Drei Jahre statt zwei: Der Gemeinderat von Bodman-Ludwigshafen hat jüngst den Vertrag mit der Diakonie für die Betreuung von Obdachlosen und den Bürgern, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, bis Ende des Jahres 2023 verlängert. Dabei folgte das Gremium dem Antrag eines Mitglieds, direkt einen längeren Zeitraum für die weitere Zusammenarbeit zu wählen als die zwei Jahre, die in der Sitzungsvorlage standen.

Bürgermeister Matthias Weckbach betonte, es sei schon viel erreicht worden, aber oft erfahre die Verwaltung erst von einem Problem, wenn das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen sei. Er nannte ein besonders trauriges Beispiel: Eine Person, die durch einen Schicksalsschlag den Tritt im Leben verloren hatte, habe nicht in eine Obdachlosen-Unterkunft gehen wollen. Die Person habe stattdessen im Auto übernachtet und sei darin verstorben. „Wir dürfen die Augen nicht verschließen“, sagte Weckbach. „Wir können nicht jedem helfen, aber zu helfen ist unsere gesellschaftliche Aufgabe.“

Herausforderungen aufgrund der Pandemie

Sozialarbeiterin Sylvia Goede, die sich seit 2018 um Obdachlose und von Obdachlosigkeit bedrohte Bürger von Bodman-Ludwigshafen kümmert, sagte im Rückblick auf das vergangene Jahr, das dieses turbulent gewesen sei. Die Corona-Pandemie sei eine große Herausforderung, da sie im Rahmen ihrer Arbeit nicht in die Wohnungen und Unterkünfte gehen konnte.

Sylvia Goede ist seit 2018 Betreuerin für Obdachlose der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen. Archivbild: Ramona Löffler
Sylvia Goede ist seit 2018 Betreuerin für Obdachlose der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen. Archivbild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Es sei so noch schwieriger gewesen, einen Zugang zu den Menschen zu finden, die Hilfe brauchen. Es sei alles sehr schleppend gelaufen und sie habe dann auf telefonische Beratung umgestellt oder gutes Wetter genutzt, um sich draußen mit ihren Schützlingen zu treffen. Die Leute hätten ohnehin schon wenig Kontakte und es bestehe die Gefahr, dass sie vereinsamen. „Sie waren merklich froh, jemanden zu treffen“, sagte Sylvia Goede.

Die Wohnungssuche ist besonders schwierig geworden

Und noch etwas, das ohnehin nie einfach gewesen sei, sei noch schwieriger geworden: die Wohnungssuche. Es seien aufgrund der Pandemie die Ferienwohnungen weggebrochen, die manchmal eine Überbrückung beim Verlust der Wohnung geboten hätten und dadurch den Menschen Halt gegeben hätten. Auch dieses Jahr werde all dies eine Herausforderung sein. Sie merkte zudem an, viele Leute hätten ein bestimmtes Bild vor Augen, wenn sie das Wort obdachlos hören, das aber so gar nicht zutreffe.

Der Beschluss des Gemeinderats für die Vertragsverlängerung mit der Diakonie fiel einstimmig aus. Laut der Sitzungsvorlage liegen die Kosten im Jahr 2021 bei rund 17.700 Euro und im Jahr 2022 werden sie aufgrund von Lohnsteigerungen etwa 18.250 Euro betragen. Für 2023 gab es noch keine Angaben, da die längere Vertragsdauer spontan in der Sitzung zustande kam.

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