Der Musikverein Ludwigshafen hat sein Jubiläumsjahr mit einer Weihnachtsgala abgeschlossen. Die Besucher hatte er mit der Ankündigung, der Abend werde „traumhaft, besinnlich und umwerfend“ schon vorab auf ein ganz besonderes Konzert eingestimmt.

Vor dem Gemeindezentrum loderten Flammen in Feuerkörben. Im Zelt nebendran gab es Glühwein, Punsch und Grillwurst. Der Saal selbst war mit Weihnachtsbäumen, Schlitten und Geschenken liebevoll geschmückt. Auch die Bühne wurde von einer Lichterkette umsäumt und während des Abends in immer neues Licht getaucht. Bilder und kurze Filmsequenzen im Hintergrund untermalten die musikalische Darbietung.

MV-Dirigent Rainer Ehmann präsentiert ein selbst komponiertes Stück.
MV-Dirigent Rainer Ehmann präsentiert ein selbst komponiertes Stück. | Bild: Claudia Ladwig

Die Musiker waren festlich gekleidet: Während die Damen des Orchesters ganz in schwarz auf die Bühne kamen, trugen die Herren weiße Hemden und schwarze Fliegen zum schwarzen Anzug. Mit der „Parade of the Charioteers“, dem Einmarsch der Römer, zogen sie das Publikum vom ersten Ton an in ihren Bann.

Extra umgeschrieben: Oboe statt Dudelsack

Dirigent Rainer Ehmann führte gekonnt durchs Programm und gab interessante Einblicke in die Vorbereitungszeit. Bei „Amazing Grace“ habe er die erste Passage, die eigentlich ein Dudelsack spielt, für die Oboe umgeschrieben, erläuterte er. Außerdem werde man neben Sängerin Carina Jäckle hier auch den Männerchor des MV Ludwigshafen hören.

Carina Jäckle hat schon bei vielen Auftritten des MV Ludwigshafen mitgewirkt. Sie begeisterte auch diesmal wieder Musiker und Publikum.
Carina Jäckle hat schon bei vielen Auftritten des MV Ludwigshafen mitgewirkt. Sie begeisterte auch diesmal wieder Musiker und Publikum. | Bild: Claudia Ladwig

Ein Ergebnis der Corona-Zeit war das Bläserquintett. Die Idee dazu sei in der Hochphase der Pandemie entstanden, als ungewiss war, ob und wann es jemals wieder eine Weihnachtsgala mit dem ganzen Orchester geben werde. Jetzt brachten die fünf Bläser, zwei Frauen und drei Männer, eine musikalische Variante, die von den Zuhörern sehr beklatscht wurde.

Text von Charles Dickens bekommt Musik

Dann las Rainer Ehmann eine Geschichte von Charles Dickens vor, die von kurzen musikalischen Einlagen unterteilt wurde. Auch beim nächsten Stück überraschte er das Publikum. Das Lied habe er vor gut zwei Jahren selbst geschrieben, als keine Probe, keine Auftritte möglich waren und sogar das Weihnachtsfest mit wenig Personen gefeiert werden sollte.

„Das hat gezeigt, wie wichtig Familie ist. Besonders schön ist Weihnachten bei Schnee, dann noch am See – das ist nicht zu toppen“, so Ehmann. Er spielte selbst Klavier, sang im Duett mit Carina Jäckle und plötzlich standen die Musiker: Das Orchester wurde kurzfristig zum gemischten Chor.

Weihnacht am See – ein Stück, dass Dirigent Rainer Ehmann komponiert hat – machte kurzzeitig aus dem Orchester einen ...
Weihnacht am See – ein Stück, dass Dirigent Rainer Ehmann komponiert hat – machte kurzzeitig aus dem Orchester einen wohlklingenden Chor. | Bild: Claudia Ladwig

Nach der Pause begeisterten die Mitglieder des Musikvereins unter anderem mit Filmmusik aus „Kevin allein zu Haus“ und „Die Eiskönigin“. Die Musik des Albtraums vor Weihnachten (“The Nightmare before Christmas“) sei bei der ersten Weihnachtsgala so gut angekommen und mache den Musikern so viel Spaß, dass sie das Stück erneut präsentieren wollten, so Rainer Ehmann. Mit den beiden letzten Werken wurden die Zuhörer dank kleiner Schlittenglöckchen und großer Glocken in vorweihnachtliche Stimmung versetzt. Sie zeigten ihre Begeisterung mit lang anhaltendem, stürmischen Applaus.

Lob für Musiker und Zuhörer

Der Vorsitzende des Musikvereins, Robert Auer, dankte allen Mitwirkenden für diesen besonderen Abend. Zu Rainer Ehmann sagte er: „Du bist ein Allroundtalent. Du kannst komponieren, dirigieren, arrangieren und hast heute alle Register gezogen. Es ist ein Traum für Ludwigshafen, dass wir dich haben.“ Auch die Zuhörer erhielten ein Lob: „Ich bin dankbar für das kulturinteressierte Publikum am See-Ende.“

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Ganz besondere Ehrungen

Johannes Steppacher, der Präsident des Blasmusikverbands Hegau-Bodensee, ehrte an diesem Abend vier Musiker und zeichnete sie für 50 Jahre aktive Mitgliedschaft im Musikverein Ludwigshafen aus. Klaus-Peter Mellert, der sogar schon 52 Jahre dabei ist, Andreas „Jack“ Karle, Peter Strobel und Gabriele Weber erhielten die Ehrennadel in Gold mit der Zahl 50 und eine Urkunde vom Bund Deutscher Blasmusikverbände und ebenfalls vom Blasmusikverband Hegau-Bodensee. Johannes Steppacher bezeichnete sie als „Kulturträger erster Güte“. Dem Vereinsvorsitzenden Robert Auer überreichte er die Verdienstnadel in Gold mit der Zahl 20 samt einer Urkunde vom Blasmusikverband Hegau-Bodensee verbunden mit dem Lob, Robert Auer sprühe vor Ideen und verstehe es, die Mitglieder seines Musikvereins zu motivieren.

Bei der Mitgliederehrung (v.l.): Johannes Steppacher (Blasmusikverband Hegau-Bodensee), Andreas „Jack“ Karle, Gabriele ...
Bei der Mitgliederehrung (v.l.): Johannes Steppacher (Blasmusikverband Hegau-Bodensee), Andreas „Jack“ Karle, Gabriele Weber, Peter Strobel, Klaus-Peter Mellert und Robert Auer. | Bild: Claudia Ladwig

Als erste Zugabe spielte eine sechsköpfige Formation quasi als Hausmusik das österreichische Lied „Es wird scho glei dumpa“. Dann kündigte Rainer Ehmann mit drei Tönen auf einem Xylophon das nächste Stück an: Die Zuhörer wussten sofort, dass „Jingle Bells“ erklingen würde. Das Orchester brachte es im Bigband-Sound. Weil danach wiederum Begeisterungsstürme folgten, stimmten die Musiker erneut den Klassiker „Amazing Grace“ an, bevor der Abend in und vor dem Gemeindezentrum gemütlich ausklang.