Der See liegt nahe. Was liegt da näher, als sich im See taufen zu lassen? Diese Frage stellten sich Martina Stockburger, Pfarrerin der Kirchengemeinde Steißlingen-Langenstein, ihr Mann Rainer Stockburger, Pfarrer in Stockach, sowie Ulrich Aeschbach, Gemeindediakon in Stockach und zuständig für die Erwachsenenbildung im Bezirk Überlingen-Stockach, und Pfarrer Matthias Sehmsdorf aus Ludwigshafen. Zur Idee, einen regionalen Gottesdienst zu feiern, kam der Gedanke, gemeinsam an Pfingsten zu taufen. Stockburgers hätten die Taufe am See angeregt, so Pfarrer Sehmsdorf. Sie wollten die regionalen Gottesdienste fortführen, sagten Martina und Rainer Stockburger nach der Feier. Das gebe den Menschen die Möglichkeit, auch andere Gemeinden und deren Mitglieder kennenzulernen. "Wir müssen aufhören, klein zu denken. Wir sind nicht nur Gemeinden, wir sind eine Kirche", betonte Rainer Stockburger.

Im Schlösslepark wurden 20 Menschen – Babys, Kinder und Erwachsene, Deutsche und Flüchtlinge aus dem Iran und Irak – getauft. Die Pfarrer leiteten die Taufzeremonie mit der Geschichte von Philippus, einem Prediger in Jerusalem, ein. Dieser habe Jesus Botschaft verkündet und einem reichen Äthiopier, der nach Jerusalem kam, um zur Gemeinschaft der Christen zu gehören, geholfen. Der Äthiopier war aufgrund seiner Andersartigkeit abgewiesen worden, doch Philippus habe ihm seine Fragen beantwortet und ihn getauft. Martina Stockburger las die Sätze vor, ihr Mann zeigte Bilder dazu und ein junger Iraker übersetzte ins Persische. Viele Flüchtlinge hätten weite Wege zurückgelegt, um anzukommen. Hier sei alles anders als erwartet. Da sei es gut, wenn ihnen jemand zeige, wo es lang gehe. Die Taufe mache deutlich: "Ich bin ein von Gott geliebter Mensch", sagte Rainer Stockburger.

Die Idee zur gemeinsamen Taufe im Bodensee fanden alle Tauffamilien sehr schön. Nathalie Winter aus Orsingen erzählte, Pfarrerin Stockburger habe sie eingeladen und in einem persönlichen Gespräch alles erklärt. "Die Taufe war ganz anders als sonst, sehr feierlich. So etwas erlebt man wohl nie wieder." Auch der junge Vater Stefan Wiesemann kannte die Taufzeremonie so nicht. Die Feier habe ihm sehr gefallen. Dem schloss sich die Oma an, deren Konfirmationsspruch auch der Tauf- und Konfirmationsspruch der Tochter und nun ebenfalls der der kleinen Amberly ist.

Nathalie Winter und Stefan Wiesemann (ganz links) aus Orsingen ließen ihre sechs Monate alte Tochter Amberly von Pfarrerin Martina Stockburger taufen. Mit im Wasser waren die Paten Marco Winter (Zweiter von links) und Heiko Reinert (rechts). Bild: Claudia Ladwig
Nathalie Winter und Stefan Wiesemann (ganz links) aus Orsingen ließen ihre sechs Monate alte Tochter Amberly von Pfarrerin Martina Stockburger taufen. Mit im Wasser waren die Paten Marco Winter (Zweiter von links) und Heiko Reinert (rechts). Bild: Claudia Ladwig

Nadja Lebus und Björn Hiller hatten ihren ersten Sohn im Garten der Kirche taufen lassen. Die Seetaufe ihres halbjährigen Sohnes Lukas Maxim fanden sie noch schöner. "Pfarrer Sehmsdorf war mein Konfirmations-Pfarrer. Jetzt hat er unseren zweiten Sohn getauft", freute sich die Mutter. Auch Hubert Wetzel, der Opa des kleinen Theo, war beeindruckt. "Das erinnert total an die Taufe von Jesus im Jordan. Es war sehr ergreifend."

Einer der beiden Übersetzer erklärte, die Flüchtlinge seien wie er früher Moslems gewesen, hätten jedoch alles hinter sich gelassen und viel in der Bibel gelesen. Sie glaubten an Jesus und Gott und hätten daher beschlossen, gemeinsam mit anderen Landsleuten das Sakrament der Taufe zu empfangen. Zwei von ihnen waren Nahid Molaei und ihr Mann Iman Mahamoudian. Es habe ihnen gut gefallen, sagten sie. Und wie war es für die Pfarrer? Rainer Stockburger verriet: "Ich habe so eine Taufe noch nie gemacht. Es war spannend, wie es sich anfühlt, eine Viertelstunde lang im frischen Wasser zu stehen." Er habe die Symbolik noch viel stärker empfunden als bei einer Taufe in der Kirche. "Die Verbindung von Natur, Gottesdienst und dem Wissen, dass wir ein Teil der Schöpfung sind, geht hier auf wunderbare Weise zusammen."

 

Pfingsten

Pfingsten ist das dritte große Fest im christlichen Kirchenjahr. Der Name leitet sich vom griechischen "Pentekoste" ab, was "der 50. Tag" bedeutet. Denn gefeiert wird das Fest 50 Tage nach Ostern, der Wiederauferstehung Jesu. Seine Ursprünge hat Pfingsten im jüdischen Erntefest Schawuot. Zu diesem hatten sich laut biblischer Apostelgeschichte die Jünger Jesu in Jerusalem versammelt, als das Pfingstwunder geschah: Die Jünger waren plötzlich in der Lage, andere Sprachen zu sprechen und zu verstehen. Laut biblischer Überlieferung hatte dies der Heilige Geist in ihnen bewirkt. Ein bekanntes Symbol für Pfingsten ist die weiße Taube, die ihn darstellen soll. (wig)