Gottfried Feiß ist in Bodman-Ludwigshafen schon längst kein Unbekannter mehr. Seit zwölf Jahren sammelt er unermüdlich Schrott, den er verkauft und den Erlös regelmäßig sozialen Zwecken zukommen lässt. Über 70.000 Euro kamen auf diese Weise bereits zusammen.

Jetzt hatte er zu einem Benefizprogramm ins Gemeindezentrum eingeladen und viele Gäste genossen die Veranstaltung. Es ging ums Feiern, aber auch darum, Gutes zu tun. Der Kuchenverkauf fand zugunsten der Regenbogenschule in Konstanz statt. 500 Euro wurden dabei erwirtschaftet.

Die Frauen der Brassband-Musiker hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und viele Kuchen und Torten gebacken, die sie im Gemeindezentrum ...
Die Frauen der Brassband-Musiker hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und viele Kuchen und Torten gebacken, die sie im Gemeindezentrum verkauften. | Bild: Claudia Ladwig

Der Inhalt der Spendentrommel am Ausgang ging komplett an das Hegau-Jugendwerk in Gailingen. Hier zählten Elvira Holstein, Sonja Metzger und Thomas Frevel 1350,50 Euro. Hinzu kamen 1000 Euro durch einen anonymen Spender.

Dirk Oehle verdeutlichte die Bedeutung des Schrottsammelns für die Umwelt.
Dirk Oehle verdeutlichte die Bedeutung des Schrottsammelns für die Umwelt. | Bild: Claudia Ladwig

Viele packen beim Fest und im Alltag mit an

Feiß hat starke Helfer an seiner Seite. An diesem Tag waren es Kinder und Jugendliche des Jugendtreffs, die fleißig benutztes Geschirr abräumten. Es waren aber auch die selbsternannten Polkazicken, die Frauen der Brassband-Musiker, die viele Kuchen und Torten gebacken hatten und nun verkauften. Ihre Männer spielten nach dem von Oliver Thum moderierten Programm und die Holzer der Seehasenzunft sorgten dafür, dass niemand Durst leiden musste.

Viele Menschen nahmen das Angebot an, einen gemütlichen Nachmittag im Gemeindezentrum zu verbringen und dabei auch noch etwas Gutes zu ...
Viele Menschen nahmen das Angebot an, einen gemütlichen Nachmittag im Gemeindezentrum zu verbringen und dabei auch noch etwas Gutes zu tun. Der Erlös der Kuchentheke ging an die Regenbogenschule in Konstanz, das Geld aus der Spendentrommel komplett ans Hegau-Jugendwerk Gailingen. | Bild: Claudia Ladwig

Auch im Alltag wird Gottfried Feiß kräftig unterstützt. Da ist zunächst seine Frau Manuela, die ihm den Rücken freihält und alle Termine verwaltet. Außerdem gibt es die Schrottsammlerin Elfriede Schiffhauer aus Moos, die Mitarbeiterinnen Angelika Mahler und Eva Rakowski vor Ort sowie Erika und Bernhard Golembowski aus Markelfingen. Alle helfen mit, möglichst viel Schrott zusammen zu bekommen.

Hoffnung auf offizielle Sammelstelle

Gottfried Feiß eröffnete den Festnachmittag im herbstlich dekorierten Gemeindezentrum selbst. Weil er aber kein Mann der Worte, sondern der Taten sei, fasste er sich kurz. Er dankte der Gemeinde, die für die Nutzung der Räumlichkeiten keine Rechnung gestellt habe.

Feiß drückte seine Hoffnung aus, dass es bald eine offizielle Schrott-Sammelstelle in Bodman-Ludwigshafen geben werde. Bis es soweit ist, wird der Schrott nach telefonischer Absprache bei den Spendern abgeholt.

Gottfried Feiß ist froh, dass er auf ihre Unterstützung zurückgreifen kann: Elfriede Schiffhauer aus Moos, seine Mitarbeiterinnen ...
Gottfried Feiß ist froh, dass er auf ihre Unterstützung zurückgreifen kann: Elfriede Schiffhauer aus Moos, seine Mitarbeiterinnen Angelika Mahler und Eva Rakowski, seine Frau Manuela Feiß sowie Erika und Bernhard Golembowski aus Markelfingen (von links). | Bild: Claudia Ladwig

Projektvorstellung und musikalische Unterhaltung

Anni Wieser aus Stahringen stellte dann ihr Afrika-Projekt vor. Sie sei mehrfach in Burkina Faso und habe den dringenden Wunsch gehabt, den Menschen in diesem bitterarmen Land zu helfen. Seit 2012 unterstütze sie zwei Waisenhäuser und zwei Schulen. 50 Euro Schulgeld reichten ein Jahr lang für ein Kind, erklärte sie. Die Menschen in dem westafrikanischen Land seien unsagbar dankbar für die Unterstützung durch die deutschen Firmen- und Privatspenden.

Zur Unterhaltung spielten Duniya Das, Heidrun Menzel und Annik Ruby als „Längsflöten querfeldein“ sechs Stücke auf ganz unterschiedlichen Flöten.

Duniya Das, Heidrun Menzel und Annik Ruby (von links) spielten sechs Stücke auf ganz unterschiedlichen Flöten.
Duniya Das, Heidrun Menzel und Annik Ruby (von links) spielten sechs Stücke auf ganz unterschiedlichen Flöten. | Bild: Claudia Ladwig

Großes Lob für Feiß‘ Einsatz

Anschließend sprach Dirk Oehle, Geschäftsführer der Firma Oehle Rohstoffverwertung in Singen: „Ein so großer Einsatz nach Feierabend, vor Spätschichten oder nach der Nachtschicht über einen so langen Zeitraum – das ist einfach bemerkenswert und hat einen ganz großen Applaus verdient“, lobte er.

Oehle machte deutlich, dass Gottfried Feiß auch der Umwelt einen großen Gefallen tut. Stahlschrott stelle eine ganz wesentliche Säule bei der Deckung des Rohstoffbedarfs der Stahlindustrie dar, betonte er. „In jedem Auto, beinahe jedem Bauwerk, jeder Brücke, jeder Maschine und jedem Windrad steckt Stahl und damit auch ein Teil ehemaliger Schrott“, so Oehle. Er präsentierte einen Film des Verbandes Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen, der sehr anschaulich den Weg eines alten Fahrrads auf dem Weg in den Recycling-Prozess zeigte.

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Beeindruckende Zahlen

Im vergangenen Jahr sammelte Gottfried Feiß eine Jahrestonnage von 112.500 Kilogramm an verschiedensten Schrottarten und lieferte sie bei der Firma Oehle ab. Das meiste davon war klassischer Mischschrott oder Schredder-Vormaterial mit einer Menge von 85.100 Kilogramm. Bei den Nichteisen-Metallen stellte Aluminium den größten Anteil dar: knapp 6000 Kilogramm.

Seit der Zusammenarbeit im Oktober 2018 nahm die Firma Oehle von Gottfried Feiß eine Gesamtschrottmenge von knapp 450.000 Kilogramm auf. Wenn man das Ganze per Bahn versenden wolle, entspreche diese Menge neun Eisenbahnwaggons voller Schrott, beschrieb Dirk Oehle.

Ramona Biller vom Hegau-Jugendwerk Gailingen (Zweite von links) zeigt Petra Haberstroh die Funktion der unterstützten Kommunikation. ...
Ramona Biller vom Hegau-Jugendwerk Gailingen (Zweite von links) zeigt Petra Haberstroh die Funktion der unterstützten Kommunikation. Klaus Haberstroh informiert sich bei Nele Fischer über die technischen Möglichkeiten der Kommunikation für Patienten, die sich gar nicht mehr bewegen können. | Bild: Claudia Ladwig

Wie die Idee vor rund 12 Jahren entstanden ist

Im Dialog mit Oliver Thum verriet Gottfried Feiß, wie er überhaupt zum Schrottsammeln kam. Er sei mit Dieter Senger in der Partnerstadt Mügeln gewesen und der habe beim Frühstück den Marmeladendeckel abgeleckt und gesagt, den könne man jetzt verkaufen. „Damit war die Idee geboren.“

Einblicke ins Hegau-Jugendwerk

Ramona Biller vom Hegau-Jugendwerk in Gailingen, das Feiß unterstützt, staunte, was ein einziger Gedanke auslösen kann. Mit ihrer Kollegin Nele Fischer, die wie sie aus Bodman-Ludwigshafen kommt, stellte sie ihre Arbeit vor. „Kinder und Jugendliche nach einem schweren Unfall, Hirnschlag, Schlaganfall oder mit Cerebralparese werden bei uns behandelt“, erläuterte sie. Cerebralparese sind Symptome, die durch Hirnschädigungen vor, während oder nach der Geburt entstanden sind.

Nele Fischer vom Hegau-Jugendwerk Gailingen erklärt Klaus Haberstroh die technischen Möglichkeiten der unterstützten Kommunikation.
Nele Fischer vom Hegau-Jugendwerk Gailingen erklärt Klaus Haberstroh die technischen Möglichkeiten der unterstützten Kommunikation. | Bild: Claudia Ladwig

Die beiden hatten einen PC mit Augensteuerung dabei und erklärten: „Wenn man nichts mehr bewegen kann, funktionieren die Augen wie eine Maus.“ Ein kurzer Film gab weitere Einblicke in die Arbeit der Einrichtung, die in diesem Jahr 50 Jahre alt wird.

Bürgermeister Matthias Weckbach (links) dankte Gottfried Feiß im Namen der Region und auch der Partnerstadt Mügeln für sein langjähriges ...
Bürgermeister Matthias Weckbach (links) dankte Gottfried Feiß im Namen der Region und auch der Partnerstadt Mügeln für sein langjähriges Engagement. | Bild: Claudia Ladwig

Auch die Gemeinden danken

Zum Abschluss dankte Bürgermeister Matthias Weckbach Gottfried Feiß und seinem Team stellvertretend für die ganze Region, aber auch im Namen der Partnerstadt Mügeln und deren Bürgermeister Johannes Ecke für sein großes Engagement.

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