Der Jugendtreff in Ludwigshafen ist sehr beliebt, hat aber ein Problem: Die Eltern schaffen es nicht mehr alleine, ehrenamtlich die Betreuung der Öffnungszeiten abzudecken. Was nun? Um diese Frage ging es im Rahmen einer Präsentation zum Jugendtreff, der aufgrund der Corona-Krise momentan geschlossen hat, und der Jugendarbeit im Landkreis in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Außerdem stellte Stefan Gebauer vom Kreisjugendreferat verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung vor.

Wie es im Jugendtreff läuft

Bettina Jäger-Gönner stellte für das Team des Jugendtreffs in der Ratssitzung vor, was alles gemacht wird. Neben ihr waren auch andere Eltern und Jugendliche anwesend. Bei den Öffnungszeiten gehe das Team auf die Wünsche der Kinder und Jugendlichen ein, erklärte sie. Eine Umfrage über die Jugendbeteiligungs-App der Gemeinde habe ergeben, dass zum Beispiel der Freitagabend für die Jugendlichen ab 14 Jahren wichtig sei.

Bettina Jäger-Gönner im Jugendtreff. Dieses Bild entstand 2019, als die Einrichtung an den Start ging.
Bettina Jäger-Gönner im Jugendtreff. Dieses Bild entstand 2019, als die Einrichtung an den Start ging. | Bild: Löffler, Ramona

Es gebe viele Angebote, die sehr gut angenommen würden, sagte Bettina Jäger-Gönner. Die Nähschule sei zum Beispiel schnell ausgebucht gewesen. Manches sei aber auch wegen Corona ausgefallen. „Es gibt so viele Ideen, dass wir als Betreuer gar nicht alles umsetzen können“, fasste sie zusammen. Die Möglichkeiten seien begrenzt.

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Es seien von vielen Seiten Sach- und Geldspenden eingegangen. Sie nannte eine Küche, Nähmaschinen und einen Billard-Tisch sowie Bastelmaterial als Beispiele und bedankte sich im Namen des Teams für die Unterstützung der Bürger sowie des Gemeinderats.

Eltern brauchen Unterstützung

Momentan betreut eine Gruppe ehrenamtlicher Eltern die Kinder im Jugendtreff abwechselnd während den Öffnungszeiten. Inzwischen zeigt sich aber, dass die Eltern das nicht mehr alleine stemmen können. „Es ist eine gewaltige Anstrengung für die Eltern, die Öffnungszeiten anbieten zu können“, sagte Bürgermeister Matthias Weckbach. „Auf Dauer wird das so nicht gehen.“

Deshalb sprach der Rat in der Sitzung darüber, wie mit Unterstützung die Öffnungszeiten aufrecht erhalten und auf die Wünsche der Kinder und Jugendlichen angepasst werden können. Es sei ein Thema, das dränge, so Weckbach. Es stand im Raum, mit der FSJ-Kraft der Schule im Jugendtreff auszuhelfen.

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In der Diskussion kam die Frage auf, ob ein FSJler abends arbeiten dürfe. Stefan Gebauer sah kein Problem – die Stelle müsste nur entsprechend konzipiert sein. Weckbach erläuterte die Idee, dass die Betreuung in der Schule mit einer neuen Arbeitskraft auf andere Beine gestellt werden sollte. Dann gäbe es dort nicht jährlich einen Wechsel durch das FSJ und gleichzeitig wäre der FSJler für den Jugendtreff frei. Er wolle das mit der Schule besprechen und dem Rat dann ein Konzept vorlegen.

Stefan Gebauer vom Kreisjugendreferat sprach im Gemeinderat in Bodman-Ludwigshafen unter anderem über Angebot des Kreises für die Jugend, die die Gemeinde nutzen könnte.
Stefan Gebauer vom Kreisjugendreferat sprach im Gemeinderat in Bodman-Ludwigshafen unter anderem über Angebot des Kreises für die Jugend, die die Gemeinde nutzen könnte. | Bild: Löffler, Ramona

Angebote der Kreisjugendarbeit

Stefan Gebauer stellte einige Angebote vor, die die Gemeinde bei Bedarf nützen könnte. Für die Vernetzung von Kommunen mit Jugendtreffs gebe es zum Beispiel das Netzwerk Coolzap. Oder wenn Jugendliche eigene Filme drehen möchten, stehe eine Ausrüstung zum Ausleihen zu Verfügung.

Dialog zwischen Jugend und Politik

Stefan Gebauer riet von der Idee einen Jugendgemeinderats, die Dietmar Specht (CDU) aufbrachte, eher ab. „Ich bin ein großer Fan des jungen Gemeinderats, aber das ist Arbeit ohne Ende“, sagte Gebauer, der einen Jugendgemeinderat in seiner Zeit als Engener Gemeinderat selbst eingerichtet hat. Das Problem sei, dass die Zeitvorstellungen von Jugendlichen im Hinblick auf Entscheidungen ganz anders seien als bei Erwachsenen und Jugendliche zu wenig Interesse an Politik hätten.

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Gebauer stellte als Alternative für eine Jugendbeteiligung das Dialogmobil Frieda, ein Opel aus den 50ern, vor. Frieda komme in den Ort und diene als Treffpunkt, um die Jugendlichen zu fragen, was sie in ihrer Gemeinde wollen. „Jugendliche könnten so mit dem Gemeinderat ins Gespräch kommen“, schlug er vor.