Von Politikverdrossenheit bei der Jugend kann in Ludwigshafen offenbar keine Rede sein: Denn Kinder und Jugendliche haben am Dienstag rege die Möglichkeit genutzt, sich über Politik, die für die Bundestagswahl kandidierenden Parteien und ihre Standpunkte und Meinungen zu informieren. Als eine von sieben Kommunen war Ludwigshafen vom Kreisjugendring Konstanz als Standort für „Frieda – das Dialogmobil“ auserwählt worden. Es machte an Nachmittag für eineinhalb Stunden Halt vor dem Zollhaus und diente auch als Wahlkabine für entschlossene U-18-Wähler.

Pauline Werner (12) nutzt den Aushang mit dem stichpunktartig zusammengefassten Wahlprogrammen um sich über die Parteien und deren Meinung und Pläne zu verschiedenen Themen zu informieren.
Pauline Werner (12) nutzt den Aushang mit dem stichpunktartig zusammengefassten Wahlprogrammen um sich über die Parteien und deren Meinung und Pläne zu verschiedenen Themen zu informieren. | Bild: Constanze Wyneken

Die Atmosphäre im Uferpark und direkt am Bodenseeufer hätte positiver nicht sein können. So nutzten rund 20 Kinder und Jugendliche die ihnen angebotenen Hilfestellungen bei der Auswahl der für sie passenden Partei. Zehn von diesen gaben ihre Stimmen, diese dienen allerdings einer Umfrage und zählen nicht in das Ergebnis der Bundestagswahl. Waltraud Weber, Kreisjugendreferentin beim Amt für Kinder, Jugend und Familie im Landratsamt Konstanz, stand den Interessierten Frage und Antwort und erklärte, was sie zwischen Stehtischen, Liegestühlen und Snacks noch vorfanden: mit dem Internet verbundene Tablet-Computer, mit deren Hilfe die Kinder und Jugendlichen entweder den Wahl-O-Mat oder den Wahlswiper bedienen konnten. Diese Programme helfen Jugendlichen, über ihre Antworten jene Partei herauszufiltern, die am besten zu ihren Einstellungen passt. „Wenn wir nur ein Kind finden, dem wir mit unserer Aktion Lust auf Politik und das Interesse an den Themen wecken können, dann haben wir schon viel erreicht. Kinder und Jugendliche müssen erkennen, dass auch sie einen Einfluss haben“, sagte Weber.

Kimi Heckeler (rechts) steckt seinen U18-Stimmzettel in die Wahlurne. Neben ihm Kreisjugendreferentin Waltraud Weber.
Kimi Heckeler (rechts) steckt seinen U18-Stimmzettel in die Wahlurne. Neben ihm Kreisjugendreferentin Waltraud Weber. | Bild: Constanze Wyneken

Jugendliche wie Jannis Zeller (17) und Leonie Reutlinger (13) aus Ludwigshafen konnten feststellen, dass Politik nicht einfach ein abstrakter Begriff ist, sondern dass es dabei um Themen wie Miete, Naturschutz, Klimawandel, Integration oder Steuern geht: „Politische Themen sind unser Alltag“, sagt Jannis Zeller und findet, dass es ein gutes Gefühl sei zu wählen, aber nicht, ohne sich zuvor genau informiert zu haben. Denn, so fügt er hinzu, Politik kann uns ja auch einschränken.

Auch Kimi Heckeler (16) ist der Meinung, dass es wichtig ist, sich auch schon als junger Mensch für Politik zu interessieren: „Da sind Themen, die sind nicht nur für mich wichtig, sondern für die Allgemeinheit. Und wir 16-Jährigen haben auch schon unsere eigene Meinung und wissen, was wir wollen. Wir sollten mitbestimmen dürfen, denn nur Meckern bringt uns ja nicht weiter.“ Auch Kimis Bruder Nils (13) war gekommen, um zu wählen. Für die Natur interessiere er sich, sagt er, und er wolle schauen, ob es eine Partei gibt, die sich für Themen einsetzt, die ihm am Herzen liegen.

Information vor der Wahl

Die Freundinnen Jana Schmidt (17) und Jana Jäger (16) waren gekommen, um sich eine Meinung zu bilden: „Ich weiß so ungefähr die Richtung“, sagt Jana Jäger, „aber ich versuche herauszufinden, ob ich die richtige Partei im Sinn habe, also ob das so stimmt.“ Denn was man auf keinen Fall tun solle, sagt Jana Jäger, ist, aus Gewohnheit zu wählen. Sie freut sich, dass sie sich nach dem Wählen so erwachsen fühlen konnte. Nicht leicht machte es sich auch Pauline Werner (12), die es selbst nach der Befragung des Wahl-O-Maten noch schwierig fand, sich zu entscheiden. Deshalb studierte sie akribisch das Plakat mit den in Stichpunkten erklärten Wahlprogrammen der Parteien: „Schließlich ist das hier unsere Zukunft, über die wir mit der Wahl entscheiden.“

Überrascht zeigten sich sowohl die Kreisjugendreferentin Waltraud Weber wie auch Bettina Jäger-Gönner von der Gemeinde Ludwigshafen davon, wieviel Zeit sich die Kinder und Jugendlichen jeweils nahmen, um sich zu informieren – und bevor sie ihr Kreuzchen auf den Wahlzettel setzten: „Das habe ich mir zwar gewünscht“, sagt Waltraud Weber, „ich habe es aber nicht erwartet. Die, die hier waren, haben wirklich sehr viel reflektiert und das gibt Hoffnung. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich die Jugendbeteiligung bei den Wahlen etabliert. Es stimmt nämlich nicht, dass die Jugendlichen sich nicht interessieren.“