Hoch über dem Überlinger See liegt auf einem schmalen Bergsporn oberhalb von Bodman eine kleine, aus Kapelle und Priesterhaus bestehende ehemalige Niederlassung der Zisterzienser in Salem: der Frauenberg.

Die Anlage darf als eines der kulturellen Kleinode am Bodensee gelten, ein landschaftsbezogenes Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung, in dessen Tradition sich nicht nur über 700 Jahre Familiengeschichte der Ritter von Bodman, sondern auch 1200 Jahre südwestdeutscher Geschichte widerspiegeln. Die Wallfahrtskapelle ist am Sonntag, 8. September, wieder Schauplatz der Feiern zum Patrozinium und der Marienfeier. Die Kirche erwartet viele Pilger aus Bodman und aus der Umgebung.

Seit dem Jahre 1309 ist der Frauenberg Wallfahrtsort, ausgehend von der als Wunder angesehenen Errettung des kleinen Johannes, der als einziger Spross derer von Bodman das Brandunglück von 1307 überlebte. Der bedeutendste Raum des denkmalgeschützten Gebäude, das der Besitzer, Wilderich Graf von und zu Bodman, mit Unterstützung der Denkmalstiftung in Baden-Württemberg einer grundlegenden Sanierung unterziehen ließ, ist die Wallfahrtskapelle mit ihrer beachtlichen Ausstattung.

Feiern in der Pfarrkirche und auf dem Frauenberg

In ihr werden regelmäßig von Mai bis Ende September Wallfahrtsgottesdienste gefeiert – insbesondere auch am Hauptwallfahrtstag zum Fest Mariä Geburt, an dem auch das Patrozinium begangen wird. An diesem Sonntag, 9. September, ist es wieder soweit.

Die Patroziniumsfeier findet um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul statt, die Marienfeier mit Predigt zum Hauptwallfahrtstag um 15.30 Uhr auf dem Frauenberg. Bei gutem Wetter im Freien auf dem Platz vor dem Gebäude, bei ungünstiger Witterung in der Kapelle.

Im vergangenen Jahr war Erzbischof Stephan Burger der prominenteste Wallfahrer, der in der Pfarrkirche mit den Pfarrern Rainer Auer, Fritz Dietmar Ott und Bernd Kurt Müller ein Pontifikalamt zelebrierte. Wie immer, werden vor allem bei schönem Wetter auch am Sonntag wieder viele Pilger aus der ganzen Umgebung zu "Unserer Lieben Frau vom Berge" wallfahren.

Rokoko-Kanzel ist ein Blickfang

Der Raum der Wallfahrtskapelle reicht über zwei Geschosse. Er besitzt eine hölzerne Empore und einen polygamen, an der Ostseite hinausragenden Chorraum. Die weiß gekalkten Wände verdecken umfangreiche Fresken, die Abt Peter Müller vom Kloster Salem 1612 anfertigen ließ. Schmuckstück der Nordwand ist die vom 2. Obergeschoss zugängliche Rokoko-Kanzel.

Wird am Sonntag wieder das Ziel vieler Wallfahrer aus Bodman und Umgebung sein: das Kloster Frauenberg Bilder: Friedrich W.Strub
Wird am Sonntag wieder das Ziel vieler Wallfahrer aus Bodman und Umgebung sein: das Kloster Frauenberg Bilder: Friedrich W.Strub | Bild: Friedrich W. Strub

Die Kapellenrückwand unter der Empore ziert das breit angelegte Votiv- und Stifterbild von 1612. Es erinnert an die Stiftung des Burgplatzes an das Kloster Salem sowie an die Brandkatastrophe von 1307 und die wundersame Errettung des Johannes von Bodman. Abgebildet sind die beim Brand umgekommenen Familienmitglieder und Verwandten sowie der Stifter Johann von Bodman. Für die fehlenden Seitenaltäre der Ostwand fertigte Gottlob Gutekunst 1846 zwei geschichtsbezogene Wandgemälde: Darstellung des Burgbrandes und die Wallfahrt auf den Frauenberg.

Kunstwerk aus dem 1. Jahrhunder n. Chr.

Unter dem Gemälde steht eine ausdrucksvolle Pietà aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts. Die Kreuzrippendecke von 1705 gestaltete B. Bewarth. In der Mittelnische befindet sich Maria mit Kind. Beim Brand in der Pfarrkirche von 1858 wurde die Muttergottes schwer beschädigt, danach wieder ergänzt und neu gefasst.

Ausdruckstärkstes Kunstwerk ist die Darstellung des letzten Abendmahls aus Lindenholz in der Tabernakeltür. Sie gehört zu den überzeugendsten Schnitzarbeiten von Joseph Anton Feuchtmayer. Das fein gearbeitete Relief stammt vermutlich vom Hochalter des Salemer Münsters und wurde nachträglich in den Frauenberger Altar eingearbeitet. Vor einem kassettierten Gewölbe auf pilastergegliederten Wänden gruppieren sich die zwölf Apostel. Besonders symbolstark ist die Darstellung eines Kreises, de die Hostie zeigt, anstelle der Peron Jesu.