Dieses Jahr ist wegen Corona beim Weltgebetstag der Frauen alles anders. Die Mitarbeiterinnen der Evangelischen Kirchengemeinde Ludwigshafen, Dorothee Staud-Fiek und Susanne Karass, sowie Monika Lichtwald von der Katholischen Kirchengemeinde See-End in Bodman haben sich gemeinsam überlegt, wie man das Flair des Weltgebetstages aufleben lassen kann, das man sonst beim Gottesdienst und dem gemeinsamen Miteinander danach erlebt – ein Weltgebetstag nach Plan B, wie sie sagen.

In den vergangenen Jahren konnten alljährlich bei dem Ereignis Spenden für Frauenprojekte gesammelt werden. Dies sollte in diesem Jahr ebenfalls geschehen, auch wenn der Weltgebetstag in diesem Jahr so anders ist. In den vergangenen Jahren besuchten nach Angaben der Veranstalter allein in Deutschland jährlich etwa eine Million Besucher den Weltgebetstag.

Gemeinsinn und eine Spendensammlung soll es trotz allem geben

In diesem Jahr nun setzen die Organisatorinnen zwar nicht auf physisches Zusammenkommen, sehr wohl aber auf Gemeinsamkeit im Geiste: Mit einem Themen-Raum in der Christuskirche, Infobroschüren und dem Verteilen einer Gebetsordnung machen sie es möglich, dass sich die Menschen zeitversetzt in der Kirche sowie zu Hause mit dem Thema des Weltgebetstags auseinandersetzen und helfen können.

Das Titelbild des Weltgebetstags 2021: das Bild „Cyclon Pam II. 13th of March 2015“ von Juliette Pita.
Das Titelbild des Weltgebetstags 2021: das Bild „Cyclon Pam II. 13th of March 2015“ von Juliette Pita. | Bild: Repro: Heiner Heine

Frei nach dem Motto des Weltgebetstages „Informiert beten – betend handeln“ wird in jedem Jahr ein bestimmtes Land unter die Lupe genommen, mit besonderem Fokus auf die Lebenssituation der Frauen dort. In diesem Jahr dreht sich alles um das Land Vanuatu, ein Südsee-Inselstaat, bestehend aus 83 Inseln im südpazifischen Dreieck zwischen Neuseeland, Papua-Neuguinea und den Fidschi-Inseln gelegen.

Ein Südsee-Paradies? Ganz im Gegenteil

„Sogleich kommen einem Palmen-gesäumte Traumstrände, türkisblaues Meer, bunte Fische, Regenwald und freundlich lächelnde Menschen in den Sinn – ein Südseeparadies“, erzählt Dorothee Staud-Fiek. Doch, so erklärt sie weiter, habe dieses Paradies eine Kehrseite: Denn es sei weltweit das Land, das am stärksten den Auswirkungen der Klimakatastrophe ausgesetzt sei.

Es werde regelmäßig von Seebeben, Zyklonen, Tsunamis, Vulkanausbrüchen und Erdbeben heimgesucht, der Meeresspiegel steige, die Inseln gingen allmählich unter. Den Bewohnern drohe Umsiedelung. Im März 2015 wurden durch Zyklon Pam weite Teile des Inselstaates zerstört. Hinzu komme, bedingt durch eine streng patriarchalische Gesinnung und häufig Alkoholismus bei Männern, dass die Frauen von Vanuatu häufig Gewalt ausgesetzt seien.

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Die Frauen aus Vanuatu haben die diesjährige Gebetsordnung und das Motto des Weltgebetstags für Frauen ausgewählt. Es lautet: „Worauf bauen wir?“ Und umschreibt somit die Frage, was das Leben weiterträgt, wenn alles um einen herum ins Wanken gerät.

Susanne Karass umschreibt es so: „Die Frauen teilen mit uns ihre Sorgen und Nöte und suchen dementsprechend die Gebete und Lieder aus. Das wird dann jeweils mit den eigenen Themen verbunden. Vergleichen kann man die dortigen Zustände mit den unsrigen aber natürlich nicht: Im Vergleich zu solchen Ländern sitzen wir hier in Deutschland auf einem goldenen Teller.“

Ermuntern zum Engagement beim Weltgebetstag (v.l.): Monika Lichtwald, Dorothee Staud-Fiek und Susanne Karass.
Ermuntern zum Engagement beim Weltgebetstag (v.l.): Monika Lichtwald, Dorothee Staud-Fiek und Susanne Karass. | Bild: Constanze Wyneken

Monika Lichtwald fügt hinzu: „Über diesen Tellerrand müssen wir hinausschauen und darüber nachdenken, wie man Missstände verändern kann. Wir alle können nicht die Augen zumachen vor der Ausbeutung der Menschen, dem Klimawandel, der Gewalt oder der Kinderarbeit.“ Der Weltgebetstag soll zum Nachdenken anregen, informieren, ohne den Zeigefinger zu erheben. „Kleine Schritte können großes Bewirken“, sagt Dorothee Staud-Fiek.

Die Projekte, die in Vanuatu mit Spenden unterstützt und ermöglicht werden sollen, heißen „Stärkung und agro-ökologische Beratung von Multiplikatorinnen“ und „Stimme und Sichtbarkeit von Frauen in der regionalen Berichterstattung über Wahlen, Politik und in der Regierung.“ Es sind Projekte, die Frauen und Mädchen Vanuatus darin unterstützen, ihre politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rechte durchzusetzen.