Was die Menschen an einem Haufen rollenden Blechs so toll finden, wird Mimi, charmante, dreijährige Mopsdame, nie verstehen. Autos riechen für sie nicht interessant. Man kann nicht mit ihnen spielen und essen kann man sie auch nicht. Aber ihre Eltern, das Ehepaar Blatter, kommen, seitdem Mimi auf der Welt ist, regelmäßig von Laufenburg mit ihr hierher gefahren. Also muss ja irgendetwas Gutes daran sein, abgesehen von den Kanonenschüssen und dem Feuerwerk, vor dem sich Mimi fürchtet.

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Mimis Leute sind immer sehr glücklich und fröhlich, wenn Sie hier sind. Schätzungen zufolge sollen es mehr als 3000 Menschen gewesen sein, die am Wochenende über die Uferanlagen in Ludwigshafen flanierten. Einige von diesen Leuten hat Mimi schon mal beschnuppert. Die waren nämlich auf solch anderen Blechlawinen–Treffen schon öfters dabei und so langsam kennt man sich. Viele Leute sind für Mimi neu. Aber wenn die mit ihr spielen, während sie den hell-türkis-farbenen T1 VW-Bus mitsamt dazugehörigem Hänger (Gespann von 1966) bewundern, dann ist das in Ordnung.

800 alte Autos gibt es zu sehen

Das Häfler Seefest, organisiert vom Motorsportclub MSC Sernatingen Oldtimerfreunde, fand in diesem Jahr zum 31. Mal statt und sei ein voller Erfolg, meinte der Vorsitzende Dieter Jänicke begeistert. Mindestens 800 alte Autos mit Nostalgie-Faktor rollten zu dem überaus beliebten Treffen. Davon waren circa 150 sogenannte Youngtimer, also sozusagen junge Oldtimer; die anderen waren Oldtimer, die jüngsten aus dem Baujahr 1978.

Egon Osswald ist mit seinem Rally von 1930 aus Kolbringen gekommen. In Deutschland gibt es nur zehn Exemplare dieses Autos.
Egon Osswald ist mit seinem Rally von 1930 aus Kolbringen gekommen. In Deutschland gibt es nur zehn Exemplare dieses Autos. | Bild: Constanze Wyneken

Dieter Jänicke bedauert, dass immer weniger Zweiräder zum Treffen kommen, kann sich diese Entwicklung aber auch nicht so recht erklären. „Vielleicht fühlen sich die Zweiradfahrer benachteiligt, weil sich ihr Areal an nicht so prominenter Stelle auf dem Gelände befindet“, überlegte Jänicke, betonte aber gleichzeitig, dass die Zweiräder natürlich ebenso gern gesehen seien wie die Autos.

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Jänicke freute sich über die harmonische Atmosphäre, die auf dem Gelände herrschte, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass am Anreisetag die Autos – wohl wetterbedingt – gemütlich nacheinander eintrafen, so dass die Einweisung zu den Stellplätzen ganz entspannt stattfinden konnte.

Traumkarossen vor Traumkulisse: Beim Seefest bieten sowohl Oldtimer als auch der See schöne Anblicke.
Traumkarossen vor Traumkulisse: Beim Seefest bieten sowohl Oldtimer als auch der See schöne Anblicke. | Bild: Constanze Wyneken

Die Besucher und auch die Teilnehmer waren begeistert und angetan. Einige störten sich daran, dass sowohl Verein als auch Gemeinde es nicht (mehr) so gerne sehen, dass Teilnehmer auf dem Gelände übernachten, zum Beispiel im Wohnwagen oder Zelt. Hiermit soll, so Dieter Jänicke, eine Zeltplatzatmosphäre vermieden werden.

Bernd Wölfle (l.) und Martin Uhl haben es sich, verkleidet als Chauffeur und Gangster, vor ihrem Citroen 11CV gemütlich gemacht.
Bernd Wölfle (l.) und Martin Uhl haben es sich, verkleidet als Chauffeur und Gangster, vor ihrem Citroen 11CV gemütlich gemacht. | Bild: Constanze Wyneken

Für das nächste Jahr gibt es die Idee, die Besucher weinter ins Geschehen mit einzubeziehen, indem man sie das schönste, verrückteste oder skurrilste Fahrzeug prämieren lässt.

Aus allen möglichen Himmelsrichtungen kamen die Teilnehmer angereist: Diejenigen mit der weitesten Anreise dürften aber die zehn Teilnehmer von den Shetland-Inseln gewesen sein, die den sehr weiten Weg mit 1200 Kilometer reiner Fahrtstrecke plus zwei Fährüberfahrten à 12 Stunden auf sich genommen hatten, um beim diesjährigen Oldtimertreffen dabei zu sein. „It‘s a well worth journey, but a long way to go“ (“Das Treffen ist die Reise echt wert, allerdings ist es ein weiter Weg“), strahlte Brian Gifford, einer der Shetlander.

Von Motoguzzi bis Käfer

Ob er nächstes Jahr wiederkomme? Das müsse sein Boss entscheiden, grinste er – und meinte damit seine Frau. Die Shetlander sind immerhin 14 Tage in Deutschland und reisen vom Bodensee zu verschiedenen Motorsport-Museen, beispielsweise nach Dornbirn zu Rolls Royce oder ins Museum nach Sinsheim, bevor sie die weite Heimreise wieder antreten.

Die bunte Vielfalt an Autos, die an diesem Oldtimerwochenende auf dem Gelände heranrollte, war erstaunlich. Von Motoguzzi und Vespa über Isetta, Käfer, Ente und Fiat bis Horch, Citroen, Porsche, Rolls Royce, Hanomag und Land Rov – die Automarken nahmen kein Ende und die Farben, der Chromglanz, blank gewienerten Lacke und liebevollen Details waren ein Augenschmaus.