Alles läuft wie am Schnürchen: Die Lastwagen und Straßenbaumaschinen fahren im Akkord auf der 3,4 Kilometer langen Sanierungsbaustelle zwischen Ludwigshafen und Sipplingen. Mehr als 13 000 Tonnen Asphalt der Bundesstraße 31-alt sind bereits Geschichte. Die Fräse füllt einen Laster innerhalb von fünf Minuten mit Fräsgut. Er fährt ab, der nächste kommt, und weiter geht es. Morgens um 6.30 Uhr lassen die Arbeiter die Maschinen warmlaufen und sind bis Sonnenuntergang unterwegs. "Das sind jeweils elf bis zwölf Stunden von Montag bis Samstag", sagt Axel Jeske, Polier bei der Baufirma Storz.

Eine Fräse entfernt den alten Belag von der B31-alt. Ein Laster fährt vor ihr her und nimmt das Fräsgut auf. Dieser ist innerhalb von fünf Minuten voll und ein anderer Lastwagen übernimmt.
Eine Fräse entfernt den alten Belag von der B31-alt. Ein Laster fährt vor ihr her und nimmt das Fräsgut auf. Dieser ist innerhalb von fünf Minuten voll und ein anderer Lastwagen übernimmt. | Bild: Löffler, Ramona

Auf der Strecke muss unterschiedlich viel abgefräst werden. Außerdem hatte der alte Asphalt verschiedene Höhen. In Sipplingen waren es zum Beispiel nur 22 Zentimeter, während im Bereich des Parkplatzes zwischen den beiden Orten rund 50 Zentimeter lagen, erklärt Michael Kindler vom Landratsamt Bodenseekreis. Das dortige Landratsamt und das Regierungspräsidium Tübingen kümmern sich um die kreisübergreifende Baumaßnahme. "Wir haben im Vorfeld Bohrkerne entnommen, um beurteilen zu können, was saniert werden muss und was erhalten werden kann."

Einer Fräse entfernt den alten Belag von der B31-alt zwischen Sipplingen und Ludwigshafen. Ein Laster fährt vor ihr her und nimmt das Fräsgut auf. Er ist innerhalb von fünf Minuten voll. Bild: Ramona Löffler
Einer Fräse entfernt den alten Belag von der B31-alt zwischen Sipplingen und Ludwigshafen. Ein Laster fährt vor ihr her und nimmt das Fräsgut auf. Er ist innerhalb von fünf Minuten voll. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Das Fräsgut ist übrigens kein Abfall. Die Laster bringen es in die Asphaltmischanlagen nach Steißlingen und Welschingen, wo es dem neuen Asphalt zu einem gewissen Prozentsatz wieder beigemischt werde, erklären Kindler und Jeske. Es seien rund 25 Lastwagen ständig im Umlauf. Das bedeute zum Beispiel 865 Fahrten bei zehn Tonnen. Außerdem sind Tankfahrzeuge unterwegs, die zehntausende Liter Wasser für die Kühlung der Fräse bringen und sie mehrfach täglich auftanken.

Der Aufsatz der Maschine glättet den Untergrund als Vorbereitung auf den neuen Asphalt. Hier in Sipplingen beginnen schon solche Vorarbeiten, während auf freier Strecke der B31-alt zwischen Sipplingen und Ludwigshafen noch der alte Asphalt abgefräst wird. Bild: Ramona Löffler
Der Aufsatz der Maschine glättet den Untergrund als Vorbereitung auf den neuen Asphalt. Hier in Sipplingen beginnen schon solche Vorarbeiten, während auf freier Strecke der B31-alt zwischen Sipplingen und Ludwigshafen noch der alte Asphalt abgefräst wird. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Auf der gesamten Sanierungsstrecke vom Bahnhof Sipplingen bis zum Ortseingang Ludwigshafen laufen parallel verschiedene Arbeiten. In Sipplingen ist bereits der gesamte Alt-Asphalt weg und die Verlegung neuer Bordsteine und Rinnenplatten, sowie die Verbesserung an der Straßenentwässerung und Kontrollen der Ablaufschächte laufen. Die Rinnenplatten zu verlegen, sei Handarbeit, sagt Andreas Pehlke vom Landratsamt. Diese werden laut Kindler auf drei Kilometern Länge erneuert.

Überall auf der Sanierungsstrecke laufen parallel Arbeiten. Hier spricht Polier Axel Jeske von der Firma Storz die Arbeiten an einer Kreuzung in Sipplingen durch, wo die Entwässung der Straße verbessert wird.
Überall auf der Sanierungsstrecke laufen parallel Arbeiten. Hier spricht Polier Axel Jeske von der Firma Storz die Arbeiten an einer Kreuzung in Sipplingen durch, wo die Entwässung der Straße verbessert wird. | Bild: Löffler, Ramona

Wie tief der Alt-Asphalt auf der Strecke zwischen Sipplingen und Ludwigshafen erneuert werden muss, ist unterschiedlich. Das orientiere sich am Ergebnis der Sondierungen, so Kindler. Es stehen auch Ausbesserungen von Schadstellen in der Tragschicht an. In Sipplingen ist es nötig, die Kiesschicht unter den drei Asphaltschichten (Trage-, Binde- und Deckschicht) auf Niveau zu bringen. Die Fräsarbeiten sollen im Laufe dieser Woche fertig werden. Dann folgen Vorarbeiten für die Neu-Asphaltierung.

Ärger über rücksichtslose Fahrer

Obwohl alles gut läuft, gibt es aber auch ein großes Ärgernis: Zahlreiche Verkehrsteilnehmer ignorieren die Umleitungsschilder, die auf die B31-neu verweisen, und schauen, ob sie nicht doch irgendwie von Ludwigshafen nach Sipplingen fahren können. Oder umgekehrt. "Vielen Leuten fehlt die Einsicht, dass die Durchfahrt nicht geht", sagt Pehlke. Immer wieder stehen Autos vor der Absperrung in Ludwigshafen, fragen nach dem Weg und wenden. Bei Lastern und Transportern ist das schwieriger. Diese müssen dazu meist rückwärts eine Seitenstraße, Parkplätze oder Einfahrten nutzen. Das behindert teilweise den Baustellenverkehr, in dem laufend Lastwagen das Fräsgut abtransportieren. Polier Axel Jeske verweist in diesem Zusammenhang auf den Bahnunfall am Montag in Sipplingen. Dort fuhr ein Fahrer mit seinem Lastwagen vor der Baustelle über den Bahnübergang, weil er nicht weiterfahren konnte. 15 Personen wurden dabei verletzt. In diesem Moment senkte sich die Schranke und es gab einen Zusammenstoß mit einem Zug. "Da sieht man, was passieren kann", sagt Jeske. Er vermutet unter anderem, dass manche Lastwagenfahrer zu sehr dem Navi vertrauen, Maut vermeiden wollen und so vom Gerät zur Baustelle geschickt werden.

Der Wendeverkehr war am Dienstagabend auch Thema in der Einwohnerversammlung in Ludwigshafen. Anwohner Werner Stegen erzählte, dass er innerhalb einer halben Stunde an die 100 Lastwagen gezählt habe, die unnötig herangefahren seien und dann drehen mussten. Auf Stegens Frage, ob an der Verkehrsführung etwas gemacht werden könne, sagte Bürgermeister Matthias Weckbach, es sei ein Zeichen der Gesellschaft, dass Verkehrsteilnehmer auf sich fokussiert seien und es dennoch versuchen. Das sehe die Gemeinde auch bei Wanderern an den Absperrungen rund um die Marienschlucht.

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Wenn alles nach Plan läuft, ist die Sanierung am 2. November fertig. "Der Asphalteinbau beginnt am 30. Oktober", sagt Jeske. Auch dann werden Lastwagen im Akkord fahren, wenn sie das rund 160 Grad heiße Material anliefern. Wegen Ausbesserungen und Anpassungen wird die Baufirma rund ein Tonne mehr neuen Asphalt verbauen, als sie momentan abfräst. Die Arbeiten werden in Sipplingen beginnen und Richtung Ludwigshafen laufen, da das Material aus dieser Richtung angeliefert wird.

Der Radweg ist momentan normal nutzbar. Doch gegen Ende der Bauarbeiten, werde er gesperrt, um dort noch etwa 15 Schadstellen auszubessern, erklärt Kindler. Die Radfahrer sollen in dieser Zeit über die dann bereits fertige, aber noch nicht freigegebene Fahrbahn umgeleitet werden.