Unverständnis und Unmut über die Situation an Wochenenden an der Bergstraße kamen als großes Thema in der Ratssitzung am Dienstag auf. Es zeigte sich schnell: Viele ärgern sich über den Motorradlärm, der von der Serpentine über den gesamten Ort schallt.

Thema kommt in Sitzung auf

Steffen Bretzke sprach das Thema direkt zu Beginn der Sitzung in der Bürgerfrageviertelstunde an. „Ich finde es unerträglich, was da an Wochenenden los ist“, sagte er und erkundigte sich, was dagegen gemacht werden könne. Bürgermeister Matthias Weckbach sah es ebenso: „Es ist wirklich sehr extrem.“

Motorradfahrer auf der Bergstraße bei Ludwigshafen
Motorradfahrer auf der Bergstraße bei Ludwigshafen | Bild: Löffler, Ramona

Meldungen an Polizei sind wichtig

Er riet im Laufe der folgenden Diskussion im Gremium mehrfach dazu, die Polizei zu informieren. „Wir brauchen Vorkommnisberichte“, betonte Weckbach. Er selbst hat an der Bergstraße bereits die Situation beobachtet und Kennzeichen der Raser und Lärmmacher an die Polizei weitergeleitet. Laut Hauptamtsleiter Stefan Burger seien bei ihm nach dem vergangenen Wochenende fünf Beschwerden eingegangen. Auch er sagte: „Wir brauchen die Meldungen von überall.“ Nur dann werde deutlich, dass es im ganzen Ort ein Problem sei.

Über dem Neubaugebiet Haiden stehen und hängen an der Bergstraße diese Schilder.
Über dem Neubaugebiet Haiden stehen und hängen an der Bergstraße diese Schilder. | Bild: Löffler, Ramona

Mögliche Lösung und Haken

Weckbach erklärte, dass er sich bereits an die Verkehrspolizei gewendet habe, aber es gebe dort aus verschiedenen Grünen keine Fahrverbote für Motorräder. Eine Erweiterung des Kurortegesetzes in Bezug auf Umwelteinwirkungen wie Lärm könnte zwar helfen, da nun auch Erholungsorte wie Ludwigshafen aufgenommen seien, aber dazu müsste erst das geplante Hotel beim Neubaugebiet Haiden gebaut werden, so Weckbach.

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Außerdem sei ein Haken, dass es sich bei der Bergstraße um eine Kreisstraße handle, so dass die Gemeinde nicht einfach den Verkehr regeln könne. Die einzige andere Option sei derzeit die konstante Rückmeldung an die Polizei, um die Lärmbelastung sichtbar zu machen. Ein Problem sei jedoch, dass die Motorradfahrer nach Polizeikontrollen zwar weg, „aber eine halbe Stunde später wieder da“, so Weckbach.

Weckbach vermutet Rennen

Petra Haberstroh (Freie Wähler) sagte, sie sei bereits von Anwohnern der Warthstraße auf den Motorradlärm angesprochen worden, der über den Ort dröhne. Hätte Bretzke das Thema nicht aufgebracht, so hätte sie es getan. Ihre Idee: Eine Dezibelmessung. Weckbach und Hauptamtsleiter Stefan Burger konnten ihr jedoch keine Hoffnung machen, dass entsprechende Werte Konsequenzen anstoßen könnten. Weckbach erinnerte daran, dass die Gemeinde sogar der Initiative gegen Motorradlärm angehöre. Er sah auch in einer Tempobeschränkung keine Lösung. „Die fahren Rennen hoch und runter. Sie bremsen in den Kurven und beschleunigen dann wieder.“ Er sprach von einem Motorradrennen-Tourismus. Derzeit blieben wegen den Grenzsperrungen lediglich die Schweizer aus.

Aussicht vom Rastplatz an der Bergstraße auf Ludwigshafen. Das Knattern der Motorrädern dröhnt hier über den ganzen Ort.
Aussicht vom Rastplatz an der Bergstraße auf Ludwigshafen. Das Knattern der Motorrädern dröhnt hier über den ganzen Ort. | Bild: Löffler, Ramona

Was die Polizei sagt

Wolfgang Widmann, der Leiter des Polizeireviers Stockach, sagte auf SÜDKURIER-Nachfrage, dass es in diesem Jahr bereits mehrere Kontrollen der Verkehrspolizei an der Bergstraße gegeben habe. Es seien dort aber bisher keine Rennen aufgefallen. Zuletzt seien dort Verstöße gegen das Kontaktverbot durch die Corona-Verordnung festgestellt worden. Das Lärmproblem kenne er auch aus anderen Orten. Mit einem Fahrverbot für Motorräder sei es aufgrund des Rechts auf Mobilität schwierig: „Aber unnötiges Hin- und Herfahren ist verboten.“

Wie Weckbach unterstreicht auch er, dass eine Straße nicht so einfach für Motorräder gesperrt werden könne: „Daran sind riesige Hürden geknüpft.“ Bei der Polizei gebe es eine Abteilung, die sich um Verkehrsstatistiken kümmere und für daraus resultierende Maßnahmen zuständig sei. Aus Sicht des Reviers Stockach sagt er: „Wir versuchen mit Kontrollen die Situation zu entschärfen.“ Diese Kontrollen beziehen sich auf technische Manipulationen an den Motorrädern. Sie seien aber nur ein Baustein.

Was die Gemeinde möchte und Unfallzahlen an der Bergstraße

  • Ziele für die Bergstraße: „Die Hürden für ein Motorradfahrverbot an Sonn- und Feiertagen, welches die Gemeinde anstrebt, sind sehr hoch“, sagte Bürgermeister Matthias Weckbach am Mittwoch auf SÜDKURIER-Nachfrage. „Die Motorräder sind in der deutlichen Überzahl, weshalb sich unsere Maßnahmen auf diese Gruppe konzentrieren.“ Geschwindigkeitsbegrenzungen seien wegen der kurvenreichen Strecke, auf der deshalb nicht so schnell gefahren werden könne, nicht zielführend und schlecht zu kontrollieren.
  • Unfallzahlen: Die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen hat von der Verkehrspolizei eine kurze Liste und Auswertung der Unfälle auf der Bergstraße (K 6174) zwischen der Einmündung in die B 31-alt und der Kreisgrenze für den zurückliegenden Drei-Jahreszeitraum erhalten. Es sind dort in den vergangenen drei Jahren 15 Unfälle geschehen. Sieben der 15 Unfälle waren Motorradunfälle. Bei drei der 15 Unfälle gab es Schwerverletzte, bei sieben Unfällen wurden Personen leicht verletzt.
  • Die Initiative gegen Motorradlärm: Diese ist im Juli 2019 mit 29 Mitgliedern entstanden. Bodman-Ludwigshafen war von Anfang an dabei und ist bisher die einzige Mitgliedsgemeinde im Landkreis Konstanz. Derzeit gehören 81 Städte, Gemeinden und Landkreise der Initiative gegen Motorradlärm an. Wie der Name sagt, ist ihr Ziel, den Motorradlärm spürbar zu reduzieren. Zum Forderungskatalog gehört unter anderem, dass die Genehmigungs- und Zulassungsregeln überarbeitet werden sollen. (löf)

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