Der Unmut ist groß: Mit dem Internet von Netcom BW gebe es immer noch und immer wieder Probleme in Bodman, brachte Gemeinderat Klaus Gohl (Freie Wähler) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats auf. "Es gibt beim DSL massive Probleme, doch Beschwerden beim Provider laufen stets ins Leere", sagte er. Er scherzte, dass Gewerbebetriebe einen Anschluss bei Telekom sowie Netcom BW bräuchten, damit einer immer funktionsfähig sei.

Bürgermeister Matthias Weckbach ist das Problem bekannt und er erklärte dem Gremium, dass es bereits einige Schriftwechsel und Diskussionen gegeben habe. "Es ist wirklich nicht gut, wie es läuft." Details nannte er in der öffentlichen Sitzung aber nicht, sondern verschob dies auf den nichtöffentlichen Teil des Abends. Er sieht es als schwierig an, Bürger mit so einer Situation zum Wechsel anzuspornen. "Wir wollen den Wechsel, aber so wechselt keiner." Es sei auch schwierig, weil die Gemeinde nun im Feuer stehe. Netcom ist für die, die schnelles Internet wollen, eigentlich die einzige Möglichkeit. Denn dieser Anbieter treibt im Gegensatz zur Telekom den Ausbau von schnellem Internet voran oder kann jetzt schon hohe Bandbreiten bieten. Die Gemeinde kooperiert mit Netcom beim Ausbau. Die Telekom hat sich dagegen von einem Ausbau distanziert.

Doch nun häufen sich laut Berichten aus der Gemeinde die Probleme. Ein Problem am 11. September konnte Netcom-Pressesprecher Daniel Karrais auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigen. "Eine VDSL-Karte im Verteiler war kaputt und wir haben sie ausgetauscht. Die Karte hat sich permanent neu gestartet", erklärt er. "Seitdem ist unserer Kenntnis nach alles in Ordnung." Ihm sei kein übermäßiges Aufkommen an Beschwerden beim Kundendienst bekannt. Er vermutet, dass die Verärgerung im Ort vielleicht auf das Hitzeproblem im August zurückgeht. Damals gab es massive Ausfälle, die hitzebedingt waren. Netcom BW reagierte nach einer SÜDKURIER-Anfrage, indem Mitarbeiter im Verteilerkasten in der Straße "Im Weiler" eine bessere Kühlung installierten, denn in einem solchen Kasten können bei Sonneneinstrahlung bis zu 70 Grad Celsius entstehen. Der Verteiler hatte eine passive Kühlvorrichtung, bekam dann aber einen aktiven Lüfter. Das führte bedingt zu Verbesserungen. Doch, wie Gohl im Gemeinderat darstellte, kämen laufend Ausfälle vor.

Karrais erklärte, Netcom nehme die Beschwerden und Nachfragen der Kunden sehr ernst. "Bei Erstmeldungen von Störungen können leider nicht sofort Ursachen für das Problem genannt werden, da diese zuerst ermittelt werden müssen", sagt er. Deshalb könne auch zunächst keine Angabe zur Behebung gemacht werden. Er versichert: "Wir arbeiten stetig an der Verbesserung des Informationsflusses in Richtung der Kunden." Er erklärte zudem zur Hotline, dass alle Anrufer zunächst im kaufmännischen Bereich landen. Dort kenne sich nicht jeder Mitarbeiter aus und manche Anrufer ließen sich nicht zur Abteilung Technik weiterverbinden. "Wir können Fehler nur beheben, wenn sie gemeldet werden", sagt er. Es geht nun von Seiten der Netcom so weiter, dass über den Winter der Technikstandort Weiler nochmal überprüft werden solle. Möglicherweise sei ein Austausch des Verteilerkastens nötig. "Wir suchen derzeit nach einer nachhaltigen Lösung des Problems und stehen dazu auch im Austausch mit der Gemeinde um alle Optionen zu prüfen", erklärte er.

Geschichte der Erschließung in Bodman

  • Gemeinde und Netcom: Im Jahr 2015 ging der erste Dslam von Netcom BW in Bodman im Bereich der Weilerkapelle in Betrieb. Die Abkürzung Dslam steht für Digital Subscriber Line Access Multiplexer und ist ein Verteilerschrank für schnelles Internet. Ein zweiter Dslam steht neu seit diesem Jahr bei der Metzgerei, um auch im hinteren Bereich von Bodman bessere Bandbreiten zu ermöglichen. Momentan gibt es einen Nachlass über die Gemeinde bei den Kosten für den Hausanschluss, doch aufgrund der jüngsten und wiederkehrenden Internetprobleme im Ort ist der Unmut laut Gemeinderat Klaus Gohl groß.
  • Glasfaser: In Teilbereichen von Bodman liegen bereits Glasfaserkabel, doch zwischen dieser Leitung und den einzelnen Häusern sind noch Kupferkabel. Die jeweils verfügbare Internetgeschwindigkeit bei einem Anschluss hänge einerseits von der Art und dem Zustand der Kabel im Boden ab und andererseits von der Entfernung des Hauses zum Dslam, erläuterten Vertreter von Netcom bei einer Infoveranstaltung im April im Seeum.
  • Kaiserpfalzstraße: Im Rahmen der Sanierung der Kaiserpfalzstraße werden die Voraussetzungen für schnelles Internet geschaffen. Die Glasfaser-Erschließung orientiert sich an den vier Bauabschnitten der Sanierung, die über die kommenden Jahre läuft. Dort, wo Bauarbeiten stattfinden, werden Leerrohre für Glasfaser verlegt. Wann genau später Glasfaser eingeblasen wird, ist noch nicht klar. (löf)