Die Wandersaison hat noch gar nicht richtig begonnen und schon gab es einen Großeinsatz auf dem Bodanrück, um einen abgestürzten Mann zu retten. Was bedeutet dieser Vorfall in Hinblick auf die Sperrungen von Marienschlucht und Uferweg? Und wer trägt die Kosten für die Rettung abseits der Wege? Diese Fragen stehen am Tag nach dem Unfall im Mittelpunkt.

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Der Unfall sei in einem offenen Bereich geschehen, sagt der Allensbacher Feuerwehrkommandant Hans-Christoph Köhne auf SÜDKURIER-Nachfrage. Er selbst wisse nicht, wohin der 37-jährige Mann unterwegs gewesen sei. Die Polizei berichtete allerdings bereits am Sonntag, dass sein Ziel der Seeuferweg gewesen sei. Dieser ist zwischen Bodman und Wallhausen fast auf ganzer Strecke gesperrt und in manchen Teilen durch umgestürzte Bäume nicht begehbar.

Die Rettung des verunglückten Wanderers in unwegsamem Gelände läuft per Seil und Transportliege vom Hubschrauber aus.  Bild: Feuerwehr Allensbach
Die Rettung des verunglückten Wanderers in unwegsamem Gelände läuft per Seil und Transportliege vom Hubschrauber aus. Bild: Feuerwehr Allensbach | Bild: Feuerwehr Allensbach

Der Vorfall habe keine Auswirkungen auf die Marienschlucht, sagt der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich. Die Sperrungen "sind alle so, dass dort niemand aus Versehen hinläuft". In Baden-Württemberg gelte das allgemeine Waldbetretungsrecht. "Das heißt, dass man überall hingehen darf. Normalerweise läuft man als ungeübter Wanderer aber nur dort, wo es auch ausgewiesene Wege gibt." Matthias Weckbach, Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, ergänzt: "Der Bodanrück ist ein einzigartiger Naturraum, der sich nicht hermetisch absperren lässt."

Viele umgehen die Absperrungen

Die Sperrungen bei Schlucht und Uferweg sieht Stefan Friedrich als ausreichend an. Es gebe regelmäßige Kontrollen. Er appelliert an die Vernunft der Wanderer und Spaziergänger, weil dort im Wald auf dem Bodanrück immer wieder etwas passiere: "Bei unserer Absperrung steht Lebensgefahr. Und das nicht umsonst, wie man sieht." Es gebe neben der Marienschlucht noch mehr Schluchten und Tobel. "Das Gebiet ist schön, aber wo es keinen Wanderweg gibt, ist jedem abzuraten, dort zu laufen", sagt Friedrich.

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Auch Matthias Weckbach weiß aus Erfahrung: "Die bestehenden Absperrungen werden häufig umgangen – nicht selten sind Familien mit Kindern dort anzutreffen." Mangels attraktiver Wege und wegen der Sperrungen hätten sich Pfade entwickelt, die nicht ungefährlich seien. "Hinzu kommt ein Müllproblem. Wir Kommunen möchten daher die Wege zur und in der Schlucht wieder als sichere und attraktive Wegverbindungen öffnen, um den Besucher zu lenken, damit er nicht sich selbst gefährdet und das Wild seine Ruhezonen hat", sagt er.

Einsatz der Schweizer Luftrettung REGA in Bodman zur Rettung eines Wanderers. Der Mann war gestürzt, als er eine Abkürzung von der Höhe des Bodanrücks zum Seeufer nehmen wollte. Bild vom 24.3.2019
Einsatz der Schweizer Luftrettung REGA in Bodman zur Rettung eines Wanderers. Der Mann war gestürzt, als er eine Abkürzung von der Höhe des Bodanrücks zum Seeufer nehmen wollte. Bild vom 24.3.2019 | Bild: Freißmann, Stephan

Für Besucherlenkung und Ruhezonen für Tiere möchte Matthias Weckbach im Fachbehördengespräch werben, das in dieser Woche zur Marienschlucht und dem Uferweg ansteht. Stefan Friedrich antwortete auf Nachfrage, dass er glaube, dass der Unfall am Rande ein Thema sein werde. "Er zeigt, dass in dem Gebiet Menschen unterwegs sind, ob wir das wollen oder nicht. Wir bauen dort Wege, da der Nutzerdruck vorhanden ist und weil wir wollen, dass die Leute dort gefahrenlos unterwegs sein können."

Es seien zwar an einigen Stellen Eingriffe in die Natur notwendig, "die wir aber als geringen Eingriff in die Natur einschätzen", so Weckbach. Falls sich keine Einigung finden lasse, "sind wir mit unserem Latein am Ende – denn die polizeirechtliche Absperrung steht dem freien Betretungsrecht der Landschaft gegenüber".

Rettungseinsatz auf dem Bodanrück für einen abgestürzten Wanderer am 24.3.19. Bild: Feuerwehr Allensbach
Rettungseinsatz auf dem Bodanrück für einen abgestürzten Wanderer am 24.3.19. Bild: Feuerwehr Allensbach | Bild: Feuerwehr Allensbach

Die Höhenretter der Allensbacher Feuerwehr und ein Hubschrauber der Schweizer Rettungswacht waren am Sonntag im Einsatz. Die Feuerwehr Bodman-Ludwigshafen stand in Bereitschaft. Am Anfang sei nicht klar gewesen, auf welcher Gemarkung der Verunglückte war, erklärt Steffen Bretzke, Gesamtkommandant der Feuerwehr Bodman-Ludwigshafen. Es habe sich zwar schließlich als Gemarkung Bodman herausgestellt, aber "trotzdem war es genau richtig, dass Allensbach alarmiert wurde". Die Allensbacher seien von oben schneller und mit der Höhenrettung für ein solches Szenario spezialisiert. "Ich stand aber in Kontakt mit Kommandant Köhne und habe zu jeder Zeit unsere Unterstützung angeboten, falls sie Hilfe von unten benötigt hätten", sagt Bretzke. "Am Ende ist es wichtig, dass ein Patient schnelle und professionelle Hilfe bekommt und gerettet werden kann." Die Gemarkung sei da zweitrangig.

Von Seiten der Polizei sind die Ermittlungen übrigens abgeschlossen. Es sei nicht bekannt, wie der Gesundheitszustand des 37-Jährigen ist, sagt Polizeisprecher Markus Sauter auf Nachfrage.