Auf die Anwohner der Talstraße in Ludwigshafen kommen ab Herbst ungemütliche Zeiten zu. Dann entsteht der Hochwasserableitkanal zwischen Friedhof und dem derzeit im Bau befindlichen Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Fuchsweg. Über die Beweggründe für diese umfangreichen Schutzmaßnahmen informierten Bürgermeister Matthias Weckbach und Dominik Dirnbach vom Ingenieurbüro Reckmann knapp 20 Anwesende im Gemeindezentrum.

Die Oberflächenversiegelung durch Straßen, Höfe und Häuser sowie der Klimawandel mit zu erwartendem häufigerem Starkregen hatten die Verwaltung schon vor 14 Jahren dazu bewogen, sich über den Schutz der Einwohner und ihrer Häuser bei einem Hochwasser Gedanken zu machen.

Inzwischen habe das Land das Wassergesetz geändert, erklärte der Bürgermeister. Gebäude dürften nur noch in eine potenzielle Überschwemmungsfläche gebaut werden, wenn sie mindestens gegen das alle 100 Jahre statistisch auftretende Hochwasser gesichert seien. 2010 gab es im Außenbereich viele kleine Becken, um das Wasser draußen zu halten. „Wir hatten gehofft, dass wir die alte Leitung so ertüchtigen können, dass wir möglichst viel Wasser hindurch kriegen, aber es reicht nicht. Wir müssen deutlich mehr ableiten können“, sagte er.

Dominik Dirnbach erläuterte den Zuhörern das Vorgehen. Der Baugrund sei sehr inhomogen und besitze teilweise eine geringe Tragfähigkeit. Der Kanal müsse in unterschiedlichen Tiefen verlegt werden. Auch der eng angrenzende Bestand mit Mischwasserkanal, Wasser- und Gasleitungen müsse beachtet werden.

Möglicherweise laufen Pumpen rund um die Uhr

Zuhörer stellten Fragen zu einströmendem Wasser. Darauf erklärte Matthias Weckbach: „Im tiefen Bereich haben wir eine geschlossene Wasserhaltung. Wenn irgendwo Wasser reinströmt, kann man nicht mehr arbeiten. Man muss es zurückhalten. Das kann dazu führen, dass Pumpen 24 Stunden laufen. Die sind auch nicht leise, auch ein Stromaggregat ist laut, das kann passieren.“ Gemeinderätin Petra Haberstroh fragte, ob Veränderungen von Bodenstrukturen zu Setzungen führen würden. Darauf sagte der Bürgermeister, der Wasserspiegel werde abgesenkt, sodass kein Wasser mit Kleinteilen reinströme. Leicht feuchter Sand sei dagegen eher stabil. Außerdem werde in kleinen Abschnitten gearbeitet.

„Das kann je nach Jahreszeit und Wetterverhältnissen unterschiedlich sein. Wir müssen uns herantasten.“Dominik Dirnbach vom Ingenieurbüro Reckmann über die aktuellen Kenntnisse zum derzeit unproblematischen Grundwasserstand im Bereich der Baustelle.
„Das kann je nach Jahreszeit und Wetterverhältnissen unterschiedlich sein. Wir müssen uns herantasten.“Dominik Dirnbach vom Ingenieurbüro Reckmann über die aktuellen Kenntnisse zum derzeit unproblematischen Grundwasserstand im Bereich der Baustelle. | Bild: Claudia Ladwig

Dominik Dirnbach ergänzte, beim Bohren bis acht Meter Tiefe hätten sie keinen Grundwasserstand festgestellt, der Probleme mache. „Das kann je nach Jahreszeit und Wetterverhältnissen unterschiedlich sein. Wir müssen uns herantasten.“ Ob der Fluss einer Wasserader vom Grundstück durch den Kanal stärker würde, wollte ein Gast wissen. Eike Reckbach schaltete sich ein: „Das müssen wir vermeiden. Beim Rückhaltebecken haben wir auch Wasseradern gefunden. Wenn das Wasser schnell rauskommt, nimmt es Feinteile mit, der Boden fehlt, es kommt zu Setzungen.“ Man kenne die Strömungen nicht und müsse gut aufpassen.

Der Bürgermeister machte klar, die Baustelle werde an einigen Stellen die komplette Straße einschließlich Gehweg einnehmen. Das beunruhigte einen Rollstuhlfahrer, der angab, nur von der Talstraße ebenerdig in seine Wohnung zu kommen. Weckbach sagte, er werde sich die Situation anschauen.

Im Notfall bringt der Bauhof Mülleimer weg

Weckbach fügte hinzu, auch mit dem Fahrzeug würden die Anwohner nicht immer ans Haus kommen. „Auch das Müllfahrzeug nicht. Die Mülleimer müssen weit weggebracht werden. Aber wenn das für Sie zu schwer ist, geben Sie uns Bescheid, dann helfen Bauhofmitarbeiter.“ Er bat darum, Möbel- oder Öllieferungen rechtzeitig mit der Gemeinde abzusprechen. „Wenn die Straße offen ist, geht nichts mehr, das ist einfach zu tief“, so Weckbach. Wer einen Gasanschluss plane, solle sich bald entscheiden: „Wir machen die Straße danach nicht mehr auf.“

Während der Arbeiten, die vermutlich Mitte Oktober beginnen und bis zum Sommer 2021 dauern werden, können einzelne Abschnitte vor dem eigenen Grundstück mitunter zwei Wochen offen sein. Die Versorgung sei gesichert, so Dirnbach. „Wasser wird als Notversorgung gelegt, für das Abwasser wird gleich die neue Leitung aufgebaut.“

Setzungen im Untergrund sind denkbar

Neben eingeschränkter Befahrbarkeit, Lärm und Staubentwicklung werde es zum Teil auch nachts einen erhöhten Geräuschpegel geben, machte Matthias Weckbach klar. „Es kommt definitiv auch zu Erschütterungen durch Grabenverdichtung.“ Dominik Dirnbach fügte an, im oberen Abschnitt Richtung HRB Fuchsweg käme hochfester Beton zum Einsatz, um die Gefahr der seitlichen Setzung zu entschärfen. Dennoch könne es zu Setzungen und so langfristig immer wieder zu Sanierungsmaßnahmen kommen.

Einige Besucher sprachen die schon jetzt schwierige Parksituation an. Künftig werde es in der Talstraße nur sehr wenige markierte Flächen auf der Gegenseite des Gehwegs geben, erläuterte Weckbach.

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Er wies noch darauf hin, dass Anwohner, die Schäden nach der Bauzeit feststellten, sich melden sollten. Der Bausachverständige Rolf Huesgen habe alle Häuser begutachtet. Weckbach betonte: „Ich hoffe, dass es überhaupt keine Schäden gibt, aber der Eingriff ist immens, wir werden damit rechnen müssen.“

Ob damit auch Schäden an Pflanzen abgedeckt würden, fragte eine Zuhörerin. Bisher seien nur Gebäude aufgenommen worden, erklärte Ortsbaumeister Ralf Volber. „Aber wir haben schon in so vielen Straßenzügen gearbeitet und immer eine Lösung gefunden“, beruhigte er.

Abschließend bedauerte der Bürgermeister, dass viele Bewohner von den kleinen Häusern nicht da waren. Man werde versuchen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen.