Bodman-Ludwigshafen – Die Gemeinde hätte den Welterbetag und den Tag der Städtebauförderung in diesem Jahr nicht sinnvoller begehen können: Das Multifunktionsgebäude und der Pfahlbau-Spielplatz wurden ihrer Bestimmung übergeben. Schade nur, dass der Himmel noch während der Feier seine Schleusen öffnete, was die zahlreich versammelten Menschen fluchtartig in die Zelte trieb. Erst ab dem frühen Nachmittag ließ sich die Sonne wenigstens sporadisch blicken.

Dennoch wurde es ein erlebnisreicher Tag, was auch der politischen Prominenz nicht verborgen blieb. So ließen es sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Dorothea Wehinger, nicht nehmen, der Gemeinde ihre Aufwartung zu machen, wobei sich die Schwägerin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann erstmals in Bodman-Ludwigshafen vorstellte. Als Repräsentant des Museumfördervereins hatte sich Johannes Freiherr von und zu Bodman eingefunden. Die Willkommensgrüße von Bürgermeister Matthias Weckbach galten auch den Aktionskünstler und den Wissenschaftlern von Living History sowie dem Musikverein Sipplingen. Letzterer begleitete unter Leitung von Arthur Widenhorn den Festakt musikalisch und gab anschließend ein mit großem Beifall aufgenommenes Konzert.

In seiner Rede strich Matthias Weckbach das Städtebauprogramm als hervorragenden Beitrag zur Erneuerung der Infrastruktur heraus. Zunächst habe der Ortsteil Ludwigshafen von 1996 bis 2004 mit 2,1 Millionen Euro Fördersumme einen Nutzen gezogen und Bodman profitiere davon seit 2005 mit nunmehr 2,6 Millionen Euro Fördersumme. Dies bedeute laut einer Formel des Statistischen Bundesamtes mit Folgeinvestitionen hochgerechnet rund 40 Millionen Euro zur Erneuerung privater und öffentlicher Infrastruktur. Zuvor habe das Programm auf den Schultern des Landes gelastet. Nunmehr sei es in ein gemeinsames Programm des Bundes und des Landes überführt worden. “Wir danken allen Verantwortlichen für die Unterstützung und hoffen auf eine Weiterführung und großzügige Mittelausstattung.“ In diesem Zusammenhang dankte Weckbach insbesondere den früheren Landtagsabgeordneten Peter Storz (SPD) und Wolfgang Reuther (CDU) für ihren Einsatz bei der Mittelbeschaffung.

Das Multifunktionsgebäude vereine viele Aufgaben in sich, sagte der Bürgermeister: Ein 24-stündiges Tourist-Info, Fahrrad-Garagen und Spinde, Fahrrad-Werkstatt, Technikraum für die Photovoltaikanlage und Elektrotankstellen, allgemeine Toiletten, Behindertentoilette, Wickelraum mit Trockner und eine kleine Vereinsküche. Weckbach bezeichnete den Pfahlbau-Welterbe-Spielplatz als ein absolutes Highlight. Seit 2011 ist das See-Ende Teil des Flächenwelterbes der Pfahlbauten. Leider liegen diese in der Flachwasserzone. Um das Welterbe sichtbar zu machen bedurfte es einiger Anstrengung: "Deshalb haben wir in Bodman und Ludwigshafen nicht einfach nur Spielplätze, sondern Pfahlbauspielplätze gebaut. Die beiden Spielplätze machen dieses Welterbe sicht- und damit auch vermittelbar. Weder Spielplatz noch das Multifunktionsgebäude waren billig und ein bisschen auch ein Politikum“, bemerkte Matthias Weckbach. Durch beharrliches Klinkenputzen habe man einen Zuschuss von 169¦000 Euro erhalten, womit auch ein finanzieller Spielraum für den Spielplatz geschaffen worden sei. Er sei froh, dass das Wasserbecken nicht weggespart worden sei. “Nunmehr haben wir 486¦000 Euro investiert. Abschließend dankte Weckbach den Vertretern des Landes für die große Unterstützung, dem Büro 365 Grad, den ausführenden Formen für die geleistete Arbeit, den Architekten Siegfried Miller (Multifunktionsgebäude) und der Firma Kukuk (Planung Spielplatz).

Bundestagsabgeordneter Andreas Jung würdigte die Leistungen der Gemeinde als herausragend. Als Tourismusgemeinde mit jährlich steigenden Übernachtungszahlen bewege sie sich dank sinnvoller Investitionen auf einem hohen Niveau. Man habe in Bodman-Ludwigshafen rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und er beglückwünschte die Gemeinde für ihre Weitsicht auf wichtigen Ebenen. Mit Living History konnte man im Uferpark einen Blick in die Prähistorie werfen. So befasste sich der Archäologe Rudolf Walter aus Schelklingen, auch „Mister Steinzeit“ genannt, mit Erlebnis-Archäologie mit steinzeitlichen Jägern und Sammlern. Der staatlich geprüfte Denkmalspfleger Frank Trommer aus Blaubeuren, der sich als Archäotechniker einen Namen gemacht hat, zeigte prähistorischen Bronzeguss und Holzbearbeitung, Friedrich Palmer aus Ehningen präsentierte Handwerkstechniken der Vor- und Frühgeschichte und überraschte mit Elementen der experimentellen Archäologie. Der Touristik-Förderverein Ludwigshafen sorgte für das leibliche Wohl und die Touristinformation widmete sich den Kindern mit einem abwechslungsreichen Programm.

Bildergalerie: www.suedkurier.de/bilder

Tag des Welterbes

Der Welterbetag, der am ersten Sonntag im Juni begangen wird, soll vor allem ein Forum der Kommunikation und Begegnung mit den Menschen sein, für die ihre Welterbestätte ein wichtiger Bezugspunkt ist. Der Grundgedanke ist, das Welterbe erlebbar zu machen, wie zum Beispiel in den Pfahlbau-Spielplätzen in Bodman und Ludwigshafen, und die eigene Kultur als Teil eines vielfältigen Erbes der Menschheit zu verstehen. Der alljährliche bundesweite “Tag der Städtebauförderung“ bietet eine Bühne zur Präsentation von Vorhaben der Gemeinde oder Stadt. Die Projekte sind als normaler Bestandteil einer Gesamtmaßnahme förderfähig, wie in Bodman-Ludwigshafen das Multifunktionsgebäude.