Ein Großeinsatz am Sonntag in der gesperrten Marienschlucht hat die Frage aufgeworfen, ob die Absperrungen des lebensgefährlichen Bereichs ausreichen. Die Einsatzkräfte, die einen Toten aus einem schwer zugänglichen Teil geborgen haben, beobachteten, dass Wanderer hinter Zäunen oder Gittern unterwegs waren und sich damit Risiken aussetzen.

Gegen unvernünftige Wanderer lasse sich nichts machen

"Ja, es ist genug gesichert", sind sich Bürgermeister Matthias Weckbach von Bodman-Ludwigshafen und Bürgermeister Stefan Friedrich von Allensbach einig. "Wir können nicht den ganzen Bodanrück absperren", sagt Friedrich. Er zählt die Hindernisse auf, die zum Beispiel vom Zugang aus Richtung Langenrain überwunden werden müssen: "Der Wanderparkplatz ist mit einer Schranke geschlossen, dann folgt am Waldweg Flatterband.

Im Wald gibt es an zwei Stellen Bauzäune. Ein Stück weiter steht ein Metalltor mit großem Schild." Der Uferweg ist von Bodman und Wallhausen aus jeweils gesichert und am unteren Eingang zur Schlucht ist ein hoher Metallzaun mit Tor. Mehr sei nicht möglich, sagen die Bürgermeister. "Wir können niemanden aufhalten, der sich darüber hinweg setzt", so Weckbach. "Der Naturraum lässt sich nicht hermetisch abriegeln." Gegen unvernünftige Wanderer lasse sich nichts machen. Er sieht es als schwierig an, dass sich erst viele beschwerten, dass nicht genug zugänglich sei und sich dies dann ins Gegenteil verkehre, wenn etwas passiere. 

Alfred Reichle (rechts) und Daniel Späth müssen auf dem Weg zum Seeufer unterhalb des Burghofs bei Wallhausen Hindernisse überwinden. Bild: Nikolaj Schutzbach
Alfred Reichle (rechts) und Daniel Späth müssen auf dem Weg zum Seeufer unterhalb des Burghofs bei Wallhausen Hindernisse überwinden. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zur derzeitigen Situation und dem Fund eines Toten sagt Friedrich: "Die Marienschlucht ist absolut gefährlich, egal wie die Person ums Leben gekommen ist." In der vergangenen Woche habe es viel geregnet und es könne jederzeit irgendwie Erde abrutschen. Er sehe deutlich, dass die Menschen am Ufer oder in der Schlucht wandern wollen. Deshalb müsse es baldmöglichst wieder verkehrssichere Wege geben. "Das ist das Ziel. Daran arbeiten wir", erklärt der Allensbacher Bürgermeister. "Jetzt noch mehr, weil wir die Notwendigkeit sehen." Wenn Einsätze wie am Wochenende nötig sind, sehen Friedrich und Weckbach auch große Risiken für die Retter, die sich selbst in Gefahr bringen müssen. Es würde auch lange dauern, bis sie vor Ort wären.

"Eine sichere Wegführung muss her"

Die Gemeinden Allensbach, Bodman-Ludwigshafen und Konstanz arbeiten bereits seit zwei Jahren gemeinsam mit den zuständigen Behörden an Möglichkeiten, Wege wieder verkehrssicher begehbar zu machen. Es gibt allerdings Hindernisse wie Vorgaben beim Naturschutz oder besonders gefährliche Bereiche. Die drei Gemeinden investieren jeweils 20.000 Euro für den Planungsaufwand. Eine Frage sei zum Beispiel, wie ein Weg sicher am Mondfelsen vorbeigeführt werden könnte. "Eine sichere Wegführung muss her", sagt Weckbach.

Derzeit laufen verschiedene Untersuchungen, doch diese können zum Beispiel wegen der Brutzeit der geschützten Wanderfalken nicht alle abgeschlossen werden, bis im Juli eine gemeinsame Sitzung ansteht. Nach einem Termin mit Fachbehörden vor Kurzem blieben von drei möglichen Varianten für den Bereich Marienschlucht zwei übrig, erzählt Weckbach. Um diese und weitere Aspekte geht es am Mittwoch, 25. Juli, bei einer gemeinsamen Sitzung der beteiligten Gemeinden im Allensbacher Ortsteil Langenrain.

 

Verschiedene Varianten für die Marienschlucht 

Eine der Varianten sehe vor, dass die Marienschlucht wieder begehbar wird, aber Weckbach sieht das als zu gefährlich an. Er fände einen Weg außerhalb der Schlucht mit Blick auf diese gut. Es werde ein langwieriger Prozess, sagt sein Kollege Friedrich. "Aber es lohnt sich." Es gehe nicht darum, die 300 Meter Marienschlucht wieder zu öffnen, sondern ein durchdachtes Konzept mit sicheren Wegen für den Bodanrück zu erstellen. 

Solche Ausblicke auf den Überlinger See machen einen Teil des Reizes des Seeuferweges aus. Bild: Nikolaj Schutzbach
Solche Ausblicke auf den Überlinger See machen einen Teil des Reizes des Seeuferweges aus. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zwei Ortschaftsräte von Dettingen-Wallhausen, Alfred Reichle (SPD) und Daniel Späth (CDU), sehen in den Sperrungen im Bereich Uferweg zur Marienschlucht zwischen Wallhausen und Bodman als Ärgernis. "Die Menschen sind jeder für sich selbst verantwortlich", betont Reichle. Sie sprechen bewusst nur vom Uferweg, nicht von der Schlucht selbst. Bei einem Spaziergang fällt beiden unangenehm auf, dass beispielsweise der Trampelpfad vom Burghof über Wallhausen hinunter an den See langsam zuwächst. Ein Zeichen, dass die Zahl der Wanderer deutlich nachgelassen hat, die Wege nicht oder nur sehr wenig gepflegt, umgestürzte Bäume über den Wegen liegen und nicht entfernt werden.

Ist ein elektronisches Warnsystem die Lösung? 

Von der Gefahrenlage sieht Daniel Späth keinen Unterschied zur geöffneten Wutachschlucht. Denkbar wäre für ihn auch der Bau schützender Galerien. Er regt ergänzend an, ein elektronisches Warnsystem zu installieren, das frühzeitig Felsbewegungen erkennen könne. "Damit wäre man alle Probleme los", betont er. "Mit normalem Menschenverstand betrachtet handelt es sich um eine abstrakte Gefahr", sagt Alfred Reichle nachdrücklich. Regelmäßig unterwegs zwischen Bodman und Wallhausen sind auch zwei Joggerinnen. Die Begründung der einen für das Wandeln auf eigentlich verbotenen Pfaden: "Was soll man machen, wenn das Herz daran hängt." 

Die Positionsschilder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) werden nicht mehr gepflegt und sind daher in Notfällen nicht mehr zuverlässig. Bild: Nikolaj Schutzbach
Die Positionsschilder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) werden nicht mehr gepflegt und sind daher in Notfällen nicht mehr zuverlässig. | Bild: Nikolaj Schutzbach

"Das Aufräumen steht im Laufe des Sommers auf dem Plan", verspricht Revierförster Michael Flöß. Er bittet um Verständnis darum, dass nicht jedes Hindernis sofort beseitigt werden könne. Durch die vielen Sperrungen im Bereich Marienschlucht, stehe dieses Gebiet zudem nicht ganz oben auf der Liste der vielfältigen Aufgaben der Forstleute.

Flöß verweist auch darauf, dass jede Arbeit in einem solchen Gelände mit Gefahren verbunden sei. Es bestehe nach wie vor die Gefahr, dass Bäume umstürzen oder Rutschungen geschehen. Geologen hatten in einem Gutachten festgelegt, in welchen Teilen des Hanges die Gefahr von Abgängen besonders hoch ist. "Geologisch ist ja alles beim Alten geblieben", betont Flöß.

Förster verteidigt Sperrungen 

Der Revierförster verteidigt die Sperrungen. Verantwortliche hätten bei einem zweiten Unglück vor Gericht schlechte Karten, wie er sagt. Einfacher und sicherer wäre es, so seine Einschätzung, wenn es zwischen Steilhang und Ufer einen Auslaufbereich gebe. Dort könnte ein Hangrutsch zur Ruhe kommen, bevor er einen davor verlaufenden Weg erreicht und Menschen gefährdet.

Dass etliche der Wege mit Schildern und Zeichen als Wanderwege ausgewiesen sind – beispielsweise als Teil des Bodenseerundwanderwegs – begründet laut Wilfried Durejka vom Kreisforstamt in Radolfzell alleine noch keine besondere Verkehrssicherungspflicht. Denn diese Hinweise würden nur den Verlauf des Weges kennzeichnen – mehr nicht.

Anders sei dies, wenn atypische Gefahren auftreten. Dazu gehöre aber nicht, dass Bäume wegen ihrer schweren Kronen nach Regen umstürzen könnten. "Das ist das ganz normale Verhalten eines Baumes. Die Natur ist stärker als der Mensch", erklärt er. Anders sehe es aus, wenn ein Baum über einem Fahrweg liege. Da dies möglicherweise ein Radfahrer oder Autofahrer nicht rechtzeitig erkennen könne, müsste der Weg gesperrt werden, falls die Gefahr nicht sofort beseitigt werden könne. Zu den atypischen Gefahren gehörten auch Hangrutschungen, ergänzt er. "Aber wer den Wald betritt, tut dies auf eigene Gefahr", sagt Durejka.