Die Emotionen kochten beim Bürgerdialog zum Badeverbot in den Uferanlagen und weiteren Themen hoch. Dennoch zeigte sich trotz teilweise harten Worten, dass die verschiedenen Seiten eigentlich gar nicht so weit mit ihren Zielen auseinander liegen. Es kristallisierten sich eher die Fragen heraus, wie genau der Weg dorthin aussehen soll und ob ein Badeverbot in bestimmten Zeitfenstern, das gemeinsam mit einem Lagerverbot und anderen Vorgaben zur gemeindeeigenen Polizeiverordnung gehört, ein sinnvolles Element ist, um die Menschenmassen am Ufer in den Griff zu bekommen.

Bürgermeister Matthias Weckbach brachte zunächst die Zuhörer vor Ort und im Internet auf Stand, was in welchem Ortsteil wirklich erlaubt oder verboten ist und warum es Problem-Situationen in den Uferanlagen gibt. Auch der SÜDKURIER hat darüber wiederholt berichtet. „Wir wollen den Einheimischen nicht verbieten, ins Wasser zu gehen, aber wir wollen auch kein Strandbad“, so Weckbach.

Stefan Wörner, einer der Initiatoren der Online-Petition gegen das Badeverbot, überreicht Bürgermeister Matthias Weckbach mehr als 700 gesammelte Unterschriften.
Stefan Wörner, einer der Initiatoren der Online-Petition gegen das Badeverbot, überreicht Bürgermeister Matthias Weckbach mehr als 700 gesammelte Unterschriften. | Bild: Ramona Löffler

Noch vor der eigentlichen Diskussion kam die laufende Online-Petition gegen das Badeverbot zur Sprache. Die Initiatoren waren anwesend. Stefan Wörner überreichte Weckbach die bis dahin mehr als 700 gesammelten Unterschriften, von denen rund 300 aus der Gemeinde selbst stammen. Sein Kollege Dieter Schoch umriss, wie schwer es sei, den Kindern klarzumachen, dass sie am Wochenende tagsüber nicht im Uferpark schwimmen gehen dürfen. Er bat im Namen aller Unterzeichner darum, das Badeverbot aufzuheben.

Das könnte Sie auch interessieren

Parksuchverkehr auch ein Problem

Einer der Bürger, die unterschrieben haben, betonte, er wolle auch nicht, dass hier ein Strandbad entstehe, doch kurzes Schwimmen müsse möglich sein. Ein Anwohner der Seestraße schloss sich Schoch an, verwies ebenfalls auf seine Kinder und nannte das Badeverbot eine kollektive Strafe. Es müsse eine andere Lösung her, sagte er auch im Hinblick auf den Parksuchverkehr, der durch Bodman rollt. Er schlug „Anlieger frei“ vor, um Besucher fernzuhalten, anstatt das Baden zu verbieten.

Weckbach warf dazu direkt ein, dass seine eigenen drei Kinder immer ins Strandbad gehen würden. Zudem erklärte er zu dieser und anderen Wortmeldungen wiederholt, dass ein Parkleitsystem beschlossen sei und komme, die Lieferung der Schilder aber leider bis Herbst dauere.

Das könnte Sie auch interessieren

Uferanlage soll kein Grillplatz oder Strandbad werden

Ein Bewohner der Burgstraße sagte zum Baden und Lagern: „Ich glaube, keiner in Bodman will, dass die Uferanlagen zum allgemeinen Grillplatz werden.“ Doch Verbote würden die Falschen treffen. Es sollte eine Lösung gefunden werden, ein Verbot zu umgehen und gleichzeitig zu verhindern, dass alles verkomme. Ein Anwohner der Kaiserpfalzstraße wies darauf hin, Ludwigshafen habe den immer zugänglichen Waschplatz, doch soetwas gebe es nicht in Bodman: „Das Badeverbot ist überzogen, aber das Camping- und Lagerverbot in Ordnung.“

Während es von manchen Anwesenden Kritik an den Probe-Einsätzen eines Sicherheitsdienstes gab, war sein Vorschlag mehr Sicherheits-Personal: „Die Security muss am Samstag und Sonntag da sein.“ Schilder würden nichts nützen. Außerdem kam auch der Vorschlag auf, in den sozialen Medien auf das Lagerverbot aufmerksam zu machen und es richtig durchzusetzen. Ein anderer Einwohner merkte an, der Eindruck, den eine Security mache, tue einer Fremdenverkehrsgemeinde nicht gut.

Bild: Ramona Löffler

Es entbrannte schließlich eine Debatte darum, ab wann man eigentlich von Lagern sprechen könne. Die Meinungen gingen stark auseinander. Außerdem ging es darum, dass die Pandemie-Zeit zwar wie ein Brennglas wirke und vieles verstärkt habe, aber Weckbach erinnerte zum Beispiel auch an den Hitzesommer 2003, in dem alles voll gewesen sei. Einwohnerin Karin Weber sagte, die Anzahl der Tagestouristen habe in den vergangenen Jahren Überhand genommen. Es müsse etwas dagegen getan werden. Es brauche ein strenges Verbot, das sich herumspreche. Sie sprach zudem an, dass der Frust in der Gemeinde so hoch sei, weil sich die Bürger an die Regeln halten, Besucher jedoch nicht. Dem stimmte eine andere Einwohnerin zu: „Wir wissen uns zu benehmen.“ Sie wolle jedoch nicht für fünf oder 30 Minuten Baden extra ins Strandbad gehen müssen.

Jetzt sogar mehr als früher erlaubt

Karin Weber wies auch noch auf einen Aspekt hin, der bisher in Diskussionen unerwähnt geblieben war: „Baden war in unseren Anlagen noch nie erlaubt, sondern nur geduldet.“ Die überarbeiteten Regelungen in der Polizeiverordnung würden nun sogar mehr gestatten als früher, da Baden trotz Einschränkungen zu bestimmten Zeiten nun ausdrücklich erlaubt sei.

Erika Zahn aus Bodman ergänzte, dass vor den Änderungen im Februar nicht mal das betreten der Grünflächen erlaubt gewesen sei. Sie sah es als kritisch an, dass manche Besucher sich mit ihren Sachen regelrecht einen Claim abstecken würden.

Eine Idee sind Blumenbeete

Der Bodmaner Roland Scherer warf auf, wie sehr der Uferpark seit der Renaturierung zum Baden einlade. Er verwies auf die Landesgartenschau in Überlingen und wie gut dort die Wiesen abgegrenzt würden. Die Diskussion drehte sich durch verschiedene Redebeiträge schließlich immer mehr um konkrete Ideen, zum Beispiel Blumenwiesen oder Beete, damit sich die Leute nicht hinlegen.

Oliver Thum, der Vorsitzende des Touristikfördervereins Ludwigshafen, sagte, der Verein stehe gerne für eine Zusammenarbeit zur Verfügung. Auch er war der Meinung, es brauche Regularien. Er lobte die Bürgerdialog-Veranstaltung. Er hoffe, solche Gespräche könnten künftig im Vorfeld bei heiklen Themen stattfinden. Weckbach warf dazu ein, dass im Februar aufgrund der Inzidenzen eine solche Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre – damals hatte der Rat die überarbeitete Polizeiverordnung beschlossen.

Bild: Ramona Löffler

Schließlich kam auch noch Lob von einer Einwohnerin. Sie verstehe jetzt vieles besser. „Wenn man zum Abkühlen ins Wasser darf, kann ich damit leben, einen Beitrag geleistet zu haben“, fasste sie in der Hoffnung auf eine entsprechende Anpassung der Regeln zusammen. Ein anderer Einwohner sagte jedoch, er glaube, Verbote bringen nichts, da Verbote allgemein auf großen Widerstand stoßen würden. Er regte an, mehr über die Regeln aufzuklären und eher Freiräume anstatt Grenzen zu schaffen. Weckbach entgegnete, dass schon viel versucht worden sei.

Und so geht es nun weiter: Der Gemeinderat wird am Dienstag, 6. Juli, erneut über das Thema und Vorschläge diskutieren. Gemeinderätin Sonja Hildebrand (Freie Wähler) rief alle noch auf, Ideen einzubringen. Die Räte seien erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Abend und wie es weitergeht

  • Das Badeverbot: Laut der Polizeiverordnung der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen ist das Baden im Uferpark in Bodman an den Wochenenden sowie Feiertagen in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr verboten. Im Uferpark in Ludwigshafen gilt das Verbot täglich zwischen 10 und 17 Uhr. Zu allen anderen Zeiten ist es erlaubt. Der Waschplatz in Ludwigshafen ist als öffentlicher Seezugang vom Verbot ausgenommen. Allerdings fehlt laut Landratsamt noch eine separate Rechtsverordnung nach Paragraf 21 des Wassergesetzes von Baden-Württemberg, damit das Badeverbot wirklich in Kraft tritt.
  • 63 Einwohner beim Bürgerdialog: Zu dem Abend im Seeum kamen zahlreiche Zuhörer und es gab viele Redebeiträge. 30 Bürger nahmen im Saal an der Sitzung Teil, 30 per Zoom und drei Jugendliche hörten längere Zeit an der nach außen offenen Glastür zu. Die Verwaltung hatte diesen Termin in der Ratssitzung im Mai versprochen. Er fiel aus verschiedenen Gründen auf dieses Datum: In den Pfingstferien war es nicht möglich, der Dienstag ist der übliche Tag für Ratssitzungen oder Einwohnerversammlungen, der Saal war verfügbar und an anderen Abenden hatte der Bürgermeister bereits Verpflichtungen für andere Sitzungen.
  • Neue Debatte im Rat: Das Badeverbot und der Security-Einsatz werden am Dienstag, 6. Juli, erneut auf der Tagesordnung im Gemeinderat stehen. Außerdem geht es dann um die Rechtverordnung, die noch für das Badeverbot notwendig wäre.