Rund 80 Fallschirmspringer sind im Bodensee zwischen Bodman und Ludwigshafen gelandet. Unter den Blicken etlicher Zuschauer wurden sie anschließend von eigenen Kräften und mit der Unterstützung örtlicher DLRG-Mitglieder aus dem Wasser geborgen.

Wie Riesenpilze auf dem Wasser: Die Fallschirme fallen nach der Wasserlandung in sich zusammen. Bilder: Gerald Jarausch
Wie Riesenpilze auf dem Wasser: Die Fallschirme fallen nach der Wasserlandung in sich zusammen. | Bild: Jarausch, Gerald

Übungen dieser Art finden praktisch jedes Jahr statt. Diesmal durften sich die Fallschirmspringer über ideale äußere Bedingungen freuen. Wenig Wind, geringer Wellengang und angenehme Badetemperaturen machten aus der Übung ein Erlebnis für die Beteiligten und die Beobachter.

Viel Zeit hatten die Teilnehmer der Übung nicht. Denn die gesamte Übung wurde durch Löscheinsätze in Brandenburg beeinflusst. Der ursprünglich für drei Tage eingeplante Helikopter wurde dort eingesetzt. Die Übungszeit für die Wasserlandung reduzierte sich damit auf nur einen Tag.

So verlief die Übung am Bodensee 

Dank guter Organisation lief dann aber alles plangemäß ab. Gegen neun Uhr trafen die Fallschirmspringer aus drei verschiedenen Einheiten am Flugplatz in Stahringen ein.

Einweisung der Soldaten zu Beginn der Übung: Die Ausbilder zeigen noch einmal die wichtigsten Handgriffe.
Einweisung der Soldaten zu Beginn der Übung: Die Ausbilder zeigen noch einmal die wichtigsten Handgriffe. | Bild: Jarausch, Gerald

Unter ihrem jeweiligen Kommando betraten sie dann nach einer Einweisung und verschiedenen Vorbereitungen den Helikopter.

Soldaten auf dem Weg zum Hubschrauber. Bild:Gerald Jarausch
Soldaten auf dem Weg zum Hubschrauber. | Bild: Jarausch, Gerald

Nach dem Fallschirmspringergruß "Ein dreifach kräftig Glück ab" ging es dann los.

Einstieg der Springer in den Hubschrauber. Bild:Gerald Jarausch
Einstieg der Springer in den Hubschrauber. | Bild: Jarausch, Gerald

Im Inneren des Hubschraubers absolvieren die Soldaten und Spezialkräfte eine Routine. Der Fallschirm wird in eine Vorrichtung eingehakt.

Die Soldaten betreten den Hubschrauber. Bild:Gerald Jarausch
Die Soldaten betreten den Hubschrauber. | Bild: Jarausch, Gerald

Jeder der Fallschirmspringer springt auf ein entsprechendes Kommando aus der geöffneten Heckluke des Helikopters.

Viel Zeit bleibt den Fallschirmspringern dann nicht, denn die Abwurfhöhe beträgt gerade einmal 400 bis 500 Meter.

Nichts für Angsthasen: Absprung aus 450 Metern Höhe. Bild: Gerald Jarausch
Nichts für Angsthasen: Absprung aus 450 Metern Höhe. | Bild: Jarausch, Gerald

"Die absolute Mindesthöhe beträgt 100 Meter", erklärt Christoph Rebholz, Hauptmann der Reserve. Der Mann muss es wissen, schließlich trägt er ein goldenes Springerabzeichen auf der Brust, das ihn als Fallschirmspringer mit über 50 Sprüngen ausweist.

Christoph Rehbolz, Hauptmann der Reserve. Auf seiner Brust das goldene Abzeicher der Fallschirmspringer, dass ihm über 50 Absprünge nachweist. Bild:Gerald Jarausch
Christoph Rehbolz, Hauptmann der Reserve. Auf seiner Brust das goldene Abzeicher der Fallschirmspringer, dass ihm über 50 Absprünge nachweist. | Bild: Jarausch, Gerald

Vollgesogene Kleidung bringt Abtrieb

Entsprechend schnell geht es nach dem Absprung. "In ein paar Sekunden ist alles vorbei", verrät Rebholz. In dieser Zeit müssen sich die Springer bereits auf den Boden- beziehungsweise Wasserkontakt vorbereiten.

In wenigen Sekunden sind die Fallschirmspringer im Wasser und müssen zügig geborgen werden.
In wenigen Sekunden sind die Fallschirmspringer im Wasser und müssen zügig geborgen werden. | Bild: Jarausch, Gerald

Dazu gehört das Lösen diverser Rucksack- und Geschirrgurte, die den Fallschirm am Körper halten. Denn im Wasser kann es für die Fallschirmspringer schnell unangenehm werden. Allein die mit Wasser vollgesogene Kleidung sorgt für viel Abtrieb.

Auch die DLRG ist an Bord

Während auf dem Land eine einstudierte Abrollbewegung den Schwung von immerhin sieben Metern pro Sekunde abfedern soll, tauchen die Springer im Wasser kurz ein. Dann beginnt die Jagd der Boote auf dem Wasser. Am Mittwoch hatte die Bundeswehr sechs motorisierte Schlauchboote auf dem See im Einsatz. Auf jedem Boot war ein Bootsführer und ein Rettungstaucher an Bord.

Nachdem jeweils rund sieben bis acht Fallschirmspringer im Wasser gelandet sind, eilen die Boote herbei, um die Soldaten einzusammeln. Bild: Gerald Jarausch
Nachdem jeweils rund sieben bis acht Fallschirmspringer im Wasser gelandet sind, eilen die Boote herbei, um die Soldaten einzusammeln. | Bild: Jarausch, Gerald

Unterstützt wurden sie von den örtlichen DLRG-Gruppen. "Die Kooperation gibt es schon lange und sorgt für den Kontakt zwischen Bundeswehr und der Hilfsorganisation", erklärt Christoph Rebholz.

Die Soldaten bei der Rückkehr in den Bodmaner Hafen.
Die Soldaten bei der Rückkehr in den Bodmaner Hafen. | Bild: Jarausch, Gerald

Unter den Fallschirmspringern befanden sich auch die beiden Zwillinge Albulena und Dielleza Shabani aus dem Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf. Die beiden Soldatinnen sind seit rund eineinhalb Jahren bei der Bundeswehr und stiegen mit leicht gemischten Gefühlen in den Hubschrauber, da es sich dabei um den ersten Sprung mit einer Wasserlandung seit Beginn ihrer Ausbildung handelte: "Wir sind schon nervös, obwohl manche sagen, dass es der leichteste Sprung ist", verriet Albulena.

Die beiden Zwillinge Albulena und Dielleza Shabani vor ihrem ersten Sprung mit Wasserlandung. Beide sind erst seit eineinahlb Jahren bei der Bundeswehr und absolvierten ihren elften Fallschirmsprung insgesamt. Bild: Gerald Jarausch
Die beiden Zwillinge Albulena und Dielleza Shabani vor ihrem ersten Sprung mit Wasserlandung. Beide sind erst seit eineinahlb Jahren bei der Bundeswehr und absolvierten ihren elften Fallschirmsprung insgesamt. | Bild: Jarausch, Gerald

20 Soldaten pro Helikopter-Tour springen

Letzteres sollte sich bewahrheiten. Als sie zurück an Land im Bodmaner Hafen waren, zeigten sie sich gelöst und gut gelaunt: "Das war wirklich schön. Die Aussicht über dem See ist herrlich. Ich habe mich so leicht gefühlt", erklärte sie bester Stimmung. Anschließend wurden die beiden, wie alle ihrer Kameraden, mit insgesamt acht Fahrzeugen der Bundeswehr wieder zurück zum Flughafen transportiert.

Rückkehr zum Flughplatz: Am Hafen in Bodman besteigen die Soldaten eines der insgesamt acht Fahrzeuge, das sie zurück nach Stahringen bringt. Bild: Gerald Jarausch
Rückkehr zum Flugplatz: Am Hafen in Bodman besteigen die Soldaten eines der insgesamt acht Fahrzeuge, das sie zurück nach Stahringen bringt. | Bild: Jarausch, Gerald

Bis zum Nachmittag flog der Hubschrauber praktisch permanent zwischen dem Flughafen und dem See hin und her. In jeweils drei Kreisen setzte er 20 Fallschirmspringer pro Tour über dem Wasser ab. Das Geschehen wurde von zahlreichen Zuschauern am See beobachtet.

Fallschirmspringer brauchen Übung. Aus diesem Grund muss jeder ausgebildete Fallschirmspringer der Bundeswehr mindestens vier Sprünge absolvieren. Freifallspringer benötigen sogar noch mehr Training.

Durchzählen der Masnnschaft: Im Hafen von Bodman wird überprüft, ob alle Springer unversehrt zurückgekehrt sind. Bild:Gerald Jarausch
Durchzählen der Mannschaft: Im Hafen von Bodman wird überprüft, ob alle Springer unversehrt zurückgekehrt sind. | Bild: Jarausch, Gerald

Für sie sind acht Sprünge pro Jahr vorgeschrieben. Jeder der Soldaten muss über eine entsprechende Fitness verfügen. Sie wird in Wettkämpfen mit Disziplinen wie Schwimmen, Tauchen, Weitsprung und Laufen eruiert. Zusätzlich muss ein Arzt die körperliche Tauglichkeit überprüft haben.

Risiko Wasserlandung

Landungen auf dem Wasser sind aus militärischer Sicht nicht erwünscht, da sie zu viel Risiken bergen. Die Übung über dem Bodensee mit der Wasserlandung dient lediglich dazu, trotzdem auf so einen Fall vorbereitet zu sein. Bei der Übung tragen die Soldaten und Spezialkräfte Schwimmwesten, die im Ernstfall nicht zur Verfügung stehen. Dank ihrer Ausbildung sind die Fallschirmspringer aber in der Lage, sich über einen gewissen Zeitraum mit Kleidung im Wasser zu bewegen. Den Fallschirmspringern standen insgesamt 270 Fallschirme zur Verfügung. Daher konnten die meisten der insgesamt 80 Soldaten und Spezialkräfte mehrfach die Wasserlandung trainieren.