Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben: Vor wenigen Tagen hat Ralf Waibel, Inhaber der gleichnamigen Schlosserei in Ludwigshafen, die letzten Solarmodule auf sein Hallendach geschraubt. Wenn nun noch der neue Wechselrichter kommt, kann die Photovoltaikanlage, die fast 21 Jahre lang vom Dach des Überlinger Gymnasiums rund 15.000 Kilowattstunden Strom im Jahr geliefert hat, Waibels Maschinen mit günstigem Strom versorgen.

Und zwar mit sehr günstigem. Denn der Unternehmer hat die gesamte Anlage für 1.500 Euro von den Solar-Pionieren der Solares Bürgerdach Überlingen GbR gekauft, mit seinen „Jungs“ selbst abmontiert und bei sich wieder aufgebaut. Man muss nicht groß rechnen um zu verstehen, dass sich dieser Deal für Waibel „nach zwei bis drei Jahren amortisiert“ haben dürfte, wie er selbst schätzt. Denn die Hälfte des produzierten Stroms wird die Schlosserei wohl selbst verbrauchen.

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Bei den Überlinger Solar-Pionieren, die am 23. September in Waibels Halle zum letzten Mal zusammengekommen sind, um die Übergabe zu feiern und ihre GbR offiziell aufzulösen, spürt man gleichzeitig Freude und Wehmut. Freude, da die Anlage „in gute Hände gekommen ist“, wie der Sipplinger Architekt Tim Günther sagt, einer der Hauptinitiatoren des damals außergewöhnlichen Bürgerprojekts.

Und Wehmut, da die Anlage nicht auf dem Gymnasium weiterlaufen konnte, wo sie „doch so gute Dienste hätte leisten können“. „Man hätte sie ja einfach nur umklemmen müssen“, sagt auch der neue Eigentümer Waibel kopfschüttelnd. Bereits vor Jahren hatte die Solargemeinschaft den Kontakt zur Stadt gesucht, ihr die Anlage zuletzt sogar schenken wollen. Doch die lehnte wegen allerlei Bedenken ab.

Schlosser Waibel zeigt den Solariern die Geländer, die er derzeit für die neuen Gebäude der Überlinger Baugenossenschaft schweißt.
Schlosser Waibel zeigt den Solariern die Geländer, die er derzeit für die neuen Gebäude der Überlinger Baugenossenschaft schweißt. | Bild: Jürgen Baltes

Wobei dies nichts Ungewöhnliches für sogenannte Ü20-Anlagen ist. Gerade erst hat in Frickingen eine Bürgersolargemeinschaft ihre Anlage an den Gartenbaubetrieb Saum verschenkt, auf dessen Dach sie 20 Jahre lang lief und nun weiter günstigen Strom für das Unternehmen produziert.

Strom wird nun eingekauft

Das Aus am Gymnasium tut auch dem bisherigen Mitgesellschafter Markus Aigner leid, der dort das Thema Erneuerbare Energien unterrichtet und die eigene Anlage gerne als Anschauungsobjekt im Schulunterricht genutzt hat. Und die hätte gerade jetzt zum Leuchtturmprojekt werden können. Denn wie Günther anhand der Verbrauchsdaten des Gymnasiums aufzeigt, hätte die Schule fast den gesamten selbst erzeugten Solarstrom nutzen können. Stattdessen müsse dieser nun für 3000 bis 4000 Euro im Jahr gekauft werden. Doch man wolle nicht zurück schauen, sondern nach vorne: Die erlösten 1500 Euro gehen als Spende ans Gymnasium und sollen dort für Projekte und Experten-Vorträge zu erneuerbaren Energien verwendet werden.

Bei der Inbetriebnahme des ersten Bürgersolardachs auf dem Gymnasium in Überlingen im Sommer 2001.
Bei der Inbetriebnahme des ersten Bürgersolardachs auf dem Gymnasium in Überlingen im Sommer 2001. | Bild: Hanspeter Walter I SK-Archiv

Und warum hat die GbR sie nicht einfach weiterbetrieben? „Das wäre nach dem Ende der Einspeisevergütung von 51 Cent nicht mehr wirtschaftlich gewesen“, sagt Günther. „Außerdem sind wir alt“, so der mittlerweile 77-Jährige. Allein 15 Aktive von damals seien bereits gestorben. „Das müssen jetzt andere machen.“ Trotzdem fragt nach der GbR-Auflösung jemand in die Runde: „Und was machen wir jetzt?“ „Vielleicht etwas mit Windkraft?“, kommt es zurück – was für einen kurzen Lacher an der langen Tafel sorgt.

Unterdessen könnte die Überlinger Photovoltaikanlage möglicherweise die letzte gewesen sein, die voll funktionsfähig von einem öffentlichen Gebäude in Baden-Württemberg demontiert wurde. Denn bekanntlich hat die Landesregierung genau entgegengesetzte Pläne: Bis 2030 will man auf allen landeseigenen Gebäuden, auf denen dies möglich ist, Photovoltaikanlagen installieren und selbst betreiben.