Die Flachwasserzone am See-Ende des Überlinger Sees ist eine Art Kinderstube für Fische. Hier gibt es viel Fischlaich und -brut. Und diese große Kinderstube ist jetzt bedroht. Gefahr geht von dem Stichling aus, der bisher vor allem im Obersee in Massen auftrat und jetzt auch vermehrt am See-Ende festzustellen ist, insbesondere in der Flachwasserzone, wo sich ihm gute Verstecke bieten. Dort ernährt sich der nur zwischen acht und zehn Zentimeter große Fisch nicht nur von Insektenlarven und Würmern, sondern eben auch von Fischlaich und Fischbrut. In der Flachwasserzone sind nun auch die Nester des Stichlings auszumachen.

Das vermehrte Vorkommen des Stichlings am See-Ende ist auch für das Zurückgehen des Fischbesatzes und des Fangertrags mit verantwortlich, da der Stichling die Brut von Nutzfischen, insbesondere der Felchen, auffrisst. Fischökologen erforschen intensiv die möglichen Ursachen und Folgen für die überraschende Massenvermehrung des Stichlings.

Zu den natürlichen Feinden des Stichlings zählen Raubfische wie Hecht, Barsch, Zander, Wels, aber auch Vögel wie Graureiher und Kormoran. Doch zu den Lieblingsspeisen der Raubfische gehört der Stichling nicht. Mit seinen vergrämenden Stacheln kann sich der Fisch vor dem Angriff größerer Fische in gewissem Umfang schützen, da die abgespreizten Stacheln beim Zubeißen den Kiefer des Fressfeindes verletzen. Der Einfluss dieser Gegenspieler ist derzeit offensichtlich nicht so groß, um den Vormarsch der Stichlinge bremsen zu können.

Suche nach Gründen

Die Fischereiforschungsstelle in Langenargen geht derzeit der Frage nach, warum sich die Stichlinge so massiv im See entwickelt haben. Auch wollen die Experten ergründen. warum diese Art nicht mehr nur den Uferbereich besiedelt, sondern auch das Freiwasser erobert hat. Möglicherweise kann der kleine Fisch dort eine freiwerdende Nische besetzen, weil Nahrungskonkurrenten wie die Felchen seltener werden. Womöglich haben sich auch Laichmöglichkeiten im Bereich der Halde, dem steil abfallenden Uferteil, für den Stichling verbessert, denn dort sind weniger Raubfische, aber auch fischfressende Vögel unterwegs, wird vermutet. Also nur eine Vermutung. ( fws)