Die Hauptversammlung der Narrenzunft Seehasen Ludwigshafen liegt bereits mehrere Wochen zurück. Dort wurde der bisherige Zunftmeister Alwin Honstetter nach 31 Jahren – acht Jahren als zweiter, 23 Jahren als erster Zunftmeister – mit vielen Geschenken und Dankesreden verabschiedet. Zu seinem Nachfolger wurde Oliver Thum gewählt.

Als letzte Amtshandlung schlug Honstetter eine Satzungsänderung vor, der auch zugestimmt wurde – und erläuterte nun, warum diese notwendig war: „Wenn mal die Situation entstehen sollte, dass kein Ehrenamtlicher für den Posten des Vorsitzenden gefunden würde, dann braucht man einen Hauptamtlichen, um die Zunft abzusichern.“ Ihm sei es wichtig gewesen, diesen Punkt noch selbst einzubringen und nicht seinem Nachfolger aufzuhalsen.

Bei der Hauptversammlung der Seehasen übergab der bisherige erste Zunftmeister Alwin Honstetter (links) sein Amt an Oliver Thum.
Bei der Hauptversammlung der Seehasen übergab der bisherige erste Zunftmeister Alwin Honstetter (links) sein Amt an Oliver Thum. | Bild: Jürgen Wieshoff

Der neue Chef der Seehasen hat eine Menge vor. Vorrangig geht es Oliver Thum um die Bewahrung der Häfler Fasnacht. Das Brauchtum sei ein hohes Gut, sagt er. Im zweiten Jahr der Pandemie kämpften viele Vereine mit Mitgliederverlusten.

Die Menschen zu motivieren und trotz der Geschehnisse bei der Stange zu halten, sei momentan das gemeinsame Ziel in der Zunft. Ganz oben auf seiner Liste steht die kommende Fasnacht.

Narrenbaum-Wettbewerb hat begonnen

Die Online-Angebote der Fasnacht im vergangenen Jahr seien sehr gut angekommen, darauf könne man aufbauen, sind Thum, Honstetter und der Pressebeauftragte Jürgen Wieshoff überzeugt.

Wie schon 2021 gibt es einen Narrenbaum-Wettbewerb. Schon jetzt kann jeder, der mitmachen und gewinnen möchte, ein Foto seines dekorierten Baumes hochladen. Mit der Gemeinde sei abgesprochen, dass die Narrenbäume später von der Müllabfuhr geholt würden.

Zur Amtsenthebung des Bürgermeisters am Schmotzige Dunschtig sei er noch im Gespräch mit Matthias Weckbach, erzählt Oliver Thum. Eventuell laufe diese gleich ab wie im vergangenen Jahr. Ein weiterer Punkt ist die Versetzung des Narrenbaumlochs. Da der Kindergarten umgebaut werde, solle das Narrenbaumloch dort gleich ins Areal integriert werden.

„Vielleicht irgendwas in Präsenz möglich“

Oliver Thum geht davon aus, dass der Höhepunkt der Corona-Welle vor der Fasnacht erreicht sein wird. Er hofft, dass die Pandemie danach abebbt und erklärt: „Es wird definitiv keine wie bisher gekannte Fasnacht geben. Aber vielleicht ist irgendwas in Präsenz möglich. Wir stehen mit den übrigen Vereinen in Kontakt.“

Mitte Januar stünden Gespräche der Narrenvereinigung mit der Landesregierung an, dann gebe es die entsprechenden Rahmenbedingungen. „Die Vereine sind selbst verantwortlich. Wir prüfen, was wir tun können und wollen“, so Oliver Thum.

Digitalisierung und Social Media

Doch in einem Narrenverein gibt es auch administrative Notwendigkeiten. Der neue Vorsitzende will daher die Digitalisierung vorantreiben. Er erklärt: „Es geht um die Vereinssoftware für die Registrierung der Mitglieder und Häser, die Ordensverwaltung und die ganze Kommunikation.“ Ein Team, das zur Vorbereitung gegründet wurde, sei gerade mit dem Auswahlprozess beschäftigt.

Oliver Thum möchte außerdem die Außendarstellung der Zunft modernisieren. „Wir wollen mit der Zeit gehen und haben mit Jürgen Wieshoff und Frank Renner gleich zwei Social-Media-Hasen, die sich auskennen. Wir wollen neue Konzepte für mögliche Veranstaltungen entwickeln, nachdem wir zwei Jahre lang nicht wirklich etwas machen konnten.“

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Gedacht sei eventuell an ein Sommerfest für die Mitglieder. Auch Ehrungen stehen aus. „Wir haben eine Riesenanzahl von Ehrungen, bestimmt 60 oder 70, seit zwei Jahren vor uns hergeschoben“, betont er.

Verein möchte neue Mitglieder gewinnen

Der Verein habe sich in den vergangenen zehn Jahren gut entwickelt, erklärt Oliver Thum. „Es gab eine Zeit lang Probleme, einzelne Gliederungen zu erhalten. Alwin Honstetter hat wie ein Löwe gekämpft, um alle zu erhalten und Bäume, Fischerinnen sowie den Hasenrat wieder aufgebaut.“ Wichtig sei dem Vorstands-Team, alle knapp 270 Mitglieder zu behalten und gerne auch neue hinzuzugewinnen.

Dafür gingen sie jetzt sogar an die Reserven: „Die Zunft braucht neue Häser, alte müssen repariert werden. 18.000 Euro sind dafür veranschlagt.“ Ein Hasenkostüm schlage mit 1400 Euro zu Buche. Vieles werde in Eigenleistung gemacht, da sei Hasenvater Francesco Lorusso dran, um so wenig Geld wie möglich auszugeben, und in mehr neue Kostüme investieren zu können. Schließlich wolle man weiter offen für neue Mitglieder sein, zum Beispiel aus dem neuen Wohngebiet Haiden.