenfalls nachgebessert werden, wie es zum Beispiel auch in Bädern der Fall sei, führt Corinna Wagner aus.

Vor der Innenseite der Friedhofsmauer wird überall Erdreich abgetragen. Eine Drainage im Boden soll künftig verhindern, dass Oberflächenwasser von der Seite in die Mauer eindringt. Auch ein spezieller Putz wird die Mauer vor Feuchtigkeit schützen. Die kleinen Gedenktafeln bleiben erhalten.
Vor der Innenseite der Friedhofsmauer wird überall Erdreich abgetragen. Eine Drainage im Boden soll künftig verhindern, dass Oberflächenwasser von der Seite in die Mauer eindringt. Auch ein spezieller Putz wird die Mauer vor Feuchtigkeit schützen. Die kleinen Gedenktafeln bleiben erhalten. | Bild: Claudia Ladwig

Baumfällungen und Heckenschnitt

Die alte Mauer wird später noch entlang der Radolfzeller Straße (B 34) verlängert, um den Friedhof ganz einzugrenzen. „Dafür werden wir einige Bäume fällen und Hecken zurückschneiden müssen. Wegen des Artenschutzes warten wir damit bis Oktober“, teilt Ortsbaumeister Ralf Volber mit.

Er sagt auch, die Friedhofsmauer sei in der Gemeinde schon länger ein Thema gewesen. Allerdings habe man erst die Kanaldurchpressung unterhalb des Friedhofs im Rahmen des hochwassersicheren Ausbaus des Mühlbachs abwarten wollen. „Eventuelle Erschütterungen hätten der Mauer weitere Schäden zufügen können“, so Volber. Die Arbeiten seien aber problemlos verlaufen.

Diesen Anblick gibt es nur noch wenige Wochen: Die riesigen Blutbuchen müssen weichen, weil sie verkehrsgefährdend sind.
Diesen Anblick gibt es nur noch wenige Wochen: Die riesigen Blutbuchen müssen weichen, weil sie verkehrsgefährdend sind. | Bild: Claudia Ladwig

Das Rondell am südlichen Friedhofseingang bei der St. Anna-Kapelle wird im Zuge der Mauerarbeiten mitsaniert. Dahinter wird es die wohl markanteste Veränderung geben: Die riesigen Blutbuchen werden nach Rücksprache mit dem Förster gefällt. Wegen der Stromleitung müssten sie schon lange einseitig geschnitten werden. Dadurch hätten die Kronen ein Ungleichgewicht und die Bäume drohten irgendwann auf die Straße zu kippen, erklärt Ralf Volber zum Grund.

Die beteiligten Handwerker hoffen, das Projekt dieses Jahr fertigstellen zu können.

Risse in der Mauerkrone werden behutsam wieder repariert.
Risse in der Mauerkrone werden behutsam wieder repariert. | Bild: Claudia Ladwig

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