Weniger Ausbildungsplätze wegen Corona? Nein, in Bodman-Ludwigshafen ist es genau das Gegenteil. In der Seegemeinde durfte ein Azubi mehr als sonst anfangen. Der Gemeinderat hatte dies auf Anregung von Bürgermeister Matthias Weckbach beschlossen, um Jugendlichen in einer Zeit eine Chance zu bieten, in der in manchen Firmen die Ausbildungsplätze plötzlich wegfallen. Bettina Donath, die bei der Gemeinde unter anderem für Personal zuständig ist, fasst zusammen: „Die Idee kam vom Chef. Wir wollten Jugendlichen Perspektiven bieten und mit gutem Beispiel vorangehen.“

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So arbeiten jetzt drei neue Auszubildende im Ludwigshafener Rathaus: Shayenne Eckert, Frano Mikulic und Daragon Phangjunan. Alle drei sind 19 Jahre alt und stammen aus Ludwigshafen. Das habe sich zufällig so ergeben, sagt Sandra Domogalla, Leiterin der Tourist-Information. Sie hat Frano Mikulic und Daragon Phangjunan bei sich im Tourismusbereich. Mikulic macht ein BA-Dualstudium in BWL mit Destinations- und Koordinationsmanagement. Dies stand bereits seit dem vergangenen Jahr fest. Phangjunan hat die neu geschaffene Stelle erhalten und macht nun eine dreijährige Ausbildung als Touristik-Kaufmann.

Entscheidung nach Bewerberlage

Die Gemeinde hatte nach einem kurzfristigen Ratsbeschluss im Juli Stellen in drei Ausbildungsbereichen ausgeschrieben. „Die Bewerberlage war so, dass wir uns für einen Touristik-Kaufmann entschieden haben“, erklärt Bettina Donath. So erhielt Daragon Phangjunan den Ausbildungsplatz. „Ich habe mich sehr gefreut“, sagt der 19-Jährige. Er kam im Alter von neun Jahren von Thailand nach Deutschland. Er wollte eine kaufmännische Ausbildung machen, hatte aber zuerst einen anderen Bereich im Auge.

Shayenne Eckert hat die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten begonnen. Sie kann auf ein früheres Praktikum im Rathaus zurückblicken und hat dann entschieden, sich zu bewerben. Die Zusage kam im vergangenen Jahr. Sie und Frano Mikulic kennen sich noch aus Schulzeiten. „Wir haben uns am ersten Tag hier wiedergetroffen“, erzählt sie.

Start ist anders als sonst

Aufgrund der Corona-Regeln hat die Ausbildung diesen September anders als in anderen Jahren angefangen. Die Azubis hätten zunächst eine Einführung erhalten, welche Vorgaben gelten und wie damit umzugehen sei, damit sie dies den Gästen erklären können, erläutert Sandra Domogalla.

Sogar eine Bewerbung aus China

Allgemein erzählen Bettina Donath und Sandra Domogalla, dass es pro Ausbildungsstelle 20 bis 25 Bewerbungen gebe. „Wir kriegen recht viele“, sagt Sandra Domogalla. Beim dualen Studium gebe es Bewerber aus ganz Deutschland. In den anderen Bereichen seien es eher Jugendliche aus der Region. Ungewöhnlich sei, dass in der Last-Minute-Runde sogar eine Bewerbung aus China angekommen sei.

Unter den Bewerbern seien manchmal auch junge Leute, die bereits eine andere Ausbildung besitzen. Bei den neuen Azubis verteilt es sich aber so: Shayenne Eckert hat Abitur, Frano Mikulic besitzt die Fachhochschulreife und Daragon Phangjunan hat nach einem Realschulabschluss ein FSJ in einem Kindergarten in Konstanz gemacht, das aber aufgrund der Corona-Krise vorzeitig endete. Zur Überbrückung arbeitete er im elterlichen Betrieb mit.

Und was machen die neuen Azubis?

Shayenne Eckerts erste Stationen sind im Hauptamt und dem Vorzimmer des Bürgermeisters. Dort mache sie alles, was gerade so anstehe. Sie kennt die Abläufe im Rathaus auch schon von ihrem Praktikum im Jahr 2018. Frano Mikulic ist erst mal nur im September vor Ort. Am 1. Oktober beginnt das Wintersemester an der Hochschule in Ravensburg. „Ich freue mich, dass es dort normal anfängt“, sagt er. Im kommenden Sommersemester ist er dann wieder in der Gemeinde.

Er und Daragon Phangjunan waren bereits mit Gästeumfragen beschäftigt – woher die Besucher kommen und wie lange sie hier sind. „Die Leute sind nett und auch bereit, etwas zu sagen“, fasst Phangjunan zusammen.

Eine kuriose Gäste-Frage

Die beiden jungen Männer beantworten momentan auch jeden Tag Fragen von Urlaubsgästen. Viele erkundigten sich nach der Marienschlucht, sagt Mikulic. Eine eher kuriose Frage sei die gewesen, ob man hier den Kurs zum Waldbademeister machen könne. Das kommt vom Begriff im Wald baden, also Entschleunigen und in der Natur entspannen.

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