Der Name sagt es: Ein Radweg ist für Radfahrer. In bestimmten Ausnahmefällen dürfen dort Rettungs- oder Baufahrzeuge fahren. Aber keine Autos. Dementsprechend groß waren der Ärger und das Unverständnis bei Radfahrern aus Ludwigshafen, als ihnen an Allerheiligen auf dem Radweg zwischen Sipplingen und Ludwigshafen neben der B31-alt, die derzeit saniert wird, an einer engen Stelle ein Auto entgegen kam.

"Der Fahrer hat mehrere Verbotsschilder einfach ignoriert", erzählt Udo Weber aus Ludwigshafen. "Menschen mit und ohne Fahrrad wurden erheblich behindert." Das Auto sei auf dem Radweg gefahren, habe beim Parkplatz umgedreht und sei wieder zurück nach Sipplingen gefahren, beschreibt Weber. Beim Parkplatz habe der Fahrer auf die zu jenem Zeitpunkt noch abgefräste Fahrbahn gewollt, doch der Absatz sei für den Wagen zu hoch gewesen. "Wenn etwas passiert, ist das Geschrei groß wie beim Zugunfall", ergänzt Weber, der bisher keine Anzeige erstattet hat. Anfang Oktober hatten sich während des Wendemanövers eines Lasters in Sipplingen die Bahnschranken gesenkt, und das Fahrzeug stieß mit einem herannahenden Zug zusammen. 15 Personen wurden verletzt.

Wie ist die Rechtslage?

Was kann auf Verkehrsteilnehmer zukommen, die unberechtigt einen Geh- oder Radweg benutzen? Der Bußgeldkatalog der Straßenverkehrsordnung sieht eine Geldstrafe in Höhe von zehn Euro vor. Bei einer Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer erhöht sich dies auf 15 Euro. Wird jemand gefährdet, sind es 20 Euro. Was hier genau zutreffen würde, konnte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz am Montag nicht sagen. Eine Anfrage bei der Stadtverwaltung Überlingen, deren Ordnungsamt laut Polizei für den Radweg bei Sipplingen zuständig ist, läuft noch. Beim Polizeirevier Überlingen liegen bisher noch keine Infos oder Anzeigen zu Vorfällen wie diesem vor.

Die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen kann zwar nichts zum Problem mit dem Radweg sagen, doch Hauptamtsleiter Stefan Burger weiß durch Beschwerden von Bürgern, dass Autofahrer den Blütenweg im Wohngebiet benutzen, an dem ein Wirtschaftsweg beginnt. "Wir konnten das vereinzelt auch vom Rathaus beobachten", sagt er. Immerhin: Das Problem mit dem Wendeverkehr von Lastwagen im Bereich vor der Baustellenabsperrung bei Tankstelle, Super- und Drogeriemarkt, das anfangs sehr stark war, habe sich verbessert, so Burger. Zahlreiche Fahrer hatten die Umleitungsbeschilderungen übersehen oder mutwillig ignoriert. Dies habe sich "deutlich verringert, nachdem auf unsere Anregung eine halbseitige Sperrung an der Überlinger Straße aufgebaut wurde".

Bei einem Wendemanöver über die Straße Salzbachäcker stieß ein Lastwagen allerdings rückwärts gegen die Metallpoller, die den Gehweg am Supermarkt schützen sollen. Der Verursacher sei der Gemeinde bekannt, erklärte Ortsbaumeister Ralf Volber auf Nachfrage. Die Kosten, die er nicht beziffern konnte, bleiben somit nicht an der Gemeinde hängen. Die Reparatur ist laut Stefan Burger geplant, wenn die B 31-alt freigegeben wird.