Überdimensionale Pop Art lockt die Besucher der Uferanlagen beim Zollhaus zu der Freiluft-Ausstellung „Art Ludwigshafen“. Künstler Jürgen Wieshoff hat sich einen Traum erfüllt und endlich ein richtig großes Plakat gestaltet. „Es hat den gleichen Maßstab wie das Modell“, sagt er zu dem Racing Car Nummer 18, das auf LKW-Plane gedruckt über dem Original hängt. Seine Kunstwerke sind den Comics der 1970er und 1980er Jahre nachempfunden.

Dank seiner Technik, der Vektorzeichnung am Computer, kann er seine Bilder in jeder beliebigen Größe ausdrucken. „Selbst 60 mal 20 Meter wären ohne Qualitätsverlust möglich“, veranschaulicht Wieshoff.

Wolfram Otlinghaus fotografiert mit großer Leidenschaft Szenen auf und am Bodensee. Er fängt gerne besondere Stimmungen ein. Seine Fotografien präsentiert er auf verschiedenen Materialien.
Wolfram Otlinghaus fotografiert mit großer Leidenschaft Szenen auf und am Bodensee. Er fängt gerne besondere Stimmungen ein. Seine Fotografien präsentiert er auf verschiedenen Materialien. | Bild: Claudia Ladwig

Seinen Ausstellungsbereich hat er in einen Poster- und einen Bilderbereich aufgeteilt. Zu sehen sind farbige Schuhe und eine überdimensionale Briefmarke mit dem Portrait von Queen Elizabeth – auf einem Bild trägt sie sogar ganz Corona-konform eine Gesichtsmaske.

Auch weitere Motive stellt der Ludwigshafener vor. Mit dem Rennauto habe er jetzt eine neue Serie begonnen. „Es werden weitere klassische Fahrzeuge kommen. Ich habe selbst noch einen alten Jaguar, der auf einem Bild verewigt werden wird“, verrät Jürgen Wieshoff.

Jürgen Wieshoff mit seinem Pop Art-Flitzer.
Jürgen Wieshoff mit seinem Pop Art-Flitzer. | Bild: Claudia Ladwig

Ihm gegenüber hat Wolfram Otlinghaus seine Seebilder aufgehängt und aufgestellt. Er erzählt: „Schon unsere erste Ausstellung im letzten Jahr im Garten war eine tolle Sache. Diesmal wollten wir direkt dahin, wo die Leute eh sind.“ Er selbst finde es immer spannend, seine Kunst unweit des Originals zu präsentieren, so der Künstler. Seine Fotos zeigen die vielen Facetten des Bodensees – mal im orangeroten Sonnenuntergang, dann in geballter Spannung kurz vor einem Gewitter.

Künstler tun sich zusammen

Der Fotograf freut sich, wenn es ihm gelingt, die besonderen Stimmungen einzufangen. Seine Bilder können in diversen Größen erworben werden. Bei der Open-air-Ausstellung zeigt er unter anderem quadratische Kleinformate auf Leinwand im Schattenfugenrahmen, Fotografien hinter Acrylglas und Bilder, die er auf Alu-Dibond aufgezogen hat. Dibond ist ein Verbundmaterial, auf das Bilder aufgebracht werden können. Wolfram Otlinghaus erklärt: „Romantische Motive kommen gut auf Leinwand raus, detailgenauere Motive sind schärfer und brillanter auf Alu-Dibond.“

Nebenan blicken die Besucher in ausdrucksstarke Augen auf großformatigen Kunstwerken und sofort ist klar: Hier stellt Birgit Brandys aus Stockach aus. Sie sei ganz spontan dazugekommen, berichtet sie. „Einen Tag vorher habe ich in der Zeitung die Pressemitteilung gelesen und bei Wolfram Otlinghaus angefragt, ob ich mitmachen darf.“ In letzter Zeit habe sie viel gemalt, erzählt sie. Inspiration bekomme sie von Gesichtern in Zeitschriften, im Internet oder auf Schwarz-Weiß-Portraits.

Birgit Brandys‘ Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert: Als Erstes fallen dem Betrachter die Augen der großformatigen Gesichter auf, die Brandys malt.
Birgit Brandys‘ Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert: Als Erstes fallen dem Betrachter die Augen der großformatigen Gesichter auf, die Brandys malt. | Bild: Claudia Ladwig

Ihren Skizzenblock habe sie auch unterwegs immer dabei, sagt sie. Für ein Bild hat sie eine erprobte Arbeitsweise: „Ich beginne mit der Untermalung, dann kommen die Augen. Mit dem linken Auge fange ich immer an.“ Die kräftigen Acrylfarben bringt sie mit Pinsel und Spachtel auf die Leinwand. Am kommenden Samstag zeigt sie bei der Museumsnacht in Singen im Maggi-Tunnel 18 ihrer Portraits.

Als vierte Kunstschaffende ist Andrea Perez aus Ludwigshafen dabei. Auch sie hat aus der Zeitung von der Ausstellung erfahren. Bei ihren Bildern arbeitet sie mit einer von ihr selbst entwickelten Technik. Auf Aquarellpapier trägt sie Gouache, ein wasserlösliches Farbmittel aus gröber vermahlenen Pigmenten unter Zusatz von Kreide, Japanpapier und Wachs auf. Dadurch ergibt sich eine spezielle Struktur.

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Sie erklärt: „Das Bild bekommt dadurch mehrere Dimensionen, es wirkt räumlich.“ Sie hat zuhause einige Staffeleien und malt gerne Bilderserien in gleichen Farben zu bestimmten Themen. „Meine letzte Ausstellung hieß „Der Gesang der Libelle“. Zu den Bildern „entsteht auch immer ein Gedicht“, erläutert sie. Sie hat schon Leinwände von einem auf zwei Metern Größe gestaltet, ebenso Bilder in 80 auf 100 Zentimeter.

„Ich biete aber auch kleine Bilder an, die aufgehängt oder aufgestellt werden können. Viele Leute können ja ganz große Bilder gar nicht aufhängen.“

Andrea Perez aus Ludwigshafen gestaltet ihre Kunstwerke in einer speziellen Mischtechnik. Hier steht sie inmitten ihrer Bilder.
Andrea Perez aus Ludwigshafen gestaltet ihre Kunstwerke in einer speziellen Mischtechnik. Hier steht sie inmitten ihrer Bilder. | Bild: Claudia Ladwig

Das Wetter spielt mit und immer wieder schlendern Besucher durch die Pavillons, bleiben stehen und suchen das Gespräch mit den Künstlern. Abends erhellen LED-Leuchten die Zelte.

Jürgen Wieshoff sagt: „Wir haben auf eine laue Sommernacht gehofft. Jetzt findet ja zufällig noch das Konzert am See statt. Die Leute können also ganz entspannt bei uns mit einem Glas in der Hand durchbummeln. Das passt hervorragend.“ Er dankt ausdrücklich der Gemeinde für die Möglichkeit, diese Freiluft-Ausstellung zu veranstalten.

Neustart für Kultur

  • Bundesweites Förderprogramm: Über den Deutschen Verband für Archäologie (DVA) hat Jürgen Wieshoff eine Förderung für die Ausstellung erhalten. Der DVA koordiniert als Partner der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien die Verteilung von Fördergeldern für Kultureinrichtungen, und zwar im Programm „Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen“. Ziel ist, Kultureinrichtungen wie etwa privaten Museen und Ausstellungshäusern bei einem Neustart nach den Lockdowns zu helfen. Die Internetseite nennt sich deshalb www.museen-neustartkultur.de.
  • Unterstützung für Kulturschaffende: Für weitere Einrichtungen können an anderen Stellen Förderanträge im Rahmen des Programms gestellt werden: Theater, künstlerische Produktionsorte, Festspielhäuser, Festivals, Kleinkunstbühnen und Varieté-Theater wenden sich an neustartkultur.dthg.de; Kulturzentren, Literaturhäuser und soziokulturelle Zentren erhalten Informationen unter www.soziokultur.de. (wig)