Der Seehase ist das Symbol der Ludwigshafener Fasnacht. Von ihm leitet sich der Zunftname ab. Als der Narrenverein 1883 gegründet wurde, war von Seehasen noch keineswegs die Rede. Man nannte sich schlicht und einfach Narrenverein. Er bestand aus Elferrat, Narreneltern und Narrenpolizei. 1909 war auch von einem Narrenbaum die Rede. Die Fasnacht in Ludwigshafen hatte einen mehr karnevalistischen Einschlag. Narrenzünfte gab es damals nur wenige. Stockach war – wie heute – in Sachen Fasnacht das Maß aller Dinge. Närrische Veranstaltungen in Ludwigshafen wurden dennoch von Menschen aus der ganzen Umgebung besucht. Während der Kriegszeiten ruhten alle Aktivitäten des Narrenvereins und in den schweren Folgezeiten war man sogar wohltätig aktiv. Besonders bedürftige Krieger-Witwen und Familienangehörige wurden vom Verein unterstützt.

Als sich die Ludwigshafener Narren nach dem Zweiten Weltkrieg wieder formierten, wurde der Hase zur Symbolfigur. Die Idee zur Figur des Seehasen entstand beim Fasnachtsumzug 1957 in Überlingen, an dem die Ludwigshafener als Hasengruppe teilnahmen, wobei sie in einem Leiterwagen lebende, närrisch maskierte Stallhasen mitführten. Dieser Umzug wurde im Radio übertragen. Der Reporter begrüßte die Gruppe als „Seehasen“. Ob die Ludwigshafener tatsächlich unter diesem Motto unterwegs waren oder ob sich der Radiosprecher diesen Namen spontan ausgedacht hatte, lässt sich nicht mehr feststellen. Er fand aber so großen Anklang, dass sich 1958 die „Gliederung der Seehasen“ bildete mit dem Narrenruf „Has Has Narro“.

Der damalige Narrenpräsident Otmar Weiß ließ die ersten Hasenmasken von verschiedenen Schnitzern vorstellen und man entschied sich für die des Elzacher Bildhauers Tränkle, der den Auftrag erhielt, zunächst acht Masken anzufertigen. Am 27. Februar 1958, dem Schmotzige Dunschtig, wurde die Seehasen-Maske erstmals beim Umzug in Ludwigshafen präsentiert. Diese Gliederung mit ihrem braunen Franzen-Häs und der markanten Holzmaske gaben der Zunft ein neues Erscheinungsbild. Die Gliederung der Seehasen ist heute mit über 60 Maskenträgern die größte Ludwigshafener Fasnachtsgruppe. Sie wächst von Jahr zu Jahr, was die Zunft finanziell stark belastet, zumal zwischenzeitlich neben den Fischerinnen und Fischern eine weitere Fasnachtsfigur, der "Baum“ entstand, der die Verbindung der Seehasen mit See und Wald darstellt. Dank der guten Wirtschaftslage der Zunft war es bisher möglich, allen Wünschen gerecht zu werden. Bei allen Umzügen und Narrentreffen führen die Seehasen mit den Bäumen die Zunft an.

Am Samstag, 3. Februar, feiert die Gliederung der Seehasen ihren 60. Geburtstag. Man kommt um 19 Uhr im katholischen Gemeindezentrum zusammen. Nach einem Sektempfang steigt die Geburtstagsparty mit Alleinunterhalter Chris Metzger.

 

Hasenrat statt Elferrat

Da der Seehase zum Symbol der Ludwigshafener Fasnacht wurde, war der Elferrat, wie er sich immer noch nannte, nicht mehr zeitgemäß. Er bekam folgerichtig den Namen Hasenrat, der auch nicht mehr aus elf Mitgliedern bestand. Mit der Vergrößerung der Zunft ergab sich, dass der Hasenrat als solcher nicht mehr allein als Vorstand agieren konnte. Die Gliederungen hatten eine solche Größe erreicht, dass auch deren Vorsitzende und Stellvertreter in den Vorstand aufgenommen wurden. Damit wurde die Struktur aufgebrochen. Man bildete einen Vorstand mit einem Zunftmeister als Vorsitzendem. Der Hasenrat agiert heute als eigenständige Gliederung. (fws)