Als ob die Fischer am Bodensee nicht schon genug Sorgen hätten, kommt jetzt eine neue hinzu. Dafür sorgt ein Bewohner des Sees selbst; der Dreistachlige Stichling mit dem wissenschaftlichen Namen Gasterosteus aculeatus. Dieser wirtschaftlich weitestgehend bedeutungslose und für den Genuss unbrauchbare, etwa acht bis zehn Zentimeter kleine Fisch, ist neben dem Nährstoffmangel im Bodensee mitverantwortlich für den Rückgang der Population der Edelfische, von deren Laich und Brut er sich ernährt. Der Fisch bewohnt pflanzenreiche Flachwasserzonen mit sandigem oder schlammigen Grund. Namensgebend und besonders auffällig sind die drei aufstellbaren Stacheln vor der Rückenflosse. Zwischen Kopf und weichstrahliger Rückenflosse sitzen sechs Knochenplatten, deren dritte, vierte und sechste je einen der Stacheln tragen. Die Bauchflossen weisen ebenfalls je einen langen, kräftigen Stachel auf.

Dreistachliger Stichling vermehrt sich explosionsartig

Der Dreistachlige Stichling kam ursprünglich im Bodensee nicht vor. Wie er hierher gekommen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Dass er von Aquarianern ausgesetzt worden ist, behaupten die einen, andere hingegen – dies gilt als realistischer – sind der Meinung, dass er aus dem Schwarzen Meer in den Bodensee gekommen ist. Wie alle Stichlinge trägt auch das dreistachlige Exemplar keine Schuppen.

"Der Dreistachlige Stichling vermehrt sich hier am See-Ende geradezu explosionsartig, macht sich über den Laich der Edelfische her und vernichtet damit die Brut. Er ist allerdings nicht besonders langlebig und erreicht nur ein Alter von zwei bis drei Jahren", so der Bodmaner Fischermeister Josef Giess gegenüber dem SÜDKURIER. Der Leiter des limnologischen Instituts der Universität Konstanz, Karl-Otto Rothaupt, verweist in einer Veröffentlichung mit Blick auf die Ertragseinbußen der Berufsfischer darauf, dass es derzeit mit dem massenhaften Vorkommen des Stichlings ein großes Problem am See gebe. Auf die enorm starke Entwicklung des gebietsfremden Drei­stachligen Stichlings hatte jüngst auch die Bevollmächtigtenkonferenz der Bodenseefischer hingewiesen.

Aufspaltung in verschiedene Arten

Die nicht verwertbare Fischart ist ein weiterer Nahrungskonkurrent für die anderen Arten und übt nach Angaben von Peter Dehus Räuberdruck auf die Felchen aus. Für den Fischereireferenten im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium bleiben die niedrigen Phosphatwerte im Bodensee aber das Kernproblem, das die Nahrungspotenziale der Fische arg begrenzt. Die Meersburger Fischwirtschaftsmeisterin Elke Dinger pflichtet aber dem Fischereireferenten bei, wenn er vom Nährstoffmangel im See als dem noch größeren Problem spricht.

Schweizer Forscher fanden heraus, dass die Dreistachligen Stichlinge im und um den Bodensee sich derzeit in verschiedene Arten aufspalten. In einer Studie haben Evolutionsbiologen der Universität Basel das Erbgut dutzender Stichlinge aus dem Bodensee und seinen Zuflüssen untersucht. Das Resultat: Die Stichlingspopulationen in den teils sehr kleinen Zuflüssen sind genetisch vielfältiger als die viel größeren Seepopulationen. Die genetischen Unterschiede gehen mit äußeren Merkmalen einher: Laut den Forschern bilden die Seestichlinge breitere Knochenplatten und längere Stacheln aus, die sie vor Raubfischen und fischfressenden Vögeln schützen. Kommerziell interessant ist der Stichling nicht, dafür aber sehr robust. Uferverbauungen, Kanalisierungen und Gewässerverunreinigungen können ihm wenig anhaben.


Dreistachliger Stichling

Der schuppenlose Fisch, der bis zu zehn Zentimeter groß werden kann, erreicht ein Höchstgewicht bis zu 28 Gramm und ein Lebensalter von zwei bis drei Jahren. Da er sich neben Kleinkrebsen und Insektenlarven in der Hauptsache vom Laich der Edelfische ernährt, ist er im Bodensee zu einem Problem geworden, zumal er sich explosionsartig ausbreitet. Die Laichzeit fällt in die Zeit von Mai bis Juni. Das Weibchen legt zwischen 100 bis 400 Eier ins Nest. Anschließend wird das Weibchen vertrieben und das Gelege sowie die schlüpfende Brut werden vom Männchen bewacht und gepflegt. Nach sechs bis zehn Tagen schlüpfen die Jungen. Bei Gefahr nimmt das Männchen die Jungen ins Maul. Der Fisch ist praktisch ungenießbar.