Die Sperrung des Spielplatzes im Gröblen nimmt unerwartete Ausmaße an. Pilzbewuchs, heißt es ganz simpel auf dem Schild an den Absperrzäunen. Inzwischen ist klar: Es sind hochgiftige und somit gefährliche Pilzarten dabei.

Der Gemeinderat sollte in seiner jüngsten Sitzung über das Schicksal des Spielplatzes entscheiden, von dem eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Dies artete in eine Art Streit aus und kochte immer wieder hoch.

Anwohner und Eltern melden sich zu Wort

Das Thema stand zwar auf der Tagesordnung, doch mehrere Eltern sprachen es bereits in der Frageviertelstunde an. Sie wollten wissen, wann der Spielplatz wieder aufgemacht wird.

Aber Bürgermeister Matthias Weckbach strebte eigentlich an, den Platz aufgrund der problematischen Situation und den Kosten aufzulösen. „Wir haben acht unterschiedliche Pilzarten gefunden. Manche davon sind hochgiftig“, erklärte er.

Pilze wegbekommem kaum möglich

Das Problem sei, dass der Platz das ganze Jahr über sehr schattig sei. Dies lasse sich auch nicht ändern. Man müsste den Boden wegbaggern und die Baggerschaufel desinfizieren. Denn nur eine einzige Spore reiche – und die Pilze kämen direkt wieder. Das sei für Kinder extrem gefährlich. Deshalb war sein Vorschlag, den Spielplatz aufzulösen und dort ein Baugrundstück zu schaffen.

So sieht der gesperrte Spielplatz durch den Bauzaun durchfotografiert aus. Es gibt verschiedenen Spielgeräte und eine Bank. Links neben dem Foto sind große Garagen, die gemeinsam mit den Bäumen viel Schatten geben – weshalb sich Pilze gut entwickeln können.
So sieht der gesperrte Spielplatz durch den Bauzaun durchfotografiert aus. Es gibt verschiedenen Spielgeräte und eine Bank. Links neben dem Foto sind große Garagen, die gemeinsam mit den Bäumen viel Schatten geben – weshalb sich Pilze gut entwickeln können. | Bild: Löffler, Ramona

Eine Ludwigshafenerin zählte auf, dass es in der nächsten Umgebung 27 Kinder zwischen null und sieben Jahren gebe. Auch viele andere aus dem Ort würden den Spielplatz nutzen.

Kritik in Richtung Gemeinde

Eine andere Mutter schlug vor, die Bäume zu kürzen. Weckbach erwiderte jedoch, dass der Schatten dann im Sommer fehlen würde. Die Mutter erkundigte sich, was mit den direkt angrenzenden Grundstücken sei. Weckbach räumte ein, dass Sporen ausfliegen können: „Deshalb haben wir den Spielplatz geschlossen.“ Eine dritte Frau ergänzte, dass es fahrlässig sei, die Anwohner nicht zu informieren.

Räte anderer Meinung als Bürgermeister

In der späteren Debatte mit den Gemeinderäten wiederholte Weckbach das Bestreben, den Spielplatz aufzulösen, stieß aber auf Widerstand. Christoph Leiz (Grüne) sprach sich sofort dagegen aus: „Wir sollten den Boden austauschen. Der Spielplatz muss erhalten werden.“

Christian Pichler (CDU) wies darauf hin, dass dies einer der wenigen Spielplätze mit natürlicher Beschattung sei. Die Schulwiese sei zwischen 8 und 17 Uhr keine Alternative. Der Platz im Gröblen müsse richtig auf Vordermann gebracht werden, so Pichler: „Wir wollen doch junge Familien anlocken.“ Claudia Brackmeyer (SPD) sagte ebenfalls: „Wir brauchen den Spielplatz für die Kleinen.“

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Auch Weckbachs Argument, dass es ein Spielgelände im Neubaugebiet Haiden geben werde, konnte nicht Punkten. Er betonte auch, dass es im Gröblen mit Ausbaggern und neuer Erde nicht getan sei: „Der Gutachter sagt, wir kriegen die Pilze nicht weg.“

Mehrheit für Erhalt und Sanierung

Letztendlich sprach sich nur ein einziges Ratsmitglied für die Entfernung des Spielplatzes aus. Alle anderen stimmten dagegen. Deshalb bleibt er nun. Es ist aber noch nicht klar, wann und wie es weitergeht. Auch die Kosten sind unbekannt. Die Fläche bleibt nun weiter wegen der Gesundheitsgefahr gesperrt. Der Rat muss in einer der kommenden Sitzungen über das weitere Vorgehen entscheiden.

Experte hatte noch nie solchen Fund

Auf SÜDKURIER-Nachfrage zu den Pilzarten sagte Hauptamtsleiter Stefan Burger, der Sachverständige habe gesagt, „dass er eine solche Vielfalt noch nie auf einer so kleinen Fläche gesehen habe“. Die Gemeinde hatte die Funde zu dem Experten gebracht, da dieser nicht selbst kommen konnte.

Zwei Arten sind giftig und zwei andere giftverdächtig (siehe unten). Einer der Pilze kann sogar tödlich sein. Es handelt sich bei den Funden um den bleiweißen Firnis Trichterling (stark giftig), Risspilz (giftig bis tödlich), graublättriger Tintling (giftverdächtig), dunkler Düngerling (giftverdächtig), Täuschling (essbar), Faltentintling (essbar), Ritterling (essbar) und Weisssporer (ohne nähere Bestimmung).